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Instagram alexandreabozarjian

Reporterin wird live im TV begrapscht

von Gloria Karthan

9 DEZEMBER 2019

Life

Eine Lokaljournalistin berichtet über einen Marathon, als ein Läufer ihr vor laufender Kamera auf den Hintern haut. Auf Twitter rechnet die US-Amerikanerin kurz darauf mit dem Grapscher ab.

Der Fernsehbeitrag, der aktuell auf Twitter viral geht, fing ganz harmlos an: Die amerikanische Journalistin Alexandrea Bozarjian berichtet über den Enmarket Savannah Bridge Run, der am Samstag in Georgia stattfand. Der Sender WSAV3 überträgt live, wie die Marathon-Teilnehmende an ihr vorbeisprinten, in die Kamera lächeln und fröhlich winken.

Doch die Übertragung zeigt auch, wie ein Typ plötzlich seinen Arm ausstreckt, sich zu der jungen Frau dreht, ihr einen Klaps auf den Hintern gibt, und dann einfach weiter rennt. Alexandrea Bozarjian fällt angesichts dieses Übergriffs die Kinnlade runter, während sie versucht, den Mann in der Menge auszumachen.

Wenige Stunden später reagiert Alexendrea in einem wütenden Tweet auf den Vorfall: "An den Mann, der mir heute Morgen im Live-TV auf den Hintern gehauen hat. Du hast mich verletzt, objektiviert und blossgestellt. Keine Frau sollte sich das bei der Arbeit oder irgendwo anders gefallen lassen müssen."

Twitter-User machen Grapscher ausfindig

Die Aufnahme wurde in den letzten zwei Tagen fast zehn Millionen mal angeschaut und zahlreiche Twitter-Userinnen und -User solidarisieren sich mit Bozarjian. Unter anderem ihr Arbeitskollege, Jon Dowding, der auf Insta schreibt: "An den Mann, der meine geschätzte, talentierte, professionelle und brillante Freundin live im Fernsehen verletzt hat: Da draussen gibts einige Leute, die dir jetzt liebend gerne beibringen würden, wie man eine Frau, die einfach nur ihren Job macht, nicht respektlos behandelt. Eltern, bitte erzieht Jungs nicht mehr so, dass sie Frauen objektivieren, sondern bringt ihnen bei, dass wir alle gleichwertig sind."

Mithilfe weiterer Aufnahmen des Marathons konnte der Grapscher mittlerweile sogar ausfindig gemacht werden. Die meisten legen der Reporterin nun auf Social Media ans Herz, sie solle den Mann wegen sexueller Belästigung bei der Polizei anzeigen. Ob die junge Journalistin diesem Rat gefolgt ist, weiss man bislang noch nicht. Laut einer Mitteilung der lokalen Polizei liege es ganz bei Bozarjian, Anzeige gegen den Mann zu erstatten.

Längst nicht der einzige Fall

Leider ist das nicht der einzige Fall von sexueller Belästigung im Live-TV. Auf Youtube und Twitter gibts Dutzende Videos, in denen weibliche Journis angegraben, betatscht oder sogar geküsst werden.

Erst vor ein paar Monaten drückte ein Unbekannter der amerikanischen Lokaljournalistin Sara Rivest ungefragt einen Kuss auf die Wange. Die reagierte prompt: "Bro! Okay, das war nicht angebracht." Als Rivest den TV-Beitrag auf Twitter teilte, wandte sie sich an den Belästiger: "Hey Mister, hier sind deine drei Sekunden Fame. Wie wäre es, wenn du mich nicht anfasst? Danke!!!"

Dass auch Schweizer Journalistinnen bei ihrer Arbeit mit sexueller Belästigung konfrontiert sind, zeigte die #mediatoo-Recherche vom "Tages-Anzeiger", deren erschreckende Ergebnisse im Juni diesen Jahres publiziert wurden. Die Tamedia-Umfrage ging Ende Januar an 3429 Medienschaffende in der Deutschschweiz und der Romandie – das Resultat veranschaulichte, wie alltäglich Sexismus in der Medienbranche ist.

Demnach waren 53 Prozent der Journalistinnen und 11 Prozent der Journalisten schon einmal bei der Arbeit von sexuellen Übergriffen oder sexueller Belästigung betroffen. Besonders krass: Fast die Hälfte der Belästigten hat Vorfälle erlebt, die über schlüpfrige Bemerkungen hinausgehen. Und, so der "Tages-Anzeiger": "Zu den Belästigungen durch Kollegen oder Vorgesetzte kommen für viele Journalistinnen Vorfälle hinzu, welche sie mit externen Personen erleben."

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