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Warum mein Gottikind grossartige Papas hat

von Yvonne Eisenring

2 MÄRZ 2019

Life

Autorin Yvonne Eisenring erwartete, dass die Zeugung des Babys bei den Leuten Thema wäre. Die Diskussion, die sie führte, war aber folgende: Können zwei Männer mit einem Baby gut genug umgehen?

Im Juli 2017 kam das SMS: Sie ist da! Mein Gottikind war auf der Welt. Zwei Wochen später hielt ich sie das erste Mal in den Armen - ich lebte gerade in New York und fuhr für ein paar Tage nach Baltimore, wo sie geboren wurde. Sie war winzig. Und sehr herzig. Aber vor allem winzig. Ein Baby halt. Ein ganz normales Baby.

Das Besondere an diesem normalen Baby: Es hat zwei Väter. Diese Tatsache führte dazu, dass ich nach der Geburt nicht nur Babyfotos, sondern auch Erklärungen parat haben musste. Ich diskutierte, argumentierte und verteidigte. Die Kritik war immer dieselbe. Das Meiteli brauche doch eine Mutter, hiess es. Männer könnten es nicht gleich gut mit Babys. Die seien doch überfordert. Einmal wurde ich tatsächlich gefragt, wie sie es denn machten mit dem Windelnwechseln.

Wie geht das so ohne die Anweisungen einer Frau?

Ich erwartete, dass die Zeugung des Babys Thema wäre. Aber dass mit modernster Technik, einer Eizellenspenderin und einer Leihmutter Kinder gezeugt werden, störte überraschenderweise kaum jemanden. Darüber möchte ich hier auch nicht diskutieren. Ich habe keine dezidierte Meinung dazu. Ich finde nur: Die Diskussion, wenn man sie denn führen möchte, müsste anderswo anfangen. Ab wann ist es okay, in die Natur einzugreifen? Wo endet «natürlich» und wo beginnt «künstlich»? Wer zieht die Grenze? Aber eben, die Diskussion, die ich führte, war folgende: Können zwei Männer mit einem Baby gut genug umgehen? So ohne Frau, die ihnen klare Anweisungen gibt. Auf sich gestellt.

Und da habe ich eine klare Meinung: Windeln wechseln, schöppelen, in den Schlaf wiegen, Babybrei kochen, bädelen, Kotze aufwischen, Geschichten erzählen, Lieder vorsingen sind doch nicht Dinge, die Frauen per se besser machen! Das sind Dinge, die ein Mann genauso gut kann, wie eine Frau – wenn er denn will. Natürlich kann ein Mann nicht stillen, aber abgesehen davon? Ich bin mit Eltern aufgewachsen, die gleich oft zu Hause waren. Beide waren zur Hälfte berufstätig und Hausfrau respektive Hausmann. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass ein Vater genauso gut kochen, trösten, verarzten und erziehen kann wie eine Mutter.

Braucht mein Gottikind weibliche Verstärkung, muss es nicht lange suchen

Dass es immer noch oft die Frauen sind, die natürlicher mit dem Kind umgehen, ist wenig überraschend. In drei von vier Familien in der Schweiz arbeitet der Mann Voll- und die Frau Teilzeit. Die Mutter ist folglich häufiger daheim und das Kind und sie verbringen mehr Zeit miteinander. Dass dann das Kind zur Mutter geht, wenn es getröstet werden will, ist nur logisch. Ich finde den Vorwurf, dass es einem Kind, das zwei Väter hat, an weiblichem Einfluss fehlt, unüberlegt. Mein Gottikind hat nicht nur Väter. Sie hat auch Tanten, Grossmütter, Kita-Betreuerinnen, Freundinnen der Eltern, kurz, braucht sie weibliche Verstärkung, muss sie nicht lange suchen. Und würde es ihr tatsächlich so sehr fehlen und schaden, dass sie nicht Mann und Frau zu Hause hat, hätten dann nicht alle Halbwaisen, Scheidungskinder und sämtliche Kinder, deren Väter berufsbedingt nie zu Hause sind, die gleichen Probleme?

Sie wird von ihren Eltern alle Liebe bekommen

Ich behaupte nicht, dass alle homosexuellen Eltern per se gute Eltern sind. Genauso wenig wie heterosexuelle. Ich weiss nur, dass mein Gottikind grossartige Eltern hat. «Normale» Eltern, die wie viele andere Remo Largos Ratgeber «Babyjahre» rauf und runter gelesen haben. Die genauso heftig über die optimale Mittagsschlaf-Zeit und den perfekten Babybrei diskutieren, ratlos im Kreis spazieren, das Bündel auf dem Arm, weil es weint, obwohl doch alles «gut» sein müsste. Sie hat Eltern, die rennen, wenn sie hinfällt, die Geschichten erzählen und Lieder vorsingen, wenn sie nicht einschlafen kann.

Sie wird von ihren Eltern alle Liebe bekommen und alles lernen und abschauen können, was sie fürs Leben braucht. Und wenn sie irgendwann klassische Frauenprobleme hat und ihre Väter ihr nur beschränkt Tipps bei Regelschmerzen und PMS geben können, kann sie sich an mich wenden. Dafür sind Gottis ja da.

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