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Auf Pussypedia erfahrt ihr alles über den weiblichen Körper

von Miriam Suter

2 SEPTEMBER 2019

Health

Pussypedia ist eine Enzyklopädie für Fragen, die ihr euch nicht zu stellen traut. Wir haben mit der Gründerin Zoe Mendelson gesprochen.

Wisst ihr, was stressbedingte Harninkontinenz ist? Oder was die Gründe dafür sein können, dass Frauen beim Sex Schmerzen haben? Wie gut wisst ihr wirklich über den Menstruationszyklus Bescheid?

Antworten auf alle diese Fragen und noch viel mehr Wissen findet man seit Juli auf der englischsprachigen Webseite Pussypedia. Gegründet wurde die Online-Enzyklopädie von der Künstlerin Maria Conejo aus Cuautla, Mexiko, dem Designer Michael Yap aus New York und der Journalistin Zoe Mendelson aus Chicago. Für die Texte, Illustrationen, Übersetzungen und das Fact Checking ist eine globale Community mit über 200 Beitragenden zuständig – ähnlich wie bei Wikipedia.

Zoe Mendelson, warum habt ihr Pussypedia gegründet? Die Idee entstand, als ich googelte, ob eigentlich alle Frauen squirten können. Durch meine Internetrecherche habe ich festgestellt, dass ein erschreckend grosser Teil der Informationen, die man über den weiblichen Körper im Internet findet, eine sehr schlechte Qualität haben – beziehungsweise, dass richtig gute Infos für viele Menschen schwer zugänglich sind. Und das wollte ich ändern.

Wie lange habt ihr an der Webseite gearbeitet? Wir haben 20 Monate lang durchgearbeitet.

Warum braucht es Pussypedia? Es gibt so viel, was über den weiblichen Körper schlichtweg noch nicht bekannt genug ist.

Zum Beispiel? Frauen, die Körperpuder mit Talk benutzen, haben ein 1.3 Mal höheres Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Frauen, die ihre Vagina mit Seife reinigen, haben ein 1.7 Mal höheres Risiko, sich vaginale bakterielle Infektionen einzufangen. Und dennoch: Sowohl Körperpuder mit Talk als auch Reinigungsmittel für die Vagina werden vermarktet und verkauft – sogar in Apotheken! Wissen ist Macht, auch über den eigenen Körper. Wir sollten, und das ist das allermindeste, Kontrolle über unseren eigenen Körper haben. Und dafür brauchen wir viel mehr Informationen über ihn.

Wie äussert sich dieses fehlende Wissen in der Gesellschaft? Wir sind beispielsweise immer noch nicht dazu fähig, das Organ, das für die Hälfte der Weltbevölkerung für den Orgasmus verantwortlich ist, konkret und ohne Scham zu benennen. Auf dem Mond waren wir aber – das kann doch nicht sein!

Woran liegt es, dass so wenig über den weiblichen Körper bekannt ist? Viele Institutionen, welche die nötigen Ressourcen hätten, investieren nicht in die Forschung über Pussys. Zumindest in den USA und Mexiko ist es so, dass das verfügbare Geld lieber in die Forschung investiert wird, die sich um die männlichen, cis-heterosexuellen Verlangen drehen. Das, was Frauen also über ihren Körper lernen, kommt meistens aus einer frauenfeindlichen Ecke. Dazu kommt, dass die Werbung ihren Nutzen daraus schlägt, indem sie uns Frauen Dinge verkauft, die unserem Körper schaden. Das Resultat? Wir schämen uns für unseren Körper – dafür wie er aussieht, wie er riecht. Das raubt uns die Fähigkeit, sexuelle Lust und Genuss zu empfinden.

Für wen ist Pussypedia gedacht? Vor allem für Menschen mit Pussys: Trans-, Nonbinary- und Intersex-Menschen, aber auch für Menschen mit Penissen, die mehr über Pussys lernen wollen.

Wie finanziert ihr Pussypedia? Momentan haben wir noch kein fertiges Businessmodel. Wir haben nur das Geld von unserer Kickstarter-Kampagne. Und wir verkaufen unsere Merch-Artikel auf der Webseite, damit es fürs Erste weitergehen kann.

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