lise klaveness
imago sportfotodienst

Sie leitet bald zwei Fussball-Nationalteams

von Marie Hettich

19 JULI 2018

Job & Budget

Die Männer und Frauen der norwegischen Fussball-Nationalmannschaften haben mit Lise Klaveness ab September zum ersten Mal eine Chefin.

Frauen in Führungspositionen und Frauen im Fussball – zwei immer noch heikle Themen, obwohl sie längst kein Thema mehr sein sollten. Dem norwegischen Fussballverband ist das schnuppe: Ab September wird eine Frau die sportliche Leitung beider Fusballnationalteams übernehmen. "Lise Klaveness ist eine natürliche Führungspersönlichkeit", so steht es in der Pressemitteilung von Pål Bjerketvedt, Generalsekretär des norwegischen Fussballverbands. "Sie hat einen beeindruckenden Lebenslauf und viel Erfahrung."

Erfahren ist die 37-Jährige allerdings: Mit 12 hat Lise mit dem Fussballspielen begonnen, mit 16 spielte sie in der ersten Liga und später über 70 Mal für die Nationalmannschaft. Nach ihrem Karriereende arbeitete sie als Athletik-Trainerin, Schiedsrichterin – und als erste norwegische Kommentatorin. Aus Russland kommentierte sie auch die WM der Männer für den norwegischen Rundfunk.

Gelernt, mit Beleidigungen umzugehen

Doch Lise Klaveness hat es auch in einer anderen Welt – in der "normalen", wie sie sagt – sehr, sehr weit nach oben geschafft: Aktuell arbeitet sie bei der norwegischen Zentralbank als Juristin und amtet auch als Richterin. Der norwegische Fussballverband habe für die neu geschaffene Stelle explizit nach jemandem mit "wissenschaftlichem Hintergrund" und Anwalts-Erfahrung gesucht, so Lise Klaveness zum "Spiegel". "Dass ich eine Fussball-Vergangenheit habe, ist sicher hilfreich, aber der Verband wollte eben keinen Sportmanager. Sie suchten jemanden, der langfristige Strukturen aufbauen kann."

Die Norwegerin hat vor allem als Fussballkommentatorin gelernt, mit sexistischem Gegenwind umzugehen – auch deshalb schaut sie entspannt auf ihre Zukunft als Direktorin der Nationalteams. "Klar gibt es Abende, an denen man denkt: Sie reden immer noch über meine Stimme, darüber, wie ich aussehe, mich anziehe. Aber ich versuche, meine Emotionen rauszuhalten. Es geht nicht um mich, es geht um den Fussball. Das ist mein Sport, den ich mir ausgesucht habe. Und der gehört nicht allein den Männern."

Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend