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Darum lasse ich Weihnachten dieses Jahr sausen

von Gloria Karthan

11 DEZEMBER 2019

Life

Friday-Redaktorin Gloria verbringt die Festtage zum ersten Mal so, wie sie es will.

Eins vorweg: Ich war nicht immer ein Grinch. Ganz im Gegenteil. Bis vor wenigen Jahren war Weihnachten für mich das Allergrösste. Ich habe keine Geschwister und meine Cousins kamen erst zur Welt, als ich bereits im Teeniealter war. Früher stand ich an Heiligabend dermassen im Mittelpunkt, dass man hätte meinen können, ich sei das Christkind höchstpersönlich. Waaas, die Gschänkli sind alle für mich? Und das Velo da auch?

Aber 2019 gibts kein Geschenk, kein Lametta und auch kein Weihnachtsfest für mich. Laut einer Umfrage des Reiseportals Ferienpiraten würden 61 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer lieber verreisen, statt mit der Familie zu feiern – mich eingeschlossen. Und dieses Jahr mach ichs wirklich.

DIY-Gifts sind keine Option

Schon im November macht mich Weihnachten völlig fertig. Gschänkli-wahnsinnig durchstöberte ich bisher zig Shops, Designmessen und Weihnachtsmärkte und fand dann doch wieder bloss Geschenke, die nur mässig geil waren.

Eine zweitägige Backorgie, woraus selbstgemachte Macarons resultierten, hat mir gezeigt: DIY-Geschenke stossen besonders auf der italienischen Seite meiner Family auf, ähm, wenig Anklang. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie der Vorschlag ankäme, wir könnten ja von jetzt an wichteln oder gar die Bescherung ganz ausfallen lassen.

Was feiere ich da?

Ich setze mich heute vermehrt mit meinem Konsum auseinander und kaufe mittlerweile fast keine neuen Sachen mehr. Im Laden denke ich mir ständig: Brauch ich das?

Ausserdem bin ich vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten (sorry Nonna!). Jetzt frage ich mich umso mehr: Was genau feiere ich da eigentlich? Meine Verwandten, die ich wahnsinnig lieb hab, könnte ich doch auch an jedem anderen Tag besuchen. Weihnachten ist für mich kein besinnliches Fest der Liebe und Gemeinschaft mehr, sondern der Pflichten und hohen Erwartungen: das Jahr harmonisch abrunden und bloss niemanden enttäuschen.

Kommt hinzu, dass ich als Patchwork-Kind nicht bloss einmal, sondern gleich mehrmals feiern muss. Nach Heiligabend bei der Familie meiner Mutter folgen mein Papi und Stiefmami, und an Tag drei gehts noch zur Familie meines Freundes. Help!

Mein Geschenk an mich

Meine Verwandten sind happy mit ihrer Weihnachtsversion und das mag ich ihnen auch wirklich gönnen – auf keinen Fall will ich sie vor den Kopf stossen. Ich will unser Dinner nicht veganisieren, die Bescherung nicht boykottieren oder darüber diskutieren, obs Jesus wirklich gegeben hat.

Darum werden meine Verwandten auch dieses Jahr Fondue chinoise schlemmen, meine kleinen Cousins werden eine neue Spielekonsole bekommen und meine Nonna wird um neun zum italienischen Gottesdienst stressen.

Nur bin ich nicht dabei. Zu Weihnachten schenke ich mir diesmal die Erlaubnis, andere auch mal zu enttäuschen.

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