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"Es war nicht mein Plan, mit 20 ein Kind zu kriegen"

von Vanessa Vodermayer

16 JULI 2019

Life

Für den Grossteil der Gen Z liegt die Familienplanung noch weit entfernt. Anders siehts bei der Freundin von Praktikantin Vanessa aus. Sie ist 20 und steckt gerade mittendrin.

Als meine Freundin mich nach einem Dinner mit der freudigen Nachricht konfrontierte, habe ich gelacht, gescherzt und dann kurz geschwiegen. Mein Kopfkino spielte die letzten Monate in rapider Geschwindigkeit im Replay-Modus durch: Ich sah meine Raucher-Kollegin ohne Zigis. Bemerkte, dass sie an meinem Geburtstag das Wasserglas dem Prosecco vorzog. Erinnerte mich daran, wie ich mich fragte, ob ihr Pullover sie fülliger wirken liess oder ob sie tatsächlich ein paar Pfunde zugelegt hatte. Rückblickend machte alles Sinn.

Jetzt ist meine Freundin im sechsten Monat und schildert mir ihre Erfahrungen als junge Schwangere:

"Meine Periode blieb aus. Ich wurde nicht gerade panisch, aber nach einer verdächtig langen Zeit ohne einen einzigen Tropfen Mensblut kam das Grübeln doch. Dann der Schwangerschaftstest. Und mit dem Plus darauf die Gewissheit: Ich kriege ein Kind – mit 20.

Die Vorstellung, in wenigen Monaten mit einer Kugel vor dem Bauch durch die Strassen zu schlendern, fühlte sich surreal an. Ich sprang weder vor Freude in die Luft, noch überkam mich Verzweiflung.

Obwohl es nicht mein Plan war, mit 20 ein Kind zu kriegen, wollte ich schon immer jung Mami werden. Der ideale Zeitpunkt dafür ist für mich nicht an ein bestimmtes Alter gebunden.

Entscheidend ist doch, ob man sich für diesen Schritt bereit fühlt. Das ist bei mir der Fall – über eine Abtreibung habe ich deshalb keine Sekunde lang nachgedacht.

"Ui, du bist aber noch jung!"

Meinem Freund habe ich zugerufen, er sollte die Augen schliessen, daraufhin habe ich ihm den Schwangerschaftstest in die rechte Hand gedrückt. Er hat die Augen geöffnet, die Botschaft gecheckt und mich fest umarmt.

Mein Umfeld reagierte ausschliesslich positiv. “Ui, du bist aber noch jung!”, habe ich zwar ein paar Mal gehört. Abschätzige Bemerkungen gabs aber keine. Den Eltern haben wirs schon vor dem dritten Monat verklickert. Besonders bei meinem Mami hätte ich Mühe gehabt, sie im Ungewissen zu lassen.

Sich vor Neuem zu fürchten, ist normal

Bei jeder Verkündung spürte ich mein Herz vor Nervosität pochen. Und klar bereitet mir das bevorstehende Abenteuer Angst. Aber fürchten wir uns vor Dingen, die wir zum allerersten Mal machen, nicht immer ein wenig? Das erste Date. Der erste Kuss. Der erste Sex. Jetzt eben die erste Schwangerschaft.

Wies weiter geht, ist noch nicht in Stein gemeisselt. Mein Mami will als baldiges Grosi einen Tag im Job kürzer treten, um uns bei der Kinderbetreuung zu entlasten. Auch mein Arbeitgeber unterstützt mich – das Pensum darf ich nach dem Schwangerschaftsurlaub selber wählen.

Was das Finanzielle angeht, mag es für einige naiv oder unverantwortlich wirken, in jungen Jahren ein Kind zu bekommen. Zwar verfüge ich über Erspartes, mit 20 verdiene ich jedoch kein Spitzen-Salär. Ich habe zum Glück eine sehr liebe- und rücksichtsvolle Familie und weiss, dass ich auf ihre Hilfe zählen kann, sollte das Geld mal wirklich knapp werden.

Ich traue mir das Muttersein zu

Mit der unverantwortlichen Teenie-Mutter, die man von MTV kennt, wurde ich bisher nie gleichgesetzt. Eventuell werde ich später, wenn ich den Kinderwagen umher schiebe, noch zur Zielscheibe.

Vielleicht rühren die positiven Feedbacks einfach daher, dass ich bereits in der Lehre ausgezogen bin und relativ früh auf eigenen Beinen stand. Ich traue mir das Muttersein zu. Und mein Umfeld tut es auch.

Die Fähigkeit, einem Menschen Leben zu schenken, erfüllt und fasziniert mich. Ich kann es kaum erwarten, meine Tochter kennenzulernen!"

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