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Dan Cermak

"So berühmt wie Kendall Jenner möchte ich nicht sein"

von Marie Hettich

2 SEPTEMBER 2018

Entertainment

Der 19-jährigen Zürcherin Luna Wedler steht eine internationale Schauspielkarriere bevor. Zu viel Aufmerksamkeit findet sie aber nicht gut, wie sie uns im Interview erzählt.

Luna Wedler wurde im Februar an der Berlinale als European Shooting Star ausgezeichnet – eine Ehre, die zuvor Stars wie Alicia Vikander oder Carey Mulligan zuteil wurde. Luna bekam den Preis für ihre Rollen in "Amateur Teens" (da war sie erst 14) und "Blue My Mind". Jetzt spielt sie in der deutschen Produktion "Das schönste Mädchen der Welt" die Hauptrolle Roxy.

Luna, ist es dir unangenehm, dass dein neuer Film "Das schönste Mädchen der Welt" heisst? Na ja, damit bin ja nicht ich gemeint, sondern die Figur Roxy. Ich weiss, der Titel ist krass – wer den Film gesehen hat, weiss aber, dass es gar nicht wirklich um ihr Aus­sehen geht.

Roxy sagt stets, was sie denkt. Wie wichtig war für dich dieser Aspekt bei der Rolle?
­Megawichtig. Ich glaube, dass es so eine Frauen­figur in einem Teenie-Film noch nie gegeben hat. Roxy ist clever, sie macht ihr Ding, sie ­wartet nicht, bis ihr Crush sie anruft – sie ruft ihn einfach selber an. Ausserdem hat sie einen Haufen Probleme und versucht trotzdem, sich ein schönes Leben zu machen. In unseren Social-Media-Feeds ist immer alles so perfekt. Da finde ich es wichtig – gerade für sehr junge Mädchen –, dass auch das echte Leben abgebildet wird.

Ist es dir leicht gefallen, Roxy zu spielen? Wir sind uns ziemlich ähnlich. Ich hab Roxy ­damals beim Lesen des Drehbuchs sofort vor mir gesehen. Aber sie ist definitiv tougher als ich. Mir wird zwar immer gesagt, dass ich superselbst­bewusst rüberkomme, aber in Wahrheit bin ich sehr oft unsicher. Auch vor Castings bin ich jedes Mal extrem nervös.

Vor dem Casting für deine erste Hauptrolle in Deutschland warst du bestimmt umso nervöser.
Das Schlimmste war, dass wir alle einen Song von Lumaraa auswendig lernen und rappen mussten! Ich höre zwar gern Rap, aber habe es noch nie selber probiert. Also stand ich eine Woche lang zuhause vor meiner Schwester und habe geübt.

Das hat offensichtlich geholfen – die Rapszene im Film ist ziemlich beeindruckend!
Ja, ich bin jetzt auch ein wenig stolz. Wir haben davor ein paar Stunden mit einem Rap-Coach geübt. Witzigerweise wars gar nicht das Rappen an sich, das schwierig für mich war, sondern eher die ganze Attitude da­hinter. Dieses Hinstehen und den anderen im Battle fertigmachen, das musste ich mich erst einmal trauen.

Dein Hochdeutsch ist komplett akzentfrei. Hat das von Anfang an so gut hingehauen?
Ich bin halb Deutsche, mein Papa kommt aus Hamburg. Aber ich hatte vor den Dreharbeiten trotzdem ein Sprachcoaching. Es ist schwierig, vom Schweizer- ins Bühnen-Hochdeutsch zu kommen.

Fühlst du dich mehr als Schweizerin oder mehr als Deutsche?
Sagen wir so: Ich bin stolze Stadtzürcherin. Und liebe Deutschland. Ich glaube, ich bin da sehr ausbalanciert.

Luna Wedler
Dan Cermak

Du bist dieses Jahr schon als European Shooting Star ausgezeichnet worden und hast vor einigen Wochen deine zweite grosse Hauptrolle in Deutschland abgesahnt. Hast du Angst abzuheben? Bei ein paar Leuten habe ich das tatsächlich schon beobachtet, dass sie sich plötzlich für etwas Besseres halten. Das find ich immer ganz schade. Ich habe meine Schwester beauftragt, es mir sofort zu sagen, falls sie irgendeine Veränderung feststellt.

Wirst du inzwischen auf der Strasse erkannt?
Die Schweizer sind ja generell sehr zurück­haltend. Aber im Ausgang wurde ich schon ein paar Mal angelallt, ob ich nicht die aus "Blue My Mind" sei (lacht). Ganz herzig fand ich, dass bei den Filmpremieren tatsächlich immer ein paar Leute mit ausgedruckten Fotos herumstanden und Autogramme haben wollten.

Kannst du dir vor­stellen, irgendwann so berühmt zu sein, dass du von Paparazzi verfolgt wirst? Ich möchte als Schauspielerin erfolgreich sein – das ja. Aber mit allem Drum und Dran so richtig richtig berühmt zu sein, find ich nicht gut. Manchmal schaue ich mir Videos von Leuten wie Kendall Jenner an – unglaublich, wie oft die fotografiert werden! Da kannst du nicht mal mehr in Ruhe einen Kaffee trinken.

Wie gehst du damit um, dass immer mehr Mädchen zu dir aufschauen?
Oh, diese Frage... Ich weiss, dass ich mich darauf einstellen muss. Vielleicht ist das ein bisschen egoistisch, aber ich will kein Vorbild sein. Wenn mich jemand zum Vorbild nehmen möchte, okay – aber ich will mich nicht verstellen müssen.

Was ging in dir vor, als du im Oktober 2017 von den Anschuldigungen gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein erfahren hast?
Ich habe jeden Artikel zum Thema verschlungen. Es ist einfach unglaublich! Und mich nervt es wahnsinnig, wenn jetzt Männer ums Eck kommen und fragen: "Ja, darf man denn überhaupt noch flirten?!"

Worin siehst du das eigentliche Problem?
Dass Männer uns Frauen gegenüber ein Macht­gefühl haben. Dass sie denken, sie dürfen mit uns machen, was sie wollen.

Passt der Weinstein-Fall zu deinen bisherigen Erfahrungen in der Filmbranche?
In der Film-, aber auch der Modebranche ist Sexismus sicherlich besonders stark verbreitet. Es ist so einfach, zu drohen, dass eine Schauspielerin die Rolle nicht bekommt, wenn sie dies und das nicht macht. Ich habe das zum Glück noch nie selbst erlebt, aber ich bin sehr vorsichtig. Zum Beispiel wenn ich am Set mit­bekomme, dass jemand sagt, ich soll eine engere Hose anziehen, damit ich sexyer aussehe. Dann hörts bei mir schon auf. Und bei Liebesszenen bin ich auch sehr kritisch.

Inwiefern?
Für mich ist ausschlaggebend, ob es die nackten Brüste für die Geschichte wirklich braucht. Wenn ich den Eindruck habe, das Drehbuch sei einfach mal wieder von einem Mann geschrieben, der auf möglichst viel Haut besteht, bin ich raus.

Der Film

Roxy (Luna Wedler) fliegt vom Internat und landet beim schüchternen Rap-Talent Cyril (Aaron Hilmer) in der Klasse. Auf einer Schulreise verliebt sich Cyril in Roxy – die steht aber auf einen anderen. «Das schönste Mädchen der Welt» ist, wonach es klingt: eine klassische Teenie-Komödie, allerdings eine mit Top-Cast, die wirklich lustig und am Ende sogar richtig herzergreifend ist. Ab 6. September im Kino.

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