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Finger weg von Schlaf-Apps

von Janine Heini

12 JUNI 2019

Health

Es zeichnet sich immer deutlicher ab: Schlaf-Tracker sorgen nicht für besseren Schlaf – sondern für schlechteren.

Wir zählen unsere Schritte, kontrollieren unseren Puls und tracken unseren Schlaf. Damit glauben wir, etwas für unsere Gesundheit zu tun. Nun, gerade letzteres scheint eher kontraproduktiv statt förderlich sein.

Beim Cheltenham Science Festival – das führende Wissenschaftsfestival in Grossbritannien, das jährlich Anfang Juni stattfindet – warnte Dr. Guy Leschziner, ein Spezialist für Schlafstörungen und Berater am Guy's Hospital in London, kürzlich vor Schlaf-Apps: "Wir haben viele Menschen gesehen, die wegen Schlaf-Tracker eine Schlafstörung entwickelt haben. Sie beschäftigen sich so viel mit dem Thema Schlaf, dass sie sich damit ganz verrückt machen – und deshalb nicht mehr zur Ruhe kommen."

Kein Einblick in die Schlafqualität

Laut Leschziner bringen viele Patienten zum ersten Termin die Auswertungen ihrer Schlaf-Apps mit in die Klinik. Es sei sehr schwierig, Leute davon abzuhalten, solche Apps zu benutzen.

Die meisten Schlaf-Apps werden nicht klinisch validiert und verfolgen nur die Körperbewegungen der Person im Schlaf. Damit geben sie keinen Einblick in die Qualität des Schlafes. Um morgens zu wissen, ob man gut geschlafen habe, brauche man keine App, so Leschziner. Das spüre man von ganz allein.

Orthosomnia als neue Schlafstörung

Ähnliche Bedenken wurden in einer Reihe von Fallstudien deutlich, die vergangenes Jahr veröffentlicht wurden. Dabei ging es um Patienten, deren Schlaf-Tracking-Verhalten zu einer Erkrankung namens Orthosomnia geführt hat – einer neuen Schlafstörung.

Die Forschung zeigt, dass für die meisten Menschen die optimale Schlafdauer etwa acht Stunden beträgt. Für Menschen, die weniger Schlaf benötigen, könnte die allgemeine Warnung einer App, dass sie nicht genug schlafen, zum sogenannten Nocebo-Effekt führen. Dabei führt die Erwartung negativer Symptome dazu, dass sich die Menschen dann tatsächlich schlechter fühlen.

Entspannte Nachtruhe

Für einen guten Schlaf ist es vielmehr förderlich, sich bewusst zu werden, welche Verhaltensweisen abends einem optimal auf die Nachtruhe einstimmen. Koffeinkonsum und Blaulichtbelastung durch Netflix-Bingen können den Schlaf beeinträchtigen – aber auch dies ist bei jeder Person völlig unterschiedlich und von den Genen abhängig. Hier haben wir unsere Einschlaf-Tricks gesammelt.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Schlaf-Apps gemacht?

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