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Hannah Gottschalk

Diese Vier wollen mit ihrem Vintage-Shop andere Teens inspirieren

von Gina Buhl

15 SEPTEMBER 2019

Fashion

Mit ihrem neuen Secondhand-Laden wollen vier junge Bernerinnen den Fast-Fashion-Kreislauf durchbrechen. Wir haben sie besucht.

Es ist nicht so, als müsste der Eisbär sie daran erinnern. Als bräuchten Tessa, Emma, Isabelle und Louise einen Reminder, wenn sie mit geducktem Kopf und Skateboard unter dem Arm die Stufen in ihren Secondhand-Store hinunterkraxeln, während ihr Blick auf das Plakat mit dem traurigen Tier fällt, das in ihrem Laden hängt.

Die vier Bernerinnen haben sich schon vor Gretas erstem Sitzstreik mit den Folgen des Klimawandels auseinandergesetzt. "Eigentlich beschäftigt mich Klimaschutz, seit ich denken kann. Mich scheisst es an zuzusehen, wie unsere Welt kaputtgeht – und nichts dagegen zu unternehmen", sagt Isabelle und stützt ihr Kinn in die gefalteten Hände. Es ist die Denkerpose der Gang. Die Ich-weiss-dass-es-nicht-bequem-ist-aber-es-muss-sich-­etwas-ändern-Haltung. Und sie begegnet einem oft, wenn man sich mit den vieren unterhält.

Liebe für Skateboards und Vintage-Outfits

Die Gymnasiastinnen, die seit Februar immer freitags und samstags das kleine Schloss ihres "Logisch-Store" in der Münstergasse aufschliessen, haben aber noch mehr gemeinsam: Ihre Liebe für Skateboards und Vintage-Outfits etwa – und ein bisschen Wut. Keine typische Teenie-Wut. Keine gegen Eltern, gegen Lehrer oder Türsteher, die sie nicht in den Club lassen. Ihre Wut richtet sich gegen die Politik und gegen "Big Player", die "mit der Gier nach immer mehr Geld und Macht die Welt zerstören", wie die 16-jährige Louise es formuliert.

Tessa, 17

Gymnasiastin

Wir lieben Vintageläden und haben so was in Bern sehr vermisst.

Engagiert zu sein, sei ein Privileg, das nicht allen auf der Welt vergönnt ist, also übernehmen sie das. "Seit Greta uns so richtig wachgerüttelt hat, umso mehr", sagt Emma, 17. Nicht nur in Klimaschutz-Arbeitsgruppen und der Klimastreik-Orga sind sie aktiv, sondern nun auch mit dem Secondhand-Store, der sich im Keller des Ladens von Emmas Mutter befindet. Damit wollen sie andere dazu inspirieren, den so verschwenderischen Fast-Fashion-Kreislauf zu durchbrechen. "Wir lieben Vintageläden und haben so was in Bern sehr vermisst. Also dachten wir, warum nicht?", sagt Tessa, 17. Den meisten Millennials wären da wohl zig Gründe eingefallen: zu wenig Me-Time, zu wenig Kohle, zu viel Angst vor dem Scheitern.

Die Einnahmen werden gespendet

Die Sorge zu versagen, überlassen die vier lieber anderen: "Jeder und jede rechnet damit, dass du als so junge Ladenbesitzerin irgendwann einen kolossalen Fehler machst", sagt Isabelle. Tatsächlich läufts bisher aber ziemlich gut: An der Eröffnung konnten die vielen Neugierigen nur gestaffelt reingelassen werden. Auf den Treppenstufen stapeln sich Säcke mit Kleidern für den Laden. "Es ist eigentlich immer etwas los hier." Und das verdiente Geld? Das wird nicht in das eigene Bauchtäschli gestopft: Die Unternehmerinnen spenden die Einnahmen an NGOs.

Nur das Trinkgeld behalten sie, und das nehmen sie wörtlich. Spätestens wenn die vier darüber sprechen, welche Drinks sie abends in der Reitschule bestellen wollen, wird klar: Abgesehen von Power-Aktivistinnen sind sie auch ganz normale Teenager.

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