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Der weibliche Orgasmus hat also doch einen Sinn

von Janine Heini

2 OKTOBER 2019

Life

Um schwanger zu werden, brauchts keinen Höhepunkt. Dass das nicht immer der Fall war, zeigt nun eine Untersuchung an Kaninchen.

Warum Männer Orgasmen haben, ist soweit klar: Die männliche Ejakulation befördert Spermien zur Eizelle, damit diese sie befruchten können. Aber was ist mit den Frauen? Die werden auch ohne Höhepunkt beim Geschlechtsverkehr schwanger. Evolutionsbedingt hat der weibliche Orgasmus, von dem es übrigens sieben Arten gibt, keinen Nutzen. Das dachte man zumindest lange Zeit.

Ohne Orgasmus kein Eisprung

Forschende in den USA haben nun herausgefunden, dass der Orgasmus der Frau früher ebenso wichtig gewesen ist wie der männliche. Ganz am Anfang der menschlichen Evolution wurden während des Höhepunkts Hormone ausgeschüttet, die den Eisprung auslösten. Ohne Orgasmus gabs also keinen Eisprung – damit war eine Schwangerschaft nicht möglich. Diese wissenschaftliche Theorie, die bereits vor drei Jahren aufgestellt wurde, konnte nun durch Versuche bestätigt werden.

Bei Säugetieren wie Kaninchen und Katzen ist diese sogenannte induzierte Ovulation bis heute der Fall. Bei diesen Tieren liegt die Klitoris im Inneren der Vagina und wird beim Sex direkt stimuliert. In einem Versuch haben die Forschenden Mihaela Pavlicev von der Universität Wien und Günter Wagner von der Universität Yale nun herausgefunden, dass die Orgasmusfähigkeit weiblicher Kaninchen durch Antidepressiva gehemmt wird – genau wie es bei Frauen der Fall ist. Die Untersuchung zeigt: Der evolutionäre Ursprung menschlicher Höhepunkte und deren von Kaninchen ist derselbe.

Orgasmus steigert Chance auf Befruchtung

Heute haben Frauen ihren Eisprung regelmässig, ungefähr alle 28 Tage. Warum ist der weibliche Orgasmus dennoch erhalten geblieben?

Andere Untersuchungen hatten bisher gezeigt, dass der weibliche Orgasmus zumindest physiologisch Sinn macht: Da sich dabei Scheide und Gebärmutter zusammenziehen, senkt sich der Muttermund ab, was die Chance für eine Befruchtung erhöhen kann.

Orgasmus für die Partnerwahl

Eine andere evolutionsbiologische Theorie besagt, dass der weibliche Orgasmus ein Test für die Wahl des perfektes Partners sein kann: Männer beweisen ihre empathischen Fähigkeiten, indem sie eine Frau zum Höhepunkt bringen. Die Theorie geht davon aus, dass Frauen ihre Partner dadurch eher als einfühlsame Väter wahrnehmen.

Auch wenn aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht hundertprozentig klar ist, warum der weibliche Höhepunkt genau existiert – zumindest in der Philosophie ist man sich einig, dass es ohne ihn einfach nicht geht: Bei den alten Griechen galt er als Verbindung zur göttlichen Macht. Und nicht zuletzt fühlt er sich einfach wahnsinnig gut an. Das müsste als Existenzgrund eigentlich reichen, oder nicht?

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