social freezing
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Deshalb lassen Frauen ihre Eizellen einfrieren

von Stephanie Vinzens

27 SEPTEMBER 2018

Health

Die Forschungsergebnisse einer Yale-Professorin zeigen: Karrierepläne spielen für Frauen, die ihre Eizellen einfrieren liessen, praktisch keine Rolle.

Frauen, die ihre Eizellen einfrieren, um sich die Möglichkeit einer späteren Schwangerschaft offen zu halten, sind karrieregeil und egoistisch – so die hartnäckigen Vorurteile. Zwei neue Studien zeigen nun: Karrierepläne sind für die meisten Frauen kein Grund für das sogenannte Social Freezing. Die Studien sind von der Yale-Professorin Marcia Inhorn geführt und im Juli und August veröffentlicht worden.

Befragt wurden 150 Frauen aus den USA und Israel – allesamt ausgebildete Berufstätige –, die schon mindestens einmal ihre Eizellen haben einfrieren lassen. Bei der Auswertung kam raus: 85 Prozent der Frauen haben sich für Social Freezing entschieden, weil sie noch keinen passenden Partner für die Familiengründung gefunden haben. Die restlichen 15 Prozent machen gerade eine Scheidung durch oder befinden sich in einer Beziehung oder Ehe, haben aber einen Partner, der aktuell keinen Kinderwunsch verspürt. Gerade mal eine der Befragten erzählte, dass sie ihre Familienplanung wegen ihrer Karriere auf Eis hält. Der Rest der Befragten, die meisten Mitte bis Ende Dreissig, gaben an, ihre persönlichen Ausbildungs- und Karriereziele bereits erreicht zu haben.

Frauen finden keine ebenbürtige Partner

"Der Stereotyp der ehrgeizigen Karrierefrau, die ihre Eizellen der Karriere zuliebe einfriert, trifft nicht zu", so Inhorn. Laut Jon Birger, Co-Autor der Studie, gibt es einen bestimmten Grund, warum viele gut ausgebildete Frauen in ihren Dressigern noch keinen Partner gefunden haben: Sie hätten Mühe damit, einen Mann mit dem gleichen Ausbildungsstand zu finden. "Es gibt 7,4 Millionen Amerikanerinnen im Alter von 30 bis 39 mit Universitäts-Abschluss – bei den Männer sind es nur 6 Millionen". Dies sei aber nicht nur ein US-Problem. Daten der World Bank zeigen, dass dieses Phänomen in mindestens 70 weiteren Ländern zu beobachten ist.

Durch Social Freezing können Frauen weiterhin hoffen und sich doch ein Stück weit absichern. Fakt ist aber: Die Befruchtung durch gefrorene Eizellen gelingt nur selten und die Kosten sind hoch. Knapp 4000 Franken müssen Frauen pro Eingriff für die Entnahme der Eizellen hinblättern – hinzu kommen rund 200 Franken jährlich für die Lagerung. Oftmals sind zudem mehrere Eingriffe nötig, um genügend Eizellen für eine realistische Befruchtung zu gewinnen. In der Schweiz wurden 2016 laut Bundesamt für Statistik 5592 Eingriffe durchgeführt.

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