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"Theoretisch könnte ich jemanden verfluchen"

von Alisa Fäh

19 NOVEMBER 2018

Life

Dank "The Chilling Adventures of Sabrina" auf Netflix ist Hexerei momentan richtig hip. Aber gibts sowas wirklich? Wir haben mit einer waschechten Hexe gesprochen.

Frauen, die nackt ums Feuer tanzen, Liebestränke, Kristalle, Tarotkarten, Pentagramme. Typisch Hexe – oder? Vieles davon sei nur Hokuspokus, manches aber auch wahr, sagt Julia*. Sie lebt im Aargau, hat vor kurzem die Matura gemacht, arbeitet jetzt in einem Büro – und ist Hexe. Über andere Hexen will die 20-Jährige nicht reden. Ihre persönliche Auffassung von Magie und wie sie selbst als Hexe lebt, hat sie uns aber verraten.

"Ich war bereits als Kind ständig im Wald und hatte zu Tieren eine besondere Verbindung, Themen wie Magie und Mystik faszinierten mich und ich habe Bücher dazu verschlungen – mir war schon immer klar, dass ich eine Verbindung zur Hexenwelt habe. Meine Mutter hat auch oft Tarotkarten gelegt, dadurch war die ganze Thematik ständig präsent. Als Teenager schämte ich mich aber, offen zu sagen, dass ich an Magie glaube. Darum begann ich erst als ich älter wurde, bewusst als Hexe zu leben.

Hexerei ist eine Haltung, die man in sich trägt. Für mich bedeutet das, mir meiner Kräfte bewusst zu sein und sie gezielt einzusetzen. Ausserdem kann ich die Kraft der Natur in mich aufnehmen und ich sehe Pflanzen und Tiere als Wesen. Alles hat eine Seele. Mit meiner schwarzen Katze rede ich zwar nicht, wies in Filmen dargestellt ist – aber ich kommuniziere mit Tieren auf einer Gefühlsebene und spüre, wie es ihnen geht.

Verfluchen ist verboten

Wichtig ist, dass ich meine Kräfte nur fürs Gute verwende. Ich setze sie niemals für etwas Negatives ein, beispielsweise um mich zu bereichern oder anderen zu schaden. Theoretisch könnte ich jemanden zwar verfluchen – aber das darf und will ich nicht. Bei der weissen Magie ist es verboten, seine Kräfte für etwas Schlechtes einzusetzen. Es gibt jedoch durchaus auch Hexen, die dunkle Magie benutzen. Mit dem Teufel hat das aber, entgegen vieler Darstellungen, überhaupt nichts zu tun. Er kommt in unserer Mythologie gar nicht vor.

Hexerei ist eine Glaubenseinstellung, kein Halloween-Gag. Darum war für mich auch klar: Ich will meinen Freunden erzählen, dass ich eine Hexe bin – und was das bedeutet. Es war mir wichtig, mich zu outen, weil mein Glaube besonders im letzten Jahr zentral in meinem Leben wurde. Am Anfang war ich unsicher, was für Reaktionen das auslösen wird, aber bisher habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Viele haben mit "Ach, wusst ichs doch" oder "Das passt mega zu dir" darauf reagiert.

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Magie gibts im Alltag

Zuhause führe ich jeden Tag vor dem Schlafengehen mein Abendritual durch, an einem kleinen Altar mit Kristallen, Pentagrammen und Heilkräutern. Ich zünde eine Kerze an und fühle, welche Energie ich heute hatte und mit welcher Energie ich in den nächsten Tag gehen möchte. Danach bitte ich die Göttin um Unterstützung. Das ist von Hexe zu Hexe anders, ich selbst bete zur dreifachen Mondgöttin. Sie steht für die Lebensphasen: Jungfrau, Mutter und die alte Frau.

Ich tanze nicht nackt um ein Feuer, fliege auf keinem Besen und Liebestränke, mit denen sich zwei Menschen plötzlich ineinander verlieben, gibts auch nicht. Es ist nichts Wahnsinniges, was zu dieser Magie gehört, das sind keine geheimnisvollen "Harry Potter"-Zaubergeschichten, sondern kleine Dinge: Ich mache oft die Erfahrung, dass ich bei meinem Abendritual einen Wunsch äussere und er am nächsten Tag dann tatsächlich erfüllt wird. Ausserdem habe ich oft dieses unerklärliche Gefühl, dass etwas genau so geschehen musste. Beispielsweise, wenn ich an eine Person denke und sie mich in dem Moment anruft.

Ich hatte diese magischen Kräfte schon immer

Mir gibt mein Hexen-Dasein viel Selbstvertrauen. Es tut gut, dieses Empfinden, das schon immer in meinem Leben war, nun benennen zu können. Ich habe seit ich denken kann gespürt, dass ich magische Kräfte habe. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass in jedem diese Kräfte schlummern. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich aussergewöhnlich bin. Auch nicht meiner Familie gegenüber – obwohl dort nicht alle Hexen sind. Schliesslich bin ich keine Auserwählte, sondern ein Mensch wie jeder andere. Ich lebe die Hexen-Seite von mir einfach mehr aus."

*Name der Redaktion bekannt

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