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In Zürich eröffnet die erste vegane Arztpraxis der Schweiz

von Gloria Karthan

20 MÄRZ 2019

Health

Zwei vegane Ärzte eröffnen im April eine Praxis für Vegetarier und Veganer. Aber auch Allesesser sollen sich dort behandeln lassen können.

Die rein pflanzliche Ernährung ist ein kontroverses Thema. Das zeigt sich offenbar auch beim Arztbesuch: 20 Minuten berichtete vor einiger Zeit darüber, dass sich viele Veganer von ihren Ärzten nicht ernst genommen fühlen. "Mein Hausarzt belächelte mich nur, als ich mich als Veganer outete", erzählte damals ein Leser.

Bis anhin gab es nur wenige auf Veganer ausgerichtete medizinische Angebote. Unter anderem die Online-Plattform Vegmedizin, auf welcher die beiden veganen Ärzte Dr. Alexander Walz und Dr. Renato Werndli medizinisch beraten und Zweitmeinungen anbieten. Ausserdem konnte man Renato Werndli in seiner eigenen Hausarztpraxis in Eicherg im Kanton St. Gallen konsultieren.

Vegan aus Tierschutzgründen

Die beiden Ärzte eröffnen nun am 1. April in Altstetten die erste vegane Arztpraxis der Schweiz. Werndli ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Tierrechtler. Vor allem aus Tierschutzgründen sei er seit 30 Jahren Vegetarier und verzichte seit neun Jahren nun ganz auf tierische Produkte.

In der Praxis werde nur veganes Personal arbeiten, das aber alle Patienten abklärt und behandelt. "Wir übernehmen eine bestehende Praxis und rechnen damit, dass viele Patientinnen und Patienten aus der Lokalbevölkerung weiterhin zu uns kommen – ob Veganer oder nicht."

Dr. Renato Werndli

Facharzt für Allgemeinmedizin

Veganismus hat unter Ärzten ein schlechtes Image.

Stellt sich die Frage: Wozu braucht es eine vegane Praxis überhaupt? "Die meisten Ärztinnen und Ärzte haben dem veganen Lebensstil gegenüber Vorurteile", sagt Renato Werndli. Seien vegan lebende Menschen krank, würden Ärzte behaupten, der Lebensstil sei schuld.

Laut Werndli hat der Veganismus unter Ärzten ein schlechtes Image. "Wahrscheinlich durch den Einfluss der Fleisch- und Milchlobby glauben die meisten Ärzte tatsächlich, dass Veganismus schädlich ist." Dabei müsse man bei einer ausgewogenen Ernährung lediglich Vitamin B12 ergänzen. "Es ist ein Märchen, dass vegan kompliziert ist", sagt der Arzt.

Missioniert wird nicht

Zudem dürfe man nicht vergessen, dass Ärztinnen und Ärzte keine Ernährungsexperten seien – Ernährung werde im Medizinstudium kaum behandelt. "Zu meiner Zeit schon nicht und meines Wissens auch heute nicht", so Werndli. "Als Veganer wissen mein Team und ich wohl etwas mehr über Ernährung, weil wir uns auch automatisch viel mehr damit beschäftigen."

Müssen Steak-Esser Angst haben, dass in der neuen Praxis Veganismus missioniert wird? "Nein", sagt Werndli. "Wir machen nichts anders. Ein nichtveganer Patient merkt nicht, dass er in einer veganen Praxis ist." Bei Krankheiten, deren Verlauf aus Sicht Werndlis von einer Ernährungsumstellung profitieren könnte, erwähne er die Option der veganen Ernährung allerdings schon.

Dr. Renato Werndli

Facharzt für Allgemeinmedizin

Nur ein Drittel aller Medikamente ist vegan.

Welche Medikamente in der Praxis verwendet werden, recherchiere man im Moment. Tabletten und Co. seien immer tierversuchgetestet – was sie laut Werndli deshalb aber nicht komplett unvegan mache. "Vegan heisst für uns: tierproduktefrei soweit es geht", sagt Werndli. Nur ein Drittel aller Medikamente sei vegan – enthalte also keine tierischen Bestandteile wie Gelatine, Lactose oder Bienenwachs.

Das Team der veganen Arztpraxis soll laufend ausgebaut werden. "Es gibt viele Interessentinnen und Interessenten aus der Veganszene." Zudem seien vegane Pädiater und Gynäkologinnen im Gespräch.

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