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WG? Unbedingt!

von Karin Zweidler

27 OKTOBER 2016

Life

Studenten wollen nicht mehr in WGs wohnen, darüber berichtete 20 Minuten kürzlich. Unsere Redaktorin Karin Zweidler sieht das anders: Sie wohnt in einer und liebt es – obwohl sie längst fertig studiert hat.

WGs? Wollen Studenten heute nicht mehr. 20 Minuten berichtete: Viel lieber würden sie alleine wohnen und ihre Ruhe haben, im Studi-Wohnheim die Vorzüge von Putzpersonal geniessen – oder sich einfach weiterhin im Hotel Mama verwöhnen lassen. Aber eine Wohnung teilen? Lieber nicht.

Ich habe mein Studium vor zwei Jahren abgeschlossen. In einer WG wohne ich trotzdem. Immer noch, könnte man sagen. Oder auch: Warum nicht? Ich habe nämlich vor, das auch weiterhin zu tun.

Das macht man doch so

Als mein letzter Mitbewohner seinen Auszug ankündigte, war für mich klar: Jetzt ist der Zeitpunkt da, um alleine in unserer wunderbaren Mini-Wohnung zu bleiben. Erst bei den Eltern wohnen, danach mit Freunden zusammen und als nächster Schritt dann alleine oder mit dem Partner – macht man ja so, wenn man erwachsen wird. Glaubs. Ich richte sein Zimmer also zum Büro her und fühle mich von jetzt an gross. Ganze drei Monate lang. Bis ich merke: Zu zweit ist es irgendwie schöner. Und das hat absolut gar nichts mit Reife zu tun.


Spinnen eliminieren und Outfits besprechen

Zusammenwohnen ist nämlich mehr, als weniger zu zahlen und zu putzen. Ich mag es, jemanden um mich zu haben. Ich mag es, dass Mitbewohner aus einschläfernden Sofa-Abenden philosophische Wein-Nächte machen, dass sie manchmal Gäste mitbringen. Dass sie da sind, zum Essen, Reden, Outfits besprechen oder zum Spinnen eliminieren. Und ich mag es, dass sie manchmal nicht da sind. Nämlich immer dann, wenn ich keine Lust auf sie habe und die Tür hinter mir zumache. Alleinsein ist schön. Geht aber genauso gut, wenn ich mit jemandem zusammenwohne.

Highlight: Der Nachbar fragt nach Mehl

Wenn ich in meinen drei Allein-Wohn-Monaten nach einem Stress-Tag nach Hause kam, war es ruhig. Das war schön. Es war aber auch dann ruhig, wenn ich gerne jemanden um mich gehabt hätte, aber zu müde war, mich noch zu verabreden. Hatte ich an einem Freitagabend mal nichts vor, dann wusste ich, dass ich die nächsten 16 Stunden absolut gar keine Menschen sehen werde. Dass nichts Unerwartetes passiert, ausser, dass vielleicht ein Nachbar klingelt, um nach Mehl zu fragen. Es gab keine ungeplanten Schwätzchen im Türrahmen, kein gemeinsames Spontan-Trash-TV schauen. Und auch bei plötzlichem Liebeskummer war auf die Schnelle niemand da.

Harmonie statt Remmi-Demmi

Natürlich. Für die 11er-Remmi-Demmi-WG ist man entweder gar nicht gemacht oder irgendwann definitiv zu alt. Und mit dem Zweck-WG-Gspänli ein Leben ohne Überschneidungspunkte führen? Bitte nicht. Wer aber statt einem lästigen Mitbewohner einen erwachsenen Freund findet, der bekommt Geborgenheit und Action – gleichzeitig. Und dafür nehme ich gern in Kauf, dass ab und zu ein Rüebli im Kühlschrank fehlt.

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