Unhatewomen gif 1
Screenshot Youtube, Gif Friday

Kampagne zeigt, wie Deutschrap Frauen demütigt

von Gloria Karthan

2 MÄRZ 2020

Life

Mit dem Hashtag #unhatewomen sagt Terre des Femmes Frauenhass den Kampf an. Wie alltäglich dieser ist, zeigt das Kampagnenvideo anhand deutscher Rap-Texte.

"Du bist ne Fotze, die schon nach zwei Bier auf der Theke tanzt, also laber uns nicht voll mit deinem Mädelskram. Eine Frau bleibt auf Ewigkeit ein Gegenstand." Mit diesem Quote des deutschen Rappers Finch Asozial beginnt das neue Kampagnenvideo von Terre des Femmes unter dem Titel #unhatewomen.

Im Clip sprechen die Protagonistinnen weitere frauenverachtende Lyrics in die Kamera – bei manchen wird einem richtig schlecht. "Es ist Kampfgeschrei, was nachts aus unserem Schlafzimmer dringt. Weil dank mir in deinem Gleitgel ein paar Glassplitter sind", zum Beispiel.

Die gewaltverherrlichenden und misogynistischen Textzeilen stammen allesamt aus erfolgreichen, millionenfach gehörten Songs deutscher Rapper. Wer den Frauen beim Vortragen zusieht, kann sich kaum vorstellen, warum sich so viele diese Texte freiwillig reinziehen. Ohne Beat und Melodie bleiben von den Tracks nämlich bloss Frauenhass und Vergewaltigungsfantasien übrig.

Frauenhass prägt unsere Realität

"Gewalt gegen Frauen ist nicht immer nur körperliche Gewalt. Sie kann auch mit Worten ausgeübt werden", sagt Christa Stolle, Geschäftsführerin von Terre des Femmes. Die Menschenrechtsorganisation will mit der Onlinekampagne #unhatewomen gegen frauenverachtende Hassrede im Internet vorgehen.

Ziel sei, Hate Speech in Songs, Posts oder Kommentaren sichtbar zu machen, indem man mit dem Hashtag #unhatewomen online direkt widerspricht. "Denn wenn frauenverachtende Hassrede unwidersprochen bleibt und sogar millionenfach gehört und geliked wird, gilt sie irgendwann als normal. Sie prägt unsere Realität und beeinflusst das Selbstbild von Mädchen und Frauen."

Kein Gesetz gegen Frauenhass

Im Rahmen der Kampagne fordert Terre des Femmes ausserdem die deutsche Bundesregierung auf, frauenverachtende Hasskriminalität im Internet aktiv zu bekämpfen. Denn bisher gelten in Deutschland nur antisemitische, fremdenfeindliche und rassistische Beweggründe als Hate Crime.

In der Schweiz sieht die Gesetzeslage ähnlich aus. Bei uns macht sich strafbar, wer jemanden wegen seiner Rasse, Ethnie und Religion diskriminiert. Mit der Annahme des neuen Antidiskriminierungsgesetzes diesen Februar gehört auch die sexuelle Orientierung dazu. Doch Hate Speech gegen Frauen ist bislang kein offizieller Tatbestand. Ganz im Gegenteil: Unter dem Deutschrap-Deckmantel generiert er aktuell Millionen von Klicks und Streams.

Die Kreativagentur hinter der Kampagne hat sich übrigens einen speziellen Kniff überlegt. Um das Bewusstsein gezielt bei bisher unkritischen Rap-Fans zu fördern, wird die Kampagne besonders häufig vor jenen Musikvideos geschalten, aus welchen die Texte ursprünglich stammen.

Hier könnt ihr euch das Video anschauen:
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