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Courtesy of Netflix

Die Netflix-Serie "Special" werdet ihr an einem Abend durchbingen

von Gloria Karthan

30 APRIL 2019

Entertainment

Eine neue Netflix-Serie zeigt, wie es sich als queerer Mann mit Beeinträchtigung lebt. Und das so ehrlich und unverkrampft, dass man nicht mehr ausschalten kann.

Ryan Hayes ist ein schwuler Mann in seinen Zwanzigern. Seit seiner Geburt leidet er an Cerebralparese und wohnt daher noch im Kinderzimmer bei seinem Mami. Die Behinderung schränkt Ryan im Alltag ein: Weil seine Hände verkrampfen, sind seine motorischen Fähigkeiten limitiert und er kann beispielsweise keine Schuhe binden. Auch seine Beine sind steif, darum hinkt er und stürzt manchmal sogar mitten auf der Strasse.

Nicht durch die Krankheit definiert

Doch Ryan will gesehen werden. Und zwar als selbstbewusster, schwuler junger Mann – nicht als Typ mit Beeinträchtigung, der kaum Freunde hat, noch bei seiner Mutter in einem Kinderbett pennt und sich von ihr Sandwiches schmieren lässt. Als er ein Praktikum bei einem Onlinemagazin antritt, sieht er seine Chance, für einmal nicht durch seine Krankheit definiert zu werden: Durch ein Missverständnis glauben seine Mitarbeiter, sein Hinken stamme daher, dass er kürzlich von einem Auto angefahren wurde.

Seine neue Mitarbeiterin Kim, der Inbegriff eines Millenials und Body-Positivity-Verfechterin, will Ryans Selbstbewusstsein pushen und schleift ihn an eine Poolparty, wo es von Männern in Traumkörpern nur so wimmelt. Als sie erfährt, dass Ryan noch Jungfrau ist, sucht sie sogar gemeinsam mit ihm nach einem Callboy, der ihn ganz ohne Druck entjungfern soll. Die Sexszene in der Serie ist so realistisch, wie wir es aus der Netflix-Serie "Sex Education" kennen – ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen.

Nach einer wahren Story

Die Serie tut nicht nur so, als sei sie nah am Leben. Sie ist es auch. "Special" ist semi-biografisch. Ryan O’Connell, der die Show geschrieben und produziert hat und darin die Hauptrolle spielt, ist ebenfalls schwul und hat Cerebralparese. Auch er erzählte seinem Umfeld, dass sein Hinken und seine verkrampften Hände auf einen Autounfall zurückgehen. Nur, anders als in der Serie, steht er erst Jahre später offen zu seiner Behinderung. In der 2015 erschienenen Biografie "I'm Special: And Other Lies We Tell Ourselves" packte der mittlerweile 32-Jährige die Wahrheit aus – mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor.

Diesen Humor hat Ryan, der schon für Shows wie "Will&Grace" und "Awkward" als Autor tätig war, in der Netflix-Verfilmung beibehalten. Die Serie vereint die wichtigen Themen erfolgreicher Serien wie "Atypical" (Leben mit Handicap) und "Please like me" (Selbstfindung als junger homosexueller Mann) und beleuchtet sie unter einem ähnlichen unverkrampften Vibe, der aber dennoch irgendwie neu ist.

Die acht Folgen dauern nur knappe 15 Minuten und sind dazu noch wahnsinnig kurzweilig, denn aufgebauschte Storylines und mühsame Plot-Twists gibts hier nicht. "Special" kann man deshalb locker an einem Abend durchsuchten. Und danach hoffen, dass die Macher bereits an einer zweiten Staffel tüfteln.

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