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"Vibratoren lassen alles andere langweilig erscheinen"

von Gloria Karthan

10 NOVEMBER 2019

Life

Jede zweite Schweizerin besitzt einen Vibrator. Wir haben bei Sexualtherapeutin Gabriela Kirschbaum nachgefragt, ob mans damit auch übertreiben kann.

Frau Kirschbaum, gefühlt jede meiner Freundinnen hat mittlerweile ein Sextoy. Begrüssen Sie diese Entwicklung? Ich begrüsse es, dass Frauen sich selbstverständlich und eigenverantwortlich um ihre eigene Erotik kümmern. Ein Toy kann da helfen.

Gibts auch Nachteile? Wenn man mit einem Toy masturbiert, ist die Quelle der Erregung immer dieselbe. Es kann passieren, dass man sich zu sehr auf Geräte fixiert. Obwohl Vibratoren zuverlässig zum Orgasmus führen, haben sie etwas sehr mechanisches.

Friday-Redaktorinnen haben kürzlich Sextoys getestet. Einige hatten schon nach wenigen Sekunden einen Orgasmus. Genau das kann problematisch sein: Sextoys lassen die Erregungskurve steil ansteigen und lösen den Orgasmusreflex zügig aus. Aber die Empfindungen beschränken sich auf einen engen, kleinen Bereich – meist die Klitoris. Der Orgasmus beruht somit eher auf einer körperlichen Entladung. Was fehlt, sind genussvolle Empfindungen, die sich im Körper ausbreiten und Höhepunkte, die auch emotional entladen.

Gewöhnt man sich an solche Blitz-Orgasmen? Ja. Wenn Frauen sich nur mit Toys erregen und nichts anderes dazulernen, erscheint ihnen alles andere oft langweilig. Dazu kommt: In der Paarsexualität ist eine solche rasche Steigerung ohne Sextoy nicht möglich.

Rein körperlich: Kann ein starker Vibrator die Klitoris auf Dauer unempfindlicher machen? Ich habe noch nie gehört, dass Toys eine Klitoris für immer unempfindlicher gemacht haben. Aber mit der Gewöhnung an die Vibration erscheint alles andere empfindungsärmer.

Wenns irgendwann nicht mehr ohne Vibrator geht: Brauchts einen kalten Entzug? Falls man sich nur noch auf eine Art erregen kann, muss man sich neu sensibilisieren. Ich vergleiche den Körper gerne mit einem Musikinstrument. Die Frau muss lernen, ihn einzusetzen: Die Genitalien und andere Körperteile langsam über feine Berührungen und Bewegungen wachstreicheln, die Erregung ausbreiten und vor allem auch achtsamer werden.

Und den Vibrator auch mal im Nachttischli lassen. Ja. Alleine und in der Paarbeziehung sollte man Sextoys nur als Abwechslung mitspielen lassen und auch sonstige Erregungsarten kennen lernen. Wenn die Frau sich auch mit den Händen, Bewegungen, dem Atem und ihrer Fantasie erregen kann, sind Vibratoren und Co. meiner Ansicht nach kein Problem.

Gibts ein Toy, das Sie empfehlen können? Alles, was Spass macht. Was steile körperliche Erregungskurven angeht, ist der Womanizer sicher ein Könner.

Gabriela Kirschbaum führt eine Praxis für Sexualtherapie und Paarberatung in Brugg.

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