Rico

"Sich mit anderen Queers zu vernetzen, hilft ungemein"

von Gina Buhl

15 JUNI 2018

Life

Wir wollen wissen, was die LGBTQI-Community bewegt. Dieses Mal erzählt uns Rico, 29, aus Zürich mehr von sich.

Magst du uns deinen Beziehungsstatus verraten? Mein Beziehungsstatus klingt sehr bürokratisch und lautet gemäss Schweizer Gesetz: "in eingetragener Partnerschaft".

Welches Thema beschäftigt dich zurzeit am meisten? Ich gehe im Rahmen meines Masterstudiums der Frage nach, wie Homosexualität historisch konstruiert wurde. Das Konzept der sexuellen Orientierungen ist geschichtlich betrachtet nämlich eher neu. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass es Queerness vorher nicht gab, aber sie wurde erst im 19. Jahrhundert problematisiert. Bis 1992 war Homosexualität bei der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit aufgeführt.

Fühlst du dich wohl in der Schweiz? Grundsätzlich fühle ich mich sehr wohl, ja.

Würdest du gern woanders leben? Wenn ja, wo und warum? Manchmal vermisse ich Barcelona, wo ich studiert habe. Ich schätze das gesellschaftlich sehr liberale Klima dort. In Zürich spürt man im Vergleich dazu oft den Kleingeist. 

Was ist das Mühsamste am Queersein? Dass Queerness oft unsichtbar ist – oder gemacht wird. Ich bin mit Märchen und Disney-Filmen aufgewachsen, die fast ausschliesslich heterosexuelle Lovestorys erzählen. Und wenn Schwule oder Lesben dargestellt wurden, dann in einer diskriminierenden und extrem klischierten Art – wie der tuntige Bruder im "Schuh des Manitu". 

Gibts ein Klischee, das dich so richtig hässig macht? Dass Schwule immer lustig und stylish seien. 

Was macht dich an deinem Queersein besonders happy? Ich bin grundsätzlich happy. Das hat nicht viel mit meiner sexuellen Orientierung zu tun.

Wer war die erste Person, der du von deiner Queerness erzählt hast? Das war eigentlich nicht nötig. Die meisten haben es schon gecheckt, als ich noch ein Kind war.

Wie steht deine Familie zu deiner Sexualität? Ich glaube, sie sind happy damit.

Hast du einen Tipp für alle, die ihr Coming-out noch nicht hatten? Es klingt etwas kitschig, aber ich würde sagen: You're not alone! Auch wenn du dich isoliert und allein fühlst – such dir Hilfe über Social Media und vernetze dich mit anderen Queers. Das hilft ungemein.

Was wünscht du dir für die LGBTQI-Zukunft der Schweiz? Dass keine Coming-outs mehr nötig sind. weil die Gesellschaft einfach davon ausgeht, dass es mehrere Geschlechter und sexuelle Orientierungen gibt. Solange es noch Gender-Reveal-Partys gibt, haben wir noch viel zu tun!

Möchtest du heiraten? Wäre es in der Schweiz legal, würde ich es vielleicht schon wollen – wobei ich sagen muss, dass ich es immer abstruser finde, dass der Staat gewisse Beziehungsformen schützt und andere nicht.

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