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5 Mythen über Psychotherapie

von Gloria Karthan

17 APRIL 2020

Health

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer lassen ihre psychischen Probleme behandeln. Wir räumen mit den häufigsten Mythen zum Thema auf.

Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) machen immer mehr Menschen eine Psychotherapie – Frauen häufiger als Männer. Das ist eine gute Nachricht, denn sie zeigt, dass wir uns öfter Hilfe holen, wenn es uns psychisch schlecht geht.

Auch das Obsan schreibt im neuesten Bulletin, dass wohl eine beginnende Entstigmatisierung hinter der Zunahme steckt. Die Menschen seien heute informierter und es sei einfacher, sich professionelle Hilfe zu holen. Doch sich einzugestehen, dass man psychologische Hilfe braucht und dann einen Termin auszumachen, stellt für viele nach wie vor eine Hürde dar. Obs an diesen Mythen rund um Psychotherapie liegt?

1. Eine Psychotherapie ist nur für Menschen mit echten Problemen

Laut Pro Mente Sana leidet jeder zweite Mensch in der Schweiz im Laufe seines Lebens einmal an einer psychischen Erkrankung. Gibts in deiner Family Menschen, die psychisch krank sind oder waren, solltest du das im Hinterkopf haben: Denn für viele dieser Erkrankungen gibts genetische Ursachen.

Du musst aber nicht an einer klinischen Störung leiden, um eine Therapie zu machen. Bestimmen deine Sorgen über längere Zeit deinen Alltag und hast du deswegen Schlafprobleme, kannst dich schlecht konzentrieren, bist antriebslos oder gereizt, kann eine Therapeutin dir helfen. Aber auch für Menschen, die etwas Traumatisches durchgemacht haben, sich orientierungslos fühlen oder Mühe haben, einen Todesfall oder eine schlimme Krankheit im Umfeld zu verarbeiten, ist eine Therapie ratsam.

2. Wenn ich zur Therapie gehe, bekomme ich Medikamente verschrieben

Es gibt sehr viele Menschen, die eine Therapie machen, ohne jemals Medikamente zu nehmen. Je schlimmer jemand krank ist, desto eher können Medis helfen.

Niemand bekommt aber einfach ein Rezept für Antidepressiva in die Hand gedrückt – Psychopharmaka und -therapie werden immer kombiniert. Psychotherapeutinnen haben übrigens eine psychologische und keine medizinische Ausbildung. Sie dürfen keine Medikamente verschreiben, das machen nur Psychiaterinnen.

3. Ich muss meine Therapie selber bezahlen

Eine Psychotherapie kann auf drei Arten finanziert werden. Wer die durchschnittlich 140 bis 180 Franken pro Sitzung selber bezahlt, kann seine Therapeutin dafür völlig frei wählen. Auch möglich: Gewisse Zusatzversicherungen bezahlen einen Anteil an die Therapie – dafür muss die Therapeutin allerdings von der Krankenkasse anerkannt sein. Der Maximalbetrag ist von Modell zu Modell unterschiedlich.

Die dritte Möglichkeit ist die sogenannte delegierte Psychotherapie, bei der die Kosten über die Grundversicherung abgerechnet werden. Dabei sind die Therapeutinnen bei einer Ärztin (meistens eine Psychiaterin) angestellt, und du musst dich vor der Therapie überweisen lassen. Viele Therapeutinnen sind über diese Abhängigkeit übrigens nicht sehr happy. Der Bundesrat möchte darum das System vereinfachen, so dass Psychologinnen auf ärztliche Anordnung selbständig therapieren können. Noch dieses Jahr soll darüber entschieden werden.

4. Wenn ich einmal hingehe, muss ich mein Leben lang in Therapie

Wie lange eine Therapie dauert, hängt von vielen Faktoren ab. Dass sie ein ganzes Leben lang dauert, ist sehr unwahrscheinlich. Laut Pro Mente Sana tritt bei vielen Menschen eine psychische Erkrankung nur einmal im Leben auf.

Ausserdem wird nicht einfach ins Blaue hinaus therapiert, sondern immer gemeinsam mit der Therapeutin ein Ziel definiert. Sieh deine Sessions als eine Art Prävention für deine Psyche: Wer sich frühzeitig Hilfe holt, vermeidet so eher, dass aus der ständigen Antriebslosigkeit eine Depression wird oder der dauerhafte Stress zum Burnout führt.

5. Mir wird irgendeine Therapeutin zugewiesen

In der Schweiz musst du dir deine Therapeutin selbst suchen und direkt abklären, ob ein Platz frei ist. Ein gutes Verzeichnis mit vielen Filtern und Angabe zur Wartefrist gibts zum Beispiel bei der Föderation der Psychologinnen und Psychologen.

Überlege dir vorgängig, welche Art von Therapie dir zusagt und kläre ab, ob deine Krankenkasse für einen Teil der Kosten aufkommt. Vielleicht kann eine Freundin, Arbeitskollegin oder deine Hausärztin dir jemanden in deiner Stadt empfehlen.

Viele Therapeutinnen raten zu Erstgesprächen, bei denen man sich kennenlernt und schaut, ob man überhaupt zusammenpasst. Bist du dir unsicher, mach noch einen Termin bei einer weiteren Person. Du musst mit deiner Therapeutin nicht grad um die Häuser ziehen wollen – auf der gleichen Wellenlänge solltet ihr aber schon sein.

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