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Tiktok hat ein Anorexie-Problem

von Chiara Schawalder

4 JUNI 2020

Life

Nach Instagram, Facebook und Tumblr hat nun auch Tiktok ein Problem mit Content, der Essstörungen verherrlicht.

Mit 800 Millionen aktiven Userinnen und Usern ist Tiktok die derzeit am schnellsten wachsende Social-Media-Plattform. Täglich poppen neue Challenges und Trends auf – nicht alle davon sind positiv. Denn seit einiger Zeit häufen sich Videos, die Essstörungen verharmlosen, auf der App.

Beispiel gefällig? Videos wie jenes der Userin Weightloss Journall findet man etliche. Sie erklärt, wie Grüntee beim Kalorien verbrennen helfen soll. Im Hintergrund läuft, wie bei vielen der Videos, der Indie-Song "Prom Queen" der US-Band Beach Bunny. Eine Zeile im Song lautet "Shut up, count your calories" (Halt die Klappe, zähl deine Kalorien).

Unter Hashtags wie #WeightLossCheck oder #WeightLossHacks zeigen Userinnen und User ihre skinny Körper und erklären anderen Teens, wie man am besten abnehmen kann. Apfelschnitze und Granatapfelkerne werden minutiös abgezählt und viele reden davon, wie appetithemmend Wassertrinken sein soll.

Toxischer Content Strudel

Die Community-Guidelines der App verbieten Videos von Essstörungen, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können – theoretisch. Und dennoch erscheinen täglich neue. Das Problem: Gerät man einmal auf ein solches Video, wird schnell ein zweites und drittes vorgeschlagen – denn der Algorithmus der App denkt, dass solcher Content für die Userin relevant ist.

Auf der personalisierten Startseite werden irgendwann nur noch Videos mit ähnlichem Content angezeigt. Es entsteht ein nicht enden wollender Teufelskreis, der vor allem für Jugendliche, die an einer Essstörung litten und sich in den ersten Stadien der Heilung befinden, extrem gefährlich sein kann.

Anorexie verherrlichender Content auf Social Media ist leider nichts Neues, auch Instagram, Facebook und Tumblr mussten schon damit kämpfen. Trotz dieses Wissens war Tiktok gegen den sogenannten Pro-Ana-Content null vorbereitet. Das Unternehmen scheint ratlos, wie es die schädlichen Videos längerfristig von der App eliminieren kann.

Es gibt schon eine Gegenbewegung

Das Gute ist, dass sich auf Tiktok auch eine Gegenbewegung formt. Etliche Userinnen und User, die ihre Essstörungen überwunden haben, setzen sich ein, um die Verbreitung des Anorexie-Contents einzudämmen. Mit ihren Posts versuchen sie gesundes Essverhalten und positives Körperbewusstsein zu fördern.

Wie Userin Maddie.Quinn, die auf Tiktok von ihrem langen Genesungsprozess nach ihrer Essstörung erzählt. Ihre Offenheit findet Anklang: Das Video erzielte schon fast eine halbe Million Likes.

@maddie.quinn

exposing myself here but recovery was worth it ##edrecovery ##glowup

♬ EaTiNg DiSoRdEr ChEcK - erina.sk
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