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Wieso schwitze ich beim Sport stärker als alle anderen?

von Katja Fässler

2 NOVEMBER 2018

Health

Beim Sport gibts zwei Arten von Menschen: Jene, die das Training komplett verschwitzt beenden, und jene mit nur wenigen Schweissperlen auf der Stirn. Was das über unsere Fitness aussagt.

Als ich neulich im Power-Yoga war, ist es mir wieder einmal aufgefallen: Während ich mir regelrecht die Seele aus dem Leib geschwitzt habe, stiegen meine Sportskollegen am Ende der Stunde vergleichsweise trocken von der Matte. Ich bin jeweils die Einzige, die mit Stirnband und zusätzlichem Frotteetuch in die Klasse kommt. Wäre ich nicht dementsprechend ausgestattet, würde die Matte so nass, dass ich im herabschauenden Hund nach vorne ausrutschen würde.

Automatisch habe ich das Gefühl, dass alle anderen, die weniger schwitzen, super sportlich sind. Doch scheint das nur die halbe Wahrheit zu sein. "Wer an seine Leistungsgrenze geht und die Komfortzone verlässt, der schwitzt", sagt Evelyn Ludwig, Personal Fitness-Coach bei Indigo in Zürich. Ein guter Stoffwechsel könne ausserdem dazu führen, dass der Schweiss schneller fliesst. Letztendlich hänge die Schweissproduktion auch von der genetischen Veranlagung ab.

Subjektives Hitze-Empfinden

Dass es bei der Schwitzrate auf den Typ ankommt, bestätigt auch Dr. Phil Jungen, Chefarzt der Sportmedizin Nottwil. "Das hat mit der Hautbeschaffenheit, mit den Schweissdrüsen und dem subjektiven Hitzeempfinden zu tun. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass gut trainierte Menschen weniger stark schwitzen." Allerdings: "Wer unsportlich ist, kommt schneller ans Limit und produziert früher mehr Hitze. Aber auch der Trainierte erreicht einmal seine Leistungsgrenze und transpiriert genau so viel oder so wenig."

Laut Dr. Stefan Fröhlich von der Universitätsklinik Balgrist läuft der Schweiss bei sportlichen Menschen sogar schneller: "Das heisst, die Schweissdrüsen arbeiten effektiver und produzieren zu jeder Zeit des Trainings die nötige Menge. Durch regelmässiges Training ändert sich zudem die Schweisskonsistenz und man verliert dabei weniger wichtige Substanzen", erklärt er.

Einfluss von Alkohol und Zigaretten

Ob ein ungesunder Lebensstil, also das Konsumieren von Alkohol, Zigaretten und Fastfood, die Transpiration fördere? An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Denn einerseits wird Schwitzen als etwas Gesundes wahrgenommen, als eine wichtige Funktion zur Kühlung des Körpers, andererseits transpirieren etwa übergewichtige Menschen oft schon beim Sitzen überdurchschnittlich stark.

Für Dr. Phil Jungen steht fest: "Der Kreislauf eines ungesunden, degenerierten Menschen kommt auch bei Alltagsbelastungen rasch an seine Grenzen. Blutdruck und Puls steigen und somit auch die Transpiration."

Cool bleiben

Wie in allen Bereichen gilt letztendlich auch beim Sport: Übung macht den Meister. Sobald wir etwas gut können, also besser trainiert sind, empfinden wir es als weniger anstrengend. "Wenn man eine Sportart noch nicht wirklich beherrscht, kommt Stress hinzu und wir schwitzen automatisch mehr", ergänzt Personal Trainerin Evelyn Ludwig.

Fazit: Wem der nasse Kopf und die roten Wangen wie mir unangenehm sind, der muss da wohl oder übel durch. "Am besten den Fokus bei sich behalten", so Ludwig. "Schliesslich macht man Sport für sich selbst und nicht für andere."

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