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2018 Isa Foltin / Gettyimages

"Sie haben mich gefragt, ob ich die Assistentin sei"

von Karin Zweidler

8 SEPTEMBER 2018

Entertainment

DJ Kitty Cash bringt mit ihren Hip-Hop- und R’n’B-Tunes Stars wie Beyoncé oder Kaytranada zum Tanzen. Wir haben das Brooklyn-Girl auf der Bread && Butter in Berlin getroffen.

Kitty, macht es 2018 noch einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau hinter dem DJ-Pult steht? Natürlich sollte es keinen machen. Und wir arbeiten uns gerade in die Richtung, dass das hoffentlich auch irgendwann so ist. Aber die Realität sieht leider anders aus: Sexismus ist in dieser Branche immer noch viel zu oft ein Problem.

Hast du ein Beispiel? Ich war mal als Headlinerin gebucht. Die Tontechniker vor Ort fragten, ob ich die Assistentin eines Künstlers sei. Als ich sie korrigiert habe, haben sie gelacht und dann auch noch mein Equipment falsch aufgebaut.

Wie gehst du mit solchen Situationen um? Ich habe ihnen ganz ruhig meine Meinung gesagt. Dass das verletzend und respektlos ist für mich als Künstlerin. Ja, ok. Vielleicht habe ich an diesem Abend in meinem riesigen Shirt und den Converse ausgesehen wie ein kleines Mädchen. Aber das heisst nicht, dass mich jemand deswegen nicht ernst nehmen darf. Die Techniker haben sich dann ganz betroffen entschuldigt. Es ist wichtig, sich zu wehren.

Können wir sonst noch was tun? Ich denke, es ändert sich gerade ganz viel von selber. Es gibt immer mehr weibliche DJs und Produzentinnen. Jetzt geht es darum, sie auch in die Line-ups aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass es normal wird, diverse Leute auf Bühnen zu sehen. Es gibt ja genug Frauen, die was können. Man muss ihnen nur die Chance geben. Und wir müssen uns trauen.

So wie du. Du hast deinen 9-to-5-Job für die DJ-Karriere an den Nagel gehängt. Wie kams? Mein Büro-Job gab mir Stabilität: Ich wusste immer, was passiert, wann Geld reinkommt und dass ich versichert bin. Glücklich war ich trotzdem nicht. Tief in mir drinnen wusste ich längst, dass ich eigentlich hinters DJ-Pult gehöre. Ich hab mich nur nicht getraut.

Und dann? Irgendwann fingen diese fiesen Alpträume an und ich wurde immer unglücklicher. Dann wusste ich, dass ich das jetzt einfach machen muss. Auch wenns unfassbar beängstigend war.

Woher nimmst du deinen Mut? Bis ich 16 war, hab ich mich vor allem gefürchtet, was neu war. Ich stand mir ständig selber im Weg. Dann hab ich die Prüfung für ein gutes Internat in Conneticut bestanden, musste also weg aus Brooklyn und von meinen Freunden. Ich hatte solche Angst. Aber meine Mutter hat mich gezwungen und als ich da war, hab ichs geliebt. Diese Erfahrung hat mich nachhaltig verändert.

Weil du gemerkt hast, dass es keinen Grund für die Angst gab? Genau. Ich hab mir geschworen, mir nicht nochmal selber im Weg zu stehen. Ich versuche seither, meine Entscheidungen nicht von der Angst leiten zu lassen, sondern offen zu sein für das Neue. Wenn ichs dann doch nicht mag, mach ich halt wieder was anderes. Aber wenn ichs nicht mache, hab ichs verpasst.

Kitty Cash, 29, hat früher im Marketing gearbeitet. Heute ist sie eine der angesagtesten DJs und Produzentinnen überhaupt und legt auf internationalen It-Events auf - letztes Wochenende auf der Bread && Butter in Berlin, wo wir sie treffen durften.

Auch dieses Jahr hat die Messe kunterbunte Fashion-Unterhaltung geboten und nebenbei Line-up-Träume wahrgemacht: Ms. Lauryn Hill persönlich hat das Gelände am Freitag zum Überlaufen gebracht, Jaden Smith war am Samstag da: Zum Reden (über Nachhaltigkeit) und Rappen (über Trap-Beats). Hype-Girl IAMDDB hat ein Showcase gespielt und Yung Hurn und UFO361 haben dem Ganzen am Sonntagabend das Cloud-Rap-Krönchen aufgesetzt.

Shoppen war dieses Jahr übrigens besonders easy: Mit einem Klick konnte man sich seine Wunsch-Pieces der über 40 Stände nach Hause liefern lassen.

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