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Lukasz Wierbowski

So wehrst du dich als Frau in brenzligen Situationen

von Karin Zweidler

14 OKTOBER 2018

Life

Gemäss Umfragen fürchtet sich mehr als jede zweite Frau, nachts allein unterwegs zu sein. Wir haben eigene Angst-Momente gesammelt und eine Expertin gefragt, wie wir uns verhalten sollten.

Anzügliche Gesten in der U-Bahn

"Mir sass ein Typ gegenüber, der mich minutenlang anstarrte. Dann machte er ein unmissverständliches Zeichen, dass ich ihm einen blasen soll."

Das sagt die Expertin: "Steh unbedingt auf und wechsle den Platz. Mach deinem Gegenüber aber vorher klar, dass das nicht okay war. Wie, entscheidest du selbst: entweder mit einer abwehrenden Geste oder verbal. Falls du sprichst, ist es wichtig, dass du sagst, was du von der Person willst, sie aber nicht persönlich beleidigst: 'Lass mich in Ruhe', 'Keinen Schritt weiter', zum Beispiel. Sprich mit fester Stimme, nimm Raum ein und ziehe Grenzen, wirke nicht wie ein Opfer, sondern mach klar, dass es ab hier nicht weitergeht. Die meisten dieser Männer suchen Opfer, keine Gegner."

Keine Chance wegzurennen

"Mein Heimweg führt am Waldrand entlang, steil den Berg hoch. Jedes Mal, wenn ich abends nach Hause laufe, weiss ich: Ich hätte keine Chance, jemandem zu entkommen bei dieser Steigung. Um mich von der Angst abzulenken, höre ich Musik."

Das sagt die Expertin: "Aufmerksamkeit ist das Allerwichtigste, wenn es um Selbstschutz geht. Musik in den Ohren oder das Handy sind absolut kontraproduktiv. Nur wenn du mit all deinen Sinnen da bist, siehst du, ob jemand kommt, und hörst, ob sich jemand rasch nähert. Wenn du immer wieder ein mulmiges Gefühl hast wegen des Waldrands, musst du wissen, wie du im Ernstfall reagierst. Ein Selbstverteidigungskurs gibt hier Sicherheit."

Sie kreisten mich ein

"Eine Gruppe Besoffener wartete oben am U-Bahn-Ausgang und kreiste mich ein, als ich vorbeiwollte. Ich versuchte durchzukommen, aber sie liessen mich nicht. Erst ein Mann, der zufällig vorbeikam, konnte sie abwimmeln."

Das sagt die Expertin: "Die Frage bei heiklen Situationen lautet immer: Gibt es Ausweichmöglichkeiten? Im besten Fall siehst du die Gruppe schon von unten und kannst die Richtung noch ändern, allenfalls wieder in die U-Bahn einsteigen. Falls nicht, sind da vielleicht andere Leute, die du aktiv ansprechen kannst, ob sie mit dir durchgehen. Falls niemand da ist, Körpersprache und Stimme benutzen, um zu signalisieren, dass du das nicht willst, dich allenfalls auch mit Händen und Füssen wehren. Das Ziel ist, möglichst schnell aus der Situation zu kommen."

Männer in Gruppen starrten mich an

"Ich laufe nachts wie auch tagsüber auf ruhigen Strassen nur ungern an Männergruppen vorbei. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, angestarrt zu werden, oder musste mir blöde Sprüche anhören."

Das sagt die Expertin: "Unbedingt aufs Bauchgefühl hören. Wenn es dir sagt, etwas stimmt hier nicht, wechsle die Strassenseite. Nach Möglichkeit darauf achten, dass du nicht dort bist, wo Ärger droht. Falls Ausweichen nicht geht, unbedingt schauen, dass du Abstand wahrst. Geh aufrecht und bestimmt durch, zeig den Leuten, dass du sie siehst und aufmerksam bist. Sprich dir selber Mut zu."

Die Hand auf dem Bein

"Ich sass im Zug und ein Typ hat mir tatsächlich seine Hand aufs Bein gelegt – ätzend. Ich bin aufgestanden und hab den Platz gewechselt, hätte aber gern mehr gemacht."

Das sagt die Expertin: "Man muss situationsbedingt spüren, was drinliegt. Mir ist auch schon die Hand ausgerutscht in einer solchen Situation, das ist okay. Die Frage ist aber: Ist man bereit, die Konsequenzen zu tragen, falls er kontert? Wichtig ist auch: Sind andere Menschen da? Du kannst seine Hand aber mindestens wegschlagen und dich verbal wehren."

Er hatte die Hose offen

"Auf dem nächtlichen Heimweg hörte ich ein Pfeifen. Als ich mich umdrehte, sah ich einen Mann mit offener Hose dastehen. Ich drehte mich um und lief weiter. Die Polizei benachrichtigte ich nicht, weil ich nicht wusste, ob das übertrieben wäre."

Das sagt die Expertin: "Unbedingt so viel Abstand wie möglich wahren und weiterlaufen. Möglichst wenig Reaktion, Ekel oder Irritation zeigen und später unbedingt die Polizei rufen – das ist überhaupt nicht übertrieben."

Zum Telefonieren gezwungen

"Als ich abends auf ein Taxi gewartet habe, kamen zwei Jungs, haben mich eingekreist und wollten, dass ich Hallo in ihr Telefon rufe, das sie mir ins Gesicht gehalten haben. Sie waren sehr aggressiv in ihrem Auftreten, haben fies gelacht und dumme Sprüche gemacht. Nicht wirklich heikel, aber demütigend, weil ich die Situation nicht einschätzen konnte und deswegen mitgemacht habe."

Das sagt die Expertin: "Manchmal lohnt es sich, bei einer Gruppe abzuchecken, wer der Rudelführer ist – meistens gibt es einen. Diesem kannst du dann mit sicherer Stimme erklären, dass du nicht mitmachst. Auf keinen Fall einfach denken: Augen zu und durch. Viele Täter checken ihre Beute ab: Macht sie ohne Protest mit? Könnte ich auch was anderes versuchen? Wer sich hier als Opfer preisgibt, ist leichte Beute."

Die Expertin: Jeannette Vögeli ist SelbstverteidigungsTrainerin bei Functional Fighting in Zürich. Ausserdem hat sie Kurse in angewandter Psychologie besucht, um Frauen neben den körperlichen Techniken auch mentale Strategien für die Selbstbehauptung mitgeben zu können.

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