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Hannah Gottschalk

Worauf es als Braumeisterin ankommt

von Lucien Esseiva

22 JULI 2018

Life

Claudia Graf führt eine Bierbrauerei und bewegt sich locker in dieser Männerdomäne.

Claudia Graf (33) machte eine Lehre zur Bankkauffrau, lernte Sprachen im Ausland und ging dann nach München, um sich zur Braumeisterin ausbilden zu lassen. Im Lehrgangmit 44 Teilnehmern war sie eine von drei Frauen – in der Schweiz gehört sie zu den Wenigen ihres Fachs. Seit bald sechs Jahren leitet sie die Rheintaler Brauerei Sonnenbräu in fünfter Generation.

Claudia, Du bewegst dich locker in einer Männerdomäne. Was ist dein Geheimrezept? Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, fachlich gut ausgebildet zu sein. Hätte ich mich für ein Wirtschaftsstudium statt für die Braumeisterschule entschieden, hätte ich es schwerer gehabt. Für die Akzeptanz ist es wichtig, dass man weiss, wovon man spricht.


Was sind die dümmsten Sprüche, die du dir als Braumeisterin und Chefin einer Brauerei anhören musst? Eine Frage, die immer wieder kommt, ist, ob ich gerne Bier trinke. Da muss ich schon schmunzeln. Würde ich nicht gerne Bier trinken, hätte ich nicht die gleiche Motivation, unser Unternehmen so zu führen, wie ich es tue.


Darfst du auch mal ein Glas Champagner schlürfen? Champagner mag ich nicht so gerne. Aber klar gönne ich mir auch mal ein Gläschen Rotwein. Da sind wir nicht so streng...

Claudia Graf

Ich hatte es weder schwerer noch leichter

Du leitest euer Familienunternehmen. Wie verlief dein Einstieg in diese Aufgabe? Die Mitarbeiter wussten lange im Voraus, dass ich kommen würde, und waren vor allem froh, dass es weitergeht. Gegenwind habe ich darum kaum wahrgenommen. Aber ich habe mich selber stark unter Druck gesetzt.


Inwiefern? Ich wollte mir, der Firma und natürlich auch meinem Vater beweisen, dass ich der Aufgabe gewachsen bin. Mein Graus war es, dass jemand hätte sagen können: «Sie setzt sich ins gemachte Nest.»


Wie sehr nervt es, dass du in deiner Position oft aufs Frausein angesprochen wirst? Einerseits ist es schön, dass ich eine spannende Geschichte erzählen kann und als Frau Aufmerksamkeit geniesse. Andererseits glaube ich, dass ich es als Frau weder schwerer noch leichter hatte, in die Rolle der Brauerei-Chefin zu schlüpfen. Ein Mann, der das Unternehmen von seinem Vater übernimmt, hätte vielleicht noch stärker mit Eifersucht unter den Mitarbeitern zu kämpfen. Ich hatte auch nie wirklich mit Vorurteilen zu kämpfen, wurde aber oft gefragt, ob ich einen Partner habe. Im Sinne von: Irgendwann kommt ihr Mann, übernimmt den Laden, und alles ist wieder gut.


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