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Unsere sexuelle Orientierung ändert sich, bis wir 30 sind

von Gina Buhl

29 MAI 2019

Life

Eine neue Studie zeigt, dass sich die sexuelle Orientierung bis in die späten Zwanziger weiterentwickelt – bei Frauen häufiger als bei Männern.

Die ersten Jobs, die erste eigene Wohnung, die ersten richtig fetten Lebenskrisen: Für viele sind die Zwanziger die Zeit des Ausprobierens. Des Nicht-Festlegen-Wollens und -Müssens – auch, was Beziehungen angeht.

Und wie eine neue Studie zeigt, gibts für Letzteres jetzt auch einen wissenschaftlichen Beleg: Forscher der Virginia Tech University in den USA haben nämlich herausgefunden, dass sich die sexuelle Orientierung zwischen dem Teenie-Alter und den späten Zwanzigern weiter entwickelt.

Unsere Sexualität verändert sich

Die Forscher werteten dafür Umfragen aus, an denen 12'000 Studentinnen und Studenten im Alter von 16 bis in die späten Zwanziger und frühen Dreissiger teilnahmen.

Um herauszufinden, ob und wie sich ihre Sexualität im Laufe der Jahre veränderte, gaben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 1995 und 2009 jedes Jahr an, von wem sie sich angezogen fühlten, welches Geschlecht ihre Partner hatten und wie sie ihre sexuelle Orientierung identifizieren würden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese Parameter über die Jahre ständig weiter entwickelten.

Frauen insgesamt flexibler als Männer

Interessant: Insgesamt waren die Frauen im Laufe der Jahre flexibler als Männer. 67 Prozent der Frauen in der Gruppe der "tendenziell eher Heterosexuellen" (eine von neun Kategorien, die die Wissenschaftler bestimmten) fühlten sich Anfang ihrer Zwanziger sowohl von Männern als auch Frauen angezogen, gaben aber an, sich mit dem Erreichen der späten Zwanziger nur noch für Männer zu interessieren. Bei Männern dagegen gabs diese Entwicklung nur in 30 Prozent der Fälle.

Die Mainstream-Kategorien sind nicht ausreichend

Ausserdem stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass die traditionellen Labels "heterosexuell", "bisexuell" und "homosexuell" nicht ausreichen und Sexualität ein viel breiteres Spektrum aufweist – was für die meisten von uns wohl nicht ganz so überraschend sein dürfte. Immerhin ist das jetzt auch in einer Studie belegt.

"Sexuelle Orientierung umfasst viele Aspekte", erklärt Forschungsleiterin Christine Kaestle in einer Pressemitteilung. "Etwa, von wem wir uns angezogen fühlen, mit wem wir Sex haben und wie wir uns identifizieren. Bis vor kurzem konzentrierten sich die meisten Forscher nur auf einen dieser Aspekte, um Menschen zu kategorisieren." Das Problem sei aber, dass diese Kategorien die ganze Sache zu stark vereinfachen würden. Ahja.

Ob es überhaupt eine gute Idee ist, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in Kategorien unterteilen zu wollen? Mit Sicherheit nicht. Aber immerhin zeigt diese Studie, dass wir nicht davon ausgehen können, dass unsere Sexualität für immer in Stein gemeisselt ist. Und dass das stinknormal ist.

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