Gettyimages La5288 001
Getty Images

Warum wir schon jetzt an unsere Pensionierung denken sollten

von Eva Hediger

12 AUGUST 2018

Job & Budget

Jetzt schon für das Alter sparen? Viele verdrängen diesen Gedanken. Warum und mit welchen Fragen wir uns rund um AHV & Co. auseinandersetzen sollten, erfährst du hier.  

Habt ihr auch oft die mahnenden Worte eurer Eltern im Kopf: "Spar rechtzeitig für deine Altersvorsorge. Denk an die 3. Säule. Das Alter kommt schneller, als du denkst." Meist schüttelt es uns dann innerlich. Dass wir mal alt werden, können wir uns noch nicht so richtig vorstellen. Lieber jetzt das Leben geniessen und sich mit der Zukunft auseinandersetzen, wenn sie näher rückt. 

Falsch. Denn Wissen ist Macht. Wer weiss, wie das mit der Altersvorsorge funktioniert, vermeidet Fehler, die Folgen haben können. Und es ist alles gar nicht so kompliziert, wie man denkt. Zusammen mit Finanzberater Marco Russi aus Chur beantworten wir die wichtigsten Fragen.

  • Müssen wir uns wirklich bereits in jungen Jahren Sorgen machen

    Der Finanzberater rät: "Sobald du anfängst zu arbeiten, solltest du dich mit Vorsorge & Co. auseinandersetzen."
  • Was ist der erste Schritt? 

    "Als Erstes reicht es, wenn du Anfang Jahr den Pensionskassenausweis studierst. Dort steht nämlich, wie viel dir voraussichtlich als Rentnerin ausgezahlt wird, respektive welche Leistungen bei einer Invalidität oder einem Todesfall ausbezahlt werden." Kannst du dir vorstellen, von diesem Betrag zu leben? "Falls nicht, müssen andere Lösungen gesucht werden", so Marco Russi. Zum Beispiel könntest du freiwillig in die Säule 3a einzahlen. Aber Achtung: Dieses Spezialkonto darfst du nur unter bestimmten Umständen auflösen. Dafür kannst du je nach Wohnort ordentlich Steuern sparen.
  • Worauf muss ich achten, wenn ich Teilzeit arbeite?

    Vier von fünf Mütter gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach – aber auch viele kinderlose Millenials setzen auf reduzierte Pensen. Ein Problem? "Das hängt stark vom Lohn ab", sagt Marco Russi. Er rät aber besonders jenen, die weniger als 60 Prozent arbeiten, sich früh mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen. "Diese wird auch von der Familiensituation beeinflusst." Besonders unverheiratete Paare sollten sich extra absichern. Während Verheiratete bei einer Trennung die Pensionskassengelder hälftig teilen, gehen Ledige ohne Kinder leer aus.
  • Wie viel vom Lohn wird versichert?

    Unsere Pensionskasse können wir selten frei wählen. Das ist blöd. Besonders bei Teilzeitarbeit. Denn viele Kassen ziehen vom Jahreseinkommen einen Koordinationsabzug ab, um den versicherten Lohn zu berechnen. In diesem Jahr beträgt dieser Abzug 24'675 Franken und dieser ist nicht immer deinem Arbeitspensum angepasst. So kann es sein, dass dir trotz fairem Lohn fast nichts versichert wird. In diesem Fall lohne es sich, mit dem Arbeitsgeber zu diskutieren. "Vielleicht kann die Pensionskasse den Abzug dem Pensum anpassen", so Russi.
  • Was passiert bei mehreren Jobs?

    Die oben erwähnte Anpassung des Koordinationsabzugs ist besonders wichtig, wenn du zwei Halbzeitstellen miteinander kombinierst – im schlimmsten Fall zahlst du dann in zwei verschiedene Pensionskassen ein und leidest unter zwei Abzügen. Problematisch ist es auch, wenn dein Lohn unter der Eintrittsschwelle von 21'150 Franken liegt – dann zahlt dir nämlich der Betrieb gar nichts ein. "Dann kann es passieren, dass man bei der Pensionierung keine Gelder aus der 2. Säule erhält", so Marco Russi. Damit dir das trotz deiner zwei verschiedenen Jobs nicht geschieht, kannst du dich der Stiftung Auffangeinrichtung vom Bund anschliessen.
  • Worauf muss bei einer längeren Reise geachtet werden?

    "Dann zahle unbedingt den Mindestbeitrag der AHV, sonst riskierst du später Kürzungen", warnt Marco Russi. Ob eine Risikoversicherung für Krankheit und Invalidität abgeschlossen werden soll, hängt stark von deiner Lebenssituation ab. "Sind von dir andere Personen finanziell abhängig, würde ich es machen." Übrigens: Wenn du direkt nach deiner Kündigung verreist und bis zu einem halben Jahr wegbleibst, sprich vor Austritt mit deinem ehemaligen Arbeitgeber. Meist kannst du noch sechs Monate gegen Unfall versichert bleiben. "Das nennt sich eine Abredeversicherung", so Russi. Hast du dann während der Reise einen Unfall, bist du finanziell trotzdem sicher.
  • Was passiert, wenn mein Partner stirbt?

    Auch bei einem Todesfall trifft es Unverheiratete finanziell härter: Zwar erhalten die Kinder Waisenrenten, die Frau oder der Mann jedoch keine Witwenrente aus der 1. Säule (AHV). Auf eine Rente aus der Pensionskasse des Partners hat die oder der Hinterbliebene unter bestimmten Voraussetzungen Anrecht – häufig muss der Verstorbene den Namen des Partners hinterlegt haben. Also doch lieber heiraten? "Wer nicht an die Ehe glaubt, muss natürlich nicht", sagt Marco Russi. "Man kann alles lösen. Es ist nur aufwendiger."
  • Was muss ich sonst noch wissen?

    Unser dreisäuliges Vorsorgekonzept ist ziemlich kompliziert, Marco Russi meint aber: "Mit etwas Zeit und Internetrecherche findet man eigentlich viele Informationen heraus." Möchtest du dich trotzdem lieber von einem Experten beraten lassen, hast du zwei Möglichkeiten: Du wendest dich an deine Bank oder Versicherung. Diese Dienstleistung sind häufig kostenlos – aber nicht unabhängig. Freie Berater profitieren zwar nicht von den verkauften Produkten, werden aber im Stundenlohn bezahlt. "Wie hoch die Kosten für eine solche Beratung sind, ist sehr individuell", so Marco Russi. Andere Quellen rechnen mit 1000 bis 4000 Franken.


Der Experte
20170902 Chur Marco 1 Von 1 4 1024X683 1

Marco Russi ist unabhängiger Finanzberater und arbeitete zuvor beim VZ Vermögenszentrum. Er berät seine Kunden in Finanzplanungs- und Pensionierungsfragen.

Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend