Nina Alleine Reisen
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So ist es, als Frau allein durch Asien zu reisen

von Stephanie Vinzens

29 AUGUST 2018

Life

Friday-Leserin Nina erzählt von nächtlichen Zugreisen, schrägen Taxifahrern und erklärt, warum sie sich als Frau manchmal sicherer gefühlt hat, als in der Schweiz.

Nina hat sich dieses Jahr auf ihren erste langen Backpacker-Trip gewagt. Fast fünf Monate lang ist die 24-Jährige durch Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Indonesien und die Philippinen gereist. Uns hat sie von ihren Erfahrungen erzählt und gleich ein paar Tipps verraten:

"Ob man ein bestimmter Typ Frau sein muss, um allein zu reisen? Selbstbewusst? Mutig? Unkompliziert? Nein – auch wenn es solche Eigenschaften natürlich leichter machen können. Schlussendlich lernt man aber eben gerade während des Trips, selbstbewusster, mutiger und unkomplizierter zu werden. Wichtig ist es, mit einer offenen Einstellung zu reisen. Stets den Willen zu haben, flexibel zu sein. Denn es läuft selten wie geplant. Je weniger man sich also in den Kopf setzt, desto weniger kann schief gehen. So kam auch ich immer wieder in Situationen, die mich an den Rande der Verzweiflung trieben. Daraus wurden dann aber prägende Momente meiner Reise.

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Einmal fand ich spät nachts in Myanmar den Ticketschalter fürs Zugbillet nicht. Ich fragte rum, doch niemand verstand mich. Als ich ihn dann endlich fand, war die 1. Klasse bereits ausverkauft. Ich sass also als einzige Touristin in der 2. Klasse – 14 Stunden lang auf einer harten Holzbank. Gelegentlich schlug mir durchs Fenster ein Ast ins Gesicht. Der Zug stoppte aber immer wieder mal, damit wir uns Essen kaufen konnten. Weil es jedoch mitten in der Nacht war, hatte ich keinen Hunger. Die Locals im Abteil machten sich deswegen total Sorgen und versuchten mich mit Händen und Füssen zu fragen, was los sei. Ein älterer Herr kam dann plötzlich auf mich zu – er hatte Essen für mich gekauft. Wie kann man sich da noch aufregen, wenn einem solch eine Herzlichkeit entgegengebracht wird? In solchen Momenten wusste ich: Alles, was ich im Leben wirklich brauche, sind gute Leute um mich herum.

Ich habe mich sicherer gefühlt als in Zürich

Immer wieder gab es solche Momente, die mir zeigten: Hier wird auf mich geschaut. So habe ich mich während dem Reisen teilweise sicherer gefühlt als in Zürich. Trotzdem gab es durchaus Situationen, die mich als Frau herausforderten. Als ich etwa vom Süden Sri Lankas in den Osten reiste, war ich erst einmal geschockt: Ich sah kaum Frauen in der Öffentlichkeit. Und ich? Ich war für die Männer komplett unsichtbar. Sie grüssten mich nicht und wenn ich in Restaurants bestellen wollte, wurde ich ignoriert. Mir half es zu wissen, dass dieses Verhalten niemals böse gemeint, sondern schlicht kulturell bedingt ist.

Deshalb, Regel Nummer eins: Sich vorher über das Land und seine Kultur informieren. Vor der Reise sollte man schon mal kurz auf Google abchecken, ob die Destination für Frauen überhaupt empfohlen ist. So ging ich zum Beispiel nicht nach Nord Sri Lanka, weil man Frauen – und generell Touristen – davon abrät. Vor Ort habe ich mich dann jeweils direkt bei den Locals über Sitten und Verhaltensregeln informiert. Sie freuen sich immer sehr über das Interesse und man lernt so aus erster Hand mehr über ihre Kultur.

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Allein zu Reisen ist Empowerment pur

Auch wenn ich mich beim Backpacken niemals belästigt gefühlt habe, kommt es natürlich wie hier auch vor, dass man auf der Strasse angebaggert wird. Ich war da immer sehr selbstbewusst und habe laut einen Witz darüber gerissen. Meistens hörten die Sprüche dann auf. Viele Frauen können sich davon jedoch durchaus belästigt oder bedroht fühlen – besonders in einem fremden Land. In solch einem Fall empfehle ich, sich anderen Reisenden anzuschliessen.

Wenn mir ein Taxifahrer suspekt erschien, habe ich mit Google Maps kontrolliert, ob er mich an den richtigen Ort fährt. Wenn ich Zweifel hatte, bat ich ihn anzuhalten und stieg aus. Zudem habe ich immer geschaut, dass ich jeweils morgens an neuen Orten ankomme. So blieb mir genug Zeit, um mich zu Orientieren, eine gute Unterkunft zu finden und neue Leute kennenzulernen. Letzteres ist übrigens einfacher als viele denken. Betritt man den Aufenthaltsraum in einem Hostel, wird man meist kurz darauf angequatscht.

Auch wenn allein backpacken nicht immer die komfortabelste und einfachste Art zu reisen ist, ist es etwas, das ich nie mehr missen möchte. Denn null Kompromisse eingehen zu müssen und täglich für sich selbst entscheiden zu können – das ist unglaublich empowering. Besonders als Frau. Die Gesellschaft gibt einem oft das Gefühl, unser Geschlecht sei eine Last, die alles viel schwieriger für uns macht. Nach meiner Asienreise weiss ich nun: Das ist totaler Quatsch!"

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