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Warum Natalie Portman nicht nach Israel reisen will

von Marc-André Capeder

23 APRIL 2018

Entertainment

Eigentlich sollte der Schauspielerin in Jerusalem Ende Juni ein prestigeträchtiger Award übergeben werden. Doch aus Protest gegen die israelische Regierung lehnt die 36-Jährige den Preis ab.

Den Genesis Prize verliehen zu bekommen, ist eigentlich eine grosse Ehre. Der Preis wird an Menschen vergeben, die mit ihrem Handeln, ihren beruflichen Erfolgen und ihrem Engagement für das jüdische Volk eine Inspiration für die nächste Generation Juden sind. Zu den bisherigen Empfängern des mit einer Million Dollar dotierten Awards gehören Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister New Yorks, und Schauspieler Michael Douglas. Das "Time Magazine" bezeichnete den Award als den "Jüdischen Nobelpreis".

Die Preisträgerin dieses Jahres: Natalie Portman. Die israelisch-amerikanische Schauspielerin habe mit ihrer "charismatischen Bildschirmpräsenz die Herzen von Millionen berührt". Die Mutter zweier Kinder verkörpere die wichtigsten Werte des jüdischen Volkes, darunter auch "den Herzenswunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen". Am Freitag dann der Schock: Natalie Portman will den Award nicht entgegennehmen und reist für die grosse Zeremonie am 28. Juni nicht nach Jerusalem.

Empörung bei den Politikern



Die Schauspielerin habe "die jüngsten Ereignisse in Israel als extrem bedauerlich empfunden, und sie fühlt sich nicht wohl dabei, an einer öffentlichen Veranstaltung in Israel teilzunehmen", so die Genesis-Stiftung in New York. Es wird spekuliert, ob sich Natalie damit auf die tödlichen Schüsse israelischer Soldaten auf Demonstranten an der Grenze zum Gazastreifen oder die geplante Abschiebung afrikanischer Flüchtlinge bezog.

Hat Natalie richtig gehandelt?

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  • Nein, bei einer Rede auf die Missstände hinzudeuten wäre der bessere Weg gewesen. 17%

Die Retourkutsche kam umgehend: Rechtsorientierte Politiker kritisierten, Natalie hätte der Boykottbewegung gegen Israel nachgegeben. Andere Politiker forderten gar, ihr müsse die israelische Staatsbürgerschaft entzogen werden. Aus den Reaktionen der Politiker ist nebst Enttäuschung viel verletzter Stolz herauszulesen. Die Absage schmerzt besonders, weil Natalie Portman ja eigentlich "eine von ihnen" ist. Natalie wurde 1981 in Jerusalem als Tochter eines israelischen Arztes und einer jüdisch-amerikanischen Mutter geboren. Ihre Eltern zogen in die USA, als sie noch klein war. Die Schauspielerin ist eine von Israels Galionsfiguren im Ausland.

"Ich muss gegen Gewalt, Korruption, Ungleichheit und Machtmissbrauch einstehen"

Mit einem Insta-Post präzisierte Natalie am Samstag die Gründe ihrer Absage. Sie wolle nicht den Eindruck erwecken, den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zu unterstützen, der bei der Zeremonie eine Rede gehalten hätte. Portman betont, sie sei nicht für die Boykottbewegung gegen Israel. "Wie viele Israelis und Juden in aller Welt kann ich kritisch zur Führung Israels stehen, ohne die gesamte Nation boykottieren zu wollen." Israel sei vor 70 Jahren als sicherer Hafen für jene gegründet worden, die vor dem Holocaust fliehen mussten. "Aber die Misshandlung all jener, die heute unter Gräueltaten leiden müssen, entspricht einfach nicht meinen jüdischen Werten", schreibt sie. Weil Israel ihr am Herzen liege, "muss ich aufstehen gegen Gewalt, Korruption, Ungleichheit und Machtmissbrauch". 

Das Preisgeld von einer Million Dollar erhält Natalie Portman trotzdem und darf es für karitative Zwecke einsetzen. Man fragt sich nun, ob es nicht die schlauere Lösung gewesen wäre, den Preis entgegenzunehmen und mit einer flammenden Rede auf die Missstände in Israels Politik hinzuweisen? Bei Natalie hätte die Welt bestimmt hingehört. 

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