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Weshalb Pausen einlegen richtig produktiv macht

von Luise Philine Pomykaj

4 FEBRUAR 2019

Job & Budget

Bei all dem Leistungsdruck unserer Arbeitswelt vergessen wir ganz, was uns wirklich kreativ macht: Pausen einlegen. Ein Plädoyer fürs kurze Abschalten.

Vor ein paar Wochen hat mein Freund einen Musik-Mix erstellt, bei dem er als Übergänge Quotes, zum Beispiel aus Filmen, verwendete. Bei einer Stelle liess sich aber einfach nichts finden, was zum Takt der Musik passte. Leicht genervt und sehr müde von der Party am Vorabend, klappte er den Laptop zu. Zeit, sich mal kurz hinzulegen. Kurz vorm Einschlafen kam ihm dann plötzlich ein Geistesblitz – und der passende Übergang war gefunden.

Das brachte mich zum Nachdenken: Dass ein Muskel in der Regenerationsphase wächst und nicht während des Trainings, wissen Spitzensportler schon lange. In unserer Arbeitswelt und Leistungsgesellschaft kommt dieser Gedanke allerdings erst jetzt langsam an.

Power Nap im Konferenzraum

Ein aktueller Trendbericht des deutschen Zukunftinstituts nennt es “professionelles Faulsein”. Es heisst dort, dass uns während einer Leerlaufphase, wie im Beispiel oben, oft die besten Ideen kommen. Denn Untersuchungen von Hirnforschern zeigen: Geistesblitze werden durch chemische Botenstoffe ausgelöst. Dass diese ausgeschüttet werden, hänge davon ab, in was für einer Umgebung wir uns befinden und welches Gefühl wir zum Zeitpunkt haben. Schon das kurze "Loslassen" bei einem gemütlichen Power Nap kann also dafür sorgen.

Wie wir das auf unser Arbeiten umsetzen können? Pausen einlegen. Sei es das Luftschnappen auf der Terrasse, der kurze Walk um den Block, oder das Power Nap und Meditieren im unternehmenseigenen “Sleep Room” oder Konferenzraum – wird in China tatsächlich einfach so gemacht. Wir müssen mehr darauf achten, uns immer mal wieder aufzuladen – bei unseren Smartphones vergessen wir das schliesslich auch nicht. Und apropos: Es gibt auch Apps, die einen ans Pausemachen erinnern.

Eine 33-Stunden-Woche

Trotz der treffenden Bezeichnung des Instituts finde ich, eigentlich hat das gar nichts mit Faulsein zu tun. Eher gehts doch um den richtigen Umgang mit den eigenen Ressourcen. Klar macht der übermotivierte Mitarbeiter, der den Laptop bereits auf dem Weg zur Arbeit im Tram aufklappt, zunächst einen super Eindruck. Quantität steht aber ja bekanntlich nicht immer vor Qualität. Was ihm wohl alles so einfallen würde, wenn er kurz aus dem Fenster schauen und die Menschen beobachten würde, für die er seinen Job macht?

Die Skandinavier haben mit ihren modernen Arbeitszeitmodellen schon früh begriffen, dass Mitarbeiter motivierter und kreativer sind, wenn ihre Work-Life-Balance stimmt: Eine OECD-Studie zeigt, dass der durchschnittliche Däne nur etwa 33 Stunden pro Woche arbeitet und dass auf private Termine und Familie Rücksicht genommen wird. Denn auch das kann man als "Pause einlegen" bezeichnen: Das Privatleben zwischendurch zu stärken und sich Gutes zu tun, mal abschalten und die Arbeit am Arbeitsort zurücklassen.

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