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Courtesy of Harry's

Darum feiert die LGBTQI-Community diese Rasierer-Ad

von Gina Buhl

2 MAI 2019

Life

Der neue Werbespot des US-Brands Harry's könnte einer von vielen sein – wenn da nicht eine Szene mit einem Trans-Mann wäre.

Es gibt Dinge, die in unserer Gesellschaft als typisch männlich gelten. Das Rasieren des Bartes gehört definitiv dazu. Der US-Rasierbrand Harry's spielt in seiner neuen Ad mit dieser stereotypen Annahme und zeigt ganz unprätentiös auf, dass es bei der Definition von Männlichkeit ein breites Spektrum gibt – und kein Richtig oder Falsch.

Auf Zeitreise mit Bärten

Der einminütige Clip mit dem Titel "Shave, or Don't" macht eine Zeitreise mit bärtigen Männern: Sie sitzen in Wäldern auf Steinen, sie ziehen ihre Bahnen im Pool. Sie stehen in Fabriken, im Badezimmer. Im Off ist ein Sprecher zu hören: "Vor langer Zeit konnten sich Männer nicht immer rasieren. Später gab es Zeiten, in denen sie sich rasieren mussten. Heutzutage kannst du dich entschieden – du kannst dich nur ein bisschen rasieren, du kannst alles wegnehmen. Du kannst dich rasieren, um ein paar Sekunden zu sparen", erklärt die Stimme. Es wird gezeigt, wie divers Männer sein können. So weit, so unspektakulär. Eigentlich.

"Du kannst dich rasieren, um dich wie du selbst zu fühlen"

Inmitten der Schwimmer-, Party- und Bergsteiger-Szenen folgt dann nämlich eine Sequenz, die die Message des Clips unterstreicht, ohne sich aufzudrängen: Ein Mann steht vor seinem Badezimmerspiegel und rasiert sich. Im Hintergrund sagt die Stimme: "Du kannst dich rasieren, um dich wie du selbst zu fühlen." Erst bei näherem Betrachten des Clips fällt auf, dass er Operationsnarben unter den Brüsten hat. Der Mann im Clip ist ein Trans-Mann.

Die Szene wird nicht weiter kommentiert. Sie ist einfach selbstverständlich da. In den Kommentarspalten unter dem Youtube-Clip und auf Twitter überhäufen Männer und Frauen die Company mit Lob. Besonders die LGBTQI+-Community feiert Harry's: "Danke, dass ihr einen Trans-Mann in euren Spot integriert habt. Ich werde eure Rasierer kaufen, um diese Message zu supporten", schreibt ein User.

Ein anderer schreibt: "Ich habe gerade Tränen in den Augen. Dass ihr einen Trans-Mann zeigt, bedeutet mir so viel!" Sie habe den Clip schon drei Mal gesehen und erst jetzt realisiert, dass ein Trans-Mann mitspielt, "krasser Scheiss", schreibt eine andere.

Mehr als Stereotype

Jeff Raider, Mitgründer der Company, erklärt, dass sie mit diesem Clip nicht nur Stereotypen aufbrechen wollen: "Vor allem wollen wir versuchen, die Wahrnehmung und Verhaltensweisen von Menschen zu ändern, die Gruppen ohne Grund ausgrenzen. Unser Support für die Queer-Community ist deshalb selbstverständlich."

Wer Harry's nun unterstellen will, sich bloss in das medienwirksame Fahrwasser des im Januar erschienenen Gillette Werbespots "Boys will be Boys"einzureihen, der ein Zeichen gegen Sexismus und toxische Männlichkeit setzt, hat etwas nicht verstanden: Es geht hier um mehr als Kohle. Denn es ist richtig und wichtig, dass Gender-Stereotypen und maskuline Normen endlich aufgebrochen werden – auch von Brands, die für vermeintlich hypermaskuline Produkte werben.

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