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Ein Roboter bricht mit Geschlechter-Klischees

von Gloria Karthan

3 MAI 2019

Life

Autoritäre Roboter haben eine männliche, dienstwillige Roboter oft eine weibliche Stimme. Doch jetzt kommt "Q": Eine Computerstimme ohne Geschlecht.

"Guten Morgen", grüsst Amazons virtuelle Assistentin Alexa, wenn man das Wohnzimmer betritt. Und Apples Siri fragt mit freundlicher Stimme "Wie kann ich behilflich sein?", sobald man sie aktiviert. Beide warten nur darauf, dass man ihnen einen Befehl erteilt.

Problematisch daran: In den Standardeinstellungen haben sie beide eine weibliche Stimme. Und das, während man in Finanz- und Versicherungsapps oft von männlichen Stimmen begleitet wird.

Stimme, die alle einschliesst

Ein Team aus Dänemark hat nun eine geschlechtsneutral klingende Roboter-Stimme entwickelt. "Q" bewegt sich irgendwo zwischen den tieferen Stimmlagen von Frauen und den höheren von Männern. Dazu haben das LGBTQ-Festival Copenhagen Pride, die "Vice"-Kreativagentur Virtue Nordic und die dänische Linguistin Anna Jørgensen zusammengespannt und definiert, was eine geschlechtsneutrale Stimme ausmacht.

Braucht es eine geschlechtsneutrale Roboterstimme?

577 Votes
  • Ja, auf jeden Fall! 14%
  • Finds schon wichtig, aber Frauenstimmen sind trotzdem angenehmer. 6%
  • Nein, es gibt dringendere Probleme in Sachen Gleichstellung zu lösen. 55%
  • Hauptsache, die Technik funktioniert. 26%

Eine spezielle Software hat daraufhin aus echten Stimmen eine neutrale geschaffen. 4600 Menschen aus ganz Europa haben bewertet, wie männlich oder weiblich sie die ertüftelte Stimme empfinden. "Q" wurde daraufhin immer wieder angepasst, so lange, bis die Mehrheit die Stimme als neutral empfand. "'Q' ist nicht die Stimme eines Einzelnen, sondern die Stimme vieler, die für eine Zukunft kämpfen, die alle einschliesst", sagt Ryan Shermann, Senior Creative von Virtue Nordic zur "Werbewoche".

Die Fachwelt ist sich noch nicht einig, ob "Q" sich bei den Tech-Firmen durchsetzen wird. Fest steht, dass die aktuelle Situation veraltete Stereotypen zumindest unterbewusst fördert. Und selbst wenn man Siri seit ein paar Jahren auch eine männliche Stimme verpassen kann – non-binäre Roboter-Stimmen gab es bislang noch nicht. Sherman plädiert für ein Umdenken: "Technologie sollte nicht in veralteten, sondern in neuen kulturellen Massstäben verankert sein."

Hier könnt ihr euch "Q" anhören:

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