scheide juckt was tun
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Daran kanns liegen, wenn die Scheide juckt

von Andrée Getzmann

26 JUNI 2019

Health

Dreiviertel aller Frauen haben mindestens einmal im Leben einen Scheidenpilz. Wir haben einen Gynäkologen gefragt, woher das lästige Jucken kommt und was man dagegen tun kann.

Und da ist es wieder, dieses verdächtige Jucken nach einem Besuch in der Sauna oder im Schwimmbad. Das Symptom mit dem medizinischen Namen "Pruritus" ist ziemlich oft ein erstes Zeichen dafür, dass in unserem Intimbereich etwas nicht stimmt. Wir haben David Scheiner, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsspital Zürich, zum Thema Scheidenpilz befragt.

Woher kommt das lästige Jucken? Juckreiz entsteht oft, wenn die vaginale Schleimhaut oder die Haut der Vulva durch eine Erkrankung entzündet ist. Die Folgen sind Hautreizungen wie Brennen oder eine Rötung, nicht selten in Kombination mit einem weisslichen, körnigen Ausfluss. Typischerweise schuld daran ist "Candida albicans", der Scheidenpilz.

Ist das gefährlich? Wenn es sich um eine Infektion mit Candida albicans – die mit 90 Prozent am häufigsten verbreitete Form in unseren Breitengraden – handelt, ist das in der Regel ungefährlich. Die meisten Scheidenpilze lassen sich mit einer Creme oder einer Scheidentablette erfolgreich bekämpfen. Wenn die Beschwerden stören oder stärker werden, sollte man aber zum Arzt oder der Ärztin gehen, um auszuschliessen, dass es sich nicht um eine andere Infektion handelt.

Woher kommen Scheidenpilze eigentlich? Bis zu 80 Prozent aller Frauen tragen Candida-Pilze in sich, und auch im Darmtrakt kommen sie vor. Nicht immer sind sie aber krankheitserregend.

Warum bricht er bei manchen aus und bei anderen nicht? Das ist nicht ganz klar. Jedenfalls gibt es begünstigende Faktoren für einen Scheidenpilz. Dazu gehören etwa hormonelle Einflüsse, Diabetes oder Antibiotika, die die normale Bakterienflora stören. Kontrovers diskutiert werden auch Geschlechtsverkehr und Sexualpraktiken oder der Einsatz verschiedener Verhütungsmittel. Nicht zuletzt gibt es möglicherweise auch eine genetisch bedingte Anfälligkeit für Scheidenpilze.

Inwiefern Sexualpraktiken? Besonders häufiger Geschlechtsverkehr kann Scheidenentzündungen begünstigen. Oralverkehr oder Selbstbefriedigung unter Zuhilfenahme von Speichel sind ebenfalls Risikofaktoren.

Sind Infektionen nach einem Besuch im Schwimmbad oder in der Sauna häufiger? Es handelt sich nicht um eine Ansteckung von aussen, im Sinne einer Übertragung oder einer Geschlechtskrankheit, sondern eine Infektion durch den Pilz, der bereits in der Scheidenflora vorhanden ist. Möglicherweise reizt das chlorierte Wasser die Haut und begünstigt eine Infektion, oder die feuchte Badekleidung fördert das Pilzwachstum. Es lohnt sich, die Badekleidung nach dem Schwimmen auszuziehen, sich gut abzutrocknen und trockene Kleider anzuziehen.

Kann man seinen Partner mit dem Pilz anstecken? Ja. Auch Männer können eine Pilzinfektion bekommen; bei ihnen sind Eichel und Vorhaut betroffen. Die Ursachen sind ähnlich wie bei Frauen, allerdings treten die Infekte bei Männern weniger häufig auf. Bei einer akuten Pilzinfektion sollte man besser auf Sex verzichten.

Wie kann man sonst noch vorbeugen? Es gibt vor allem Dinge, die man nicht tun sollte. Eine gesunde Scheide reinigt sich selbst. Übertriebene Genitalhygiene, etwa mit Vaginalspülungen oder das Ausduschen der Vagina, kann die gesunde Scheidenflora stören. Äusserlich abduschen reicht. Sofern eine Seife verwendet wird, sollte diese hypoallergen und ph-neutral sein, um die gesunde Bakterienflora nicht zu beeinträchtigen. Wird die Scheidenflora, die vor allem aus Milchsäurebakterien besteht, aus dem Gleichgewicht gebracht, können andere Mikroorganismen sich ausbreiten und krank machen.

David Scheiner ist Facharzt Gynäkologie und Geburtshilfe und leitet die Urogynäkologie an der Klinik für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich.

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