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Tiktokerin zeigt ihren Alltag mit Zwangserkrankung

von Gina Buhl

8 MAI 2020

Life

Die 26-jährige Ashley Dawson hat Zwangsstörungen – und nutzt ihre Reichweite auf Tiktok, um kursierende Krankheitsmythen auszulöschen.

Duschen, Zähneputzen, anziehen, Zmorge machen, Kaffee kochen: Fast jede von uns hat ein persönliches Ritual, mit dem sie in den Tag startet. Diese Strukturen entspannen uns, weil sie Kopf und Alltag – ohne grosse Anstrengung – ordnen. Bei der Tiktokerin Ashley Dawson sorgen diese Dinge allerdings für enormen Stress. Die US-Amerikanerin leidet nämlich seit ihrer Geburt an einer Zwangserkrankung.

Die WHO zählt Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, die ständig wiederholt werden müssen zu den typischen Symptomen einer Zwangsstörung. "Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, nützliche Aufgaben zu erfüllen. Die betroffene Person erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen, oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte", so die Definition des ICD-10, dem International Classification of Diseases der WHO. Die Betroffenen leiden enorm unter den Gedanken und Zwangshandlungen.

Ashley Dawson

Tiktokerin

"Ich hab so viel Zeit damit verbracht, mich für meine Zwangserkrankungen zu schämen und meine Ticks zu verstecken."

Schluss mit den Versteckspielen

Auch Ashley, die in Atlanta als Radiomoderatorin, Model und Schauspielerin arbeitet, gings lange richtig schlecht damit: "Ich hab so viel Zeit damit verbracht, mich für meine Zwangserkrankungen zu schämen und meine Ticks zu verstecken – nach 26 Jahren Erfahrung hab ich nämlich herausgefunden, wie ich sie natürlicher wirken lasse, damits mir nicht ständig peinlich ist", erzählt sie im Interview mit "Buzzfeed". Eines Morgens hatte sie aber keinen Bock mehr auf die Versteckspiele. Und lud dieses Video auf Tiktok.

"Ich wollte den Leuten zeigen, wie es aussieht, wenn ich meine Ticks nicht ausbremse. Tatsächlich wars mir auch egal, ob das jetzt zwei oder 2000 Menschen sehen", so Ashley. Mittlerweile wurde der Clip über zwei Millionen Mal angeschaut.

Der 26-Jährigen gehts aber um mehr als das Sichtbarmachen ihrer Krankheit: "Viele Leute denken, dass es bei einer Zwangsstörung nur um Sauberkeit geht – aber das stimmt nicht. Die Vorstellung, dass Betroffene nur 'Sauberkeitsfanatiker' sind, ist sogar richtig schädlich für die psychische Gesundheit unserer Community", erklärt sie "Buzzfeed". Es sei ohnehin sehr schwer, die Angst und die Scham zu erklären, die die Krankheit mit sich bringt. Aber wenn Leute einen Sauberkeitsfimmel mit einer Zwangsstörung verwechseln, sorge das für zusätzliche Verwirrung.

Ashley Dawson

Tiktokerin

"Die Vorstellung, dass Betroffene nur 'Sauberkeitsfanatiker' sind, ist richtig schädlich für die psychische Gesundheit unserer Community."

Ashley gibt ihren Followerinnen und Followern deshalb regelmässig Einblicke in ihren Alltag. In diesem Video zeigt sie etwa ihre ständigen Begleiter: Wiederholtes Blinzeln und High-Five-Zwänge:

In den Kommentaren unter ihren Videos ist die Bewunderung für Ashleys Offenheit gross: Unzählige Followerinnen – teils mit Zwangserkrankung, teils ohne – bestätigen, wie wichtig es sei, dass endlich jemand Social Media nutzt, um über die Krankheit aufzuklären. "Vor allem möchte ich, dass die Menschen verstehen, dass wir Betroffenen sehr einfühlsame, kreative und empathische Menschen sind, die grosse Herzen und einen hyperaktiven Kopf haben", so Ashley. Ihr Einsatz ist definitiv ein erster Schritt in diese Richtung.

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