Virtualgym Alessandra
zvg

Wer sein Yogastudio retten will, muss jetzt bezahlen

von Gina Buhl

9 APRIL 2020

Health

Während wir zuhause vor dem Screen oft gratis schwitzen, bangen die Trainerinnen um ihre Existenz. Was Livestreams den Coaches wirklich bringen.

Seit dem Lockdown bieten viele Yogastudios und Personal-Trainer Live-Workouts auf Instagram und Zoom an. Auch bei euch kommen diese Angebote ziemlich gut an, wie eine Insta-Umfrage unter 2739 Friday-Followerinnen gezeigt hat: Ganze 67 Prozent machen nämlich regelmässig (mindestens einmal in der Woche) bei den Angeboten mit.

Aber was bringen diese Onlinesessions den Yogastudios und Personal-Trainern eigentlich? Das wollten wir herausfinden.

Gute Vibes und Strukturen

Dass das Bedürfnis nach Bewegung und einem Gefühl von Normalität gerade gross ist, bestätigt Vivianne Jespers vom Zürcher Yogastudio Yogaculture. Die Inhaberin hat mit ihrem Team das Angebot innerhalb weniger Tage komplett auf online umgestellt: "Unsere Schülerinnen und Schüler schreiben uns oft, dass sie extrem dankbar dafür sind, dass wir mit den Stunden ein wenig Normalität ins Wohnzimmer bringen. Aber auch für mich und mein Team ist es wichtig, weiterhin eine gewisse Struktur zu haben. In erster Linie muss ich allerdings meinen Betrieb schützen". Nur: Wie soll das jetzt gehen?

Das Studio von Vivianne bietet ein Zoom-Abo an, mit dem die Schülerinnen für einen reduzierten Preis trainieren können. Die Stimmung in der Community sei super. Das bunt gemischte Publikum, das teilweise auch aus anderen Ländern einschalten würde, bereichere die aktuelle Situation. Auch die Kreativität der Unterrichtenden werde angeknipst: "Man muss als Lehrerin jetzt natürlich noch einfallsreicher sein als sonst." Da ersetzt schon mal ein Lexikon den Yogablock.

Die guten Vibes bezahlen keine Miete

Mit guten Vibes allein lässt sich aber keine Miete bezahlen. Auch für Inhaberinnen der Studios, die oft mehrere Trainerinnen und Trainer beschäftigen, geht es um Existenzen. "Für uns ist die aktuelle Situation eine ganz schöne Herausforderung", erzählt Luisa Fregnan vom Yogastudio Meyo House in Basel. "Auch weil einige Studios ihre Stunden auf Spendenbasis anbieten. Das macht den Markt kaputt für jene, die etwas verlangen und ist besonders für kleine Anbieter schwierig."

Es gebe sicher Gründe für ein spendenbasiertes Angebot, sagt die Baslerin, die zwei Gratisklassen in der Woche unterrichtet, ansonsten aber über bestehende Abos abrechnet. "Wir investieren Zeit, müssen Equipment für die Videoübertragung besorgen, alles testen und die Stunden anpassen. Das sollte honoriert werden."

84 Prozent bezahlen nichts

Das Problem mit Spenden sei ausserdem, dass viele gar nichts bezahlen. Auch unsere Umfrage auf Instagram spiegelt das wider: Ganze 84 Prozent spenden nichts.

Personal Trainerin Alessandra Giunta, Gründerin des Gyms "BLG" hatte vor, ihre Live-Trainings auf Insta ausschliesslich über eine Kollekte zu finanzieren: "Ich wollte, dass alle mitmachen können. Mein Ursprungsgedanke war, dass Normalverdienende auch normal bezahlen und die anderen so viel, wie sie können." Es waren dann aber immer die selben, die spendeten. Und nicht nur das: "Bezahlt haben oft gerade die aus meiner Community, von denen ich weiss, dass sie momentan eher knapp bei Kasse sind."

Für ihre Zoom-Workouts verlangt Alessandra inzwischen fünf Franken – einen Bruchteil des normalen Preises. Ob sie damit über die Runde komme, könne sie noch nicht abschätzen. Genauso wenig wie Luisa: "Mir leuchtet es schon ein, dass sich manche fragen, warum sie für ein ruckeliges Video bezahlen sollen, wenn sie gratis hochwertige Youtube-Clips schauen können. Aber: Youtube wird mit der Zeit ziemlich einsam."

Das stimmt. In den Live-Kursen können Yoginis mit vertrauten Lehrerinnen trainieren und sich mit der Gruppe im Anschluss über Handstand-Fails austauschen. Es ist doch genau das, was uns gerade so fehlt: Der Austausch mit Menschen, bei denen wir uns wohl fühlen.

Solidarität ist gefragt

Natürlich kann es Luisa kaum erwarten, die Türen ihres Studios wieder zu öffnen, aber: "Wenn sich das alles noch etwas besser eingroovt, hätte ich auf jeden Fall Lust, das Ganze weiterzuführen – zum Beispiel in Form von Video-Workshops zum Download." Auch Alessandra will die neue Form des Gruppentrainings unbedingt beibehalten: "Ich habe die Leute, die regelmässig mitmachen, inzwischen mega gern gewonnen. Das einfach abzusägen, fänd ich extrem schade."

Ja, die Live-Video-Sport-Sessions retten während des Lockdowns unsere Fitness. Irgendwann haben wir aber auch wieder Bock, in unserem Lieblingsgym gemeinsam mit anderen zu schwitzen. Dafür müssen wir uns jetzt solidarisch zeigen und die Studios supporten – so einfach ist das.

Weitere Infos gefällig?

- Wer mit Alessandra trainieren will kann bei virtualgym.ch vorbei schauen. Mit der Plattform will sie uns fit machen – aber auch Trainerinnen und Trainer, die wegen Corona keine Kunden mehr betreuen dürfen, unterstützen. Sämtliche Einnahmen gehen 1:1 an die Coaches.

- Auf der Website von Yogaculture findet ihr den Link zum Zoom-Abo

- Und hier gehts zum Online-Stundenplan von Meyo House in Basel

Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend