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Wenn das Schwitzen nicht aufhört

von Janine Heini

30 JUNI 2019

Health

Klatschnasse, schwitzige Hände begleiten - und behindern - Beauty-Praktikantin Janine Heini seit ihrer Kindheit. Dank der Diagnose Hyperhidrosis weiss sie nun, was sie gegen das übermässige Schwitzen machen kann.

Es begann schon in meiner Kindheit. In der Primarschule fiel es mir zum ersten Mal auf, als ich im Fach Schönschreiben (ja, das gab es damals wirklich) meine ganzen Hefte durch meine schwitzigen Hände durchnässte und meine Schrift verschmierte. Von nun an bekam ich immer einen Stapel Löschpapierblätter auf den Tisch, die ich mir unter die Hand legen konnte. Das Kind ist wohl nervös und das geht wieder weg, hiess es. Da es meiner Schwester gleich erging, dachte ich mir nichts dabei.

Händeschütteln wurde richtig peinlich

Als Teenie begannen mich meine Schweisshände dann ernsthaft zu stören. Händeschütteln – sehr peinlich. Klavierspielen – bei den schwarzen Tasten rutschte ich immer ab. Arbeiten am Laptop – dem Gerät drohte Wasserschaden. Am unangenehmsten war mir das Ganze jedoch bei meiner Arbeit als Model. Schmuck-Shooting mit schön präsentierten Händen? Undenkbar. Fittings mit Seidenkleider? Ich hatte Angst, die Stoffe zu ruinieren. Denn im Extremfall tropften die Hände sogar.

Das Komische dabei war, dass es keine besonderen Anzeichen gab, wann es ausbrach. Manchmal hatte ich tagelang keine schwitzigen Hände und dann konnte ich gemütlich auf meinem Bett sitzen und ein Buch lesen und plötzlich kam Flüssigkeit aus meinen Händen geschossen, als hätte jemand den Wasserhahn aufgedreht.

Aluminium und kleine Stromschläge

Die Diagnose der Dermatologin: Hyperhidrosis (griech. hypér = über, noch mehr und hidrós= Schweiss). Die angeborene, genetisch bedingte Krankheit bezeichnet eine übermässige Schweissproduktion, die unabhängig von Wärme und Jahreszeit in der Regel lokal auftritt. Bei 60% der Patienten betrifft es die Handflächen oder Fusssohlen, bei 40 % die Achselhöhlen und bei 10 % den Kopf. Ca. 1-2% der Menschen leiden an Hyperhidrosis. In meiner Familie sind meine Schwester und ich die einzigen, die betroffen sind.

Als Erstes empfahl mir die Dermatologin eine Aluminium-Behandlung. Ohne Erfolg – die Lösung trocknete die Haut an den Händen zwar aus, doch sie schwitzten fröhlich weiter. Als Nächstes probierte ich die sogenannte Leitungswasseriontophorese. Das ist eine Gleichstromtherapie, bei der die Hände für 30 Minuten in zwei Wannen mit Wasser gelegt werden, an denen je eine mit einer Spannungsquelle verbundene Elektrode platziert ist. Über die Haut findet dann ein Ionentransport statt, der in den Schweissdrüsen irgendeine reversible Funktion auslöst. Die Wirkung ist ganz gut, wenn auch nur vorübergehend. Mit drei Mal pro Woche ist es recht zeitaufwändig und die vielen kleinen Stromschläge sind sehr unangenehm.

Es blieb nur Botox

Ich entschied mich für die nächste Behandlungsmethode: Botox-Injektionen. 50 Stiche pro Handfläche. Autsch. Die Wirkung ist jedoch phänomenal, dafür nehme ich die Schmerzen gerne in Kauf. Für etwa ein halbes Jahr schwitzen meine Hände keinen Tropfen mehr. Das Botox in meinen Händen legt sozusagen die Schweissdrüsen lahm. Falls es etwas zu tief gespritzt wird jedoch auch die Nerven, daher kann es zu kleinen motorischen Einschränkungen kommen, die ich beispielsweise bei der Fingerfertigkeit beim Klavierspielen merkte. Oder, dass ich plötzlich Mühe hatte, Gurkengläser zu öffnen. Da sich der Stoff mit der Zeit abbaut, muss die Behandlung regelmässig wiederholt werden.

Als letzter Ausweg gäbe es noch die Endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS), wobei unter Vollnarkose bei einer Operation Nervenstränge bei einem Teil des vegetativen Nervensystems, nahe der Brustwirbelsäule, durchtrennt werden. So schwitzt man am gesamten Oberkörper nicht mehr. Dieser ziemlich drastische Eingriff hat aber einige Nebenwirkungen. Das körperliche Leistungsvermögen kann eingeschränkt sein und es ist möglich, an andere Körperstellen, etwa am Bauch oder im Schritt, umso mehr zu schwitzen. Wie unangenehm. Die Hände kann ich zumindest ständig waschen oder abtupfen.

Für mich ist klar: Ich bleibe beim Botox und wer weiss, vielleicht hört das Schwitzen irgendwann mal von selber auf. Das sei durchaus möglich, hat mir die Hautärztin bestätigt.

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