Slutaufmacher Credit Anna Tea
Anna Tea

Leute, hört auf, mich als Schlampe zu bezeichnen!

von Alisa Fäh

25 SEPTEMBER 2018

Life

Text-Praktikantin Alisa wurde schon oft als Schlampe beschimpft. Dementsprechend satt hat sie das ewige Slut-Shaming.

Es beginnt bereits beim Kennenlernen: Ich kann die Frage, wie viele Männer ich schon hatte, nicht mehr hören. Dass sie so selbstverständlich bei einem lockeren Date gestellt wird, finde ich schon schlimm – dass ich dann aber auch noch danach beurteilt werde, ist unglaublich. Auf meine Empörung wird mir oft "Es sagt sehr wohl etwas über dich aus – also sag schon, waren es mehr oder weniger als zehn?" entgegnet. Was genau mein Bodycount über mich aussagen soll – und vor allem, was das jemanden anderen als mich selbst angeht – ist mir unklar.

Die Erwartung, dass diese Zahl bei Frauen möglichst niedrig sein soll, bei Männern aber gern in die Höhe schnellen darf, ist absurd. Hat ein Mann drei Liebschaften gleichzeitig, gilt er als Held. Frauen hingegen sollen möglichst nicht zu viele Sexpartner gehabt haben. Bestes Beispiel für diesen Doppelstandard: Über Leonardo DiCaprio wird mit seinen ständig wechselnden Model-Freundinnen kein böses Wort verloren, während Kendall Jenner wegen zwei Dates in einer Woche auf Social Media als Flittchen beschimpft wird.

"So wie du aussiehst, bist du sicher ein kleines Schlämpli"

Auch unfassbar: dass Leute immer wieder vom Aussehen auf das Sexleben einer Frau schliessen. "So wie du aussiehst, bist du sicher ein kleines Schlämpli" wurde mir schon an den Kopf geworfen – von Männern, aber auch von Frauen. Ich bin keine Schlampe, weil ich Make-up trage. Es geht mir auf die Nerven, dass ich für figurbetonte Kleider und hohe Schuhe verurteilt werde.

Slut-Shaming passiert aber auch in einem dritten Fall. Ein "Nein, ich will nicht mit dir tanzen" im Club oder "Nein, ich komme nicht mit zu dir" nach einem Date genügt, um den Schlampenstempel aufgedrückt zu bekommen. Der zurückgewiesene Typ bezeichnet mich dann als arrogante Schlampe, nur weil sein Ego verletzt wurde. Es ist diese Ironie, die mich ärgert: Ob man zu Sex Ja sagt oder auch nicht – so oder so kann es passieren, dass man als Schlampe bezeichnet wird.

Wahrscheinlich mussten sich die allermeisten Frauen das Schimpfwort schon mal anhören. Frauen, die sich nicht von anderen vorschreiben lassen, was sie zu tun oder zu lassen haben. Sollten wir nicht daten, so oft wir wollen und anziehen, was uns gefällt? Und sollte es nicht selbstverständlich sein, dass wir dafür nicht angegriffen werden?

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