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Schon mal was von präventiver Paartherapie gehört?

von Marie Hettich

18 DEZEMBER 2019

Life

Um besser miteinander kommunizieren zu können und Krisen vorzubeugen, machen immer mehr Paare eine Therapie oder nehmen an Workshops teil. Eine gute Idee?

In Grossbritannien gehen immer mehr Paare zur Therapie, obwohl sie in gar keiner Krise stecken – darüber hat kürzlich "The Guardian" berichtet. Ist das hierzulande auch so? Und was soll eine präventive Therapie überhaupt bringen? Wir haben mit Paarforscherin und Psychologin Maximiliane Uhlich gesprochen, die emotionsfokussierte Paartherapie in Zürich praktiziert.

Frau Uhlich, was halten Sie davon, wenn ein Paar eine Therapie macht, obwohl es eigentlich prima miteinander auskommt? Viel! Ich bin fest davon überzeugt, dass jedes Paar von einer Therapie oder einem Workshop profitieren kann: Man lernt sich besser kennen und kann heikle Themen besprechen, die immer wieder aufpoppen. Fast jedes Paar hat mindestens ein Thema, bei dem es sich im Kreis dreht. Manche meiner Paare sagen auch, dass sie es super finden, regelmässig einen fixen Termin zu haben, bei dem es nur um sie beide geht – die intensive Beziehungszeit geht im Alltag oft unter. Ausserdem wappnet ein Coaching oder eine Therapie das Paar für schwierigere Zeiten – die in langjährigen Beziehungen nun mal definitiv dazugehören.

Ist eine präventive Therapie nicht kompletter Luxus? Immerhin muss man alles selbst bezahlen. Es gibt mittlerweile einige seriöse Studien, die zeigen, wie sehr die Partnerschaft mit unserer psychischen und physischen Gesundheit zusammenhängt. Wer in einer ungesunden Beziehung ist, dem geht es meistens schlecht. Wer wiederum in einer stabilen Beziehung ist, hat mit seinem Partner oder seiner Partnerin meist eine Stütze, die sich auf alle Lebensbereiche auswirkt. Eine gute Partnerschaft ist kein Nice to have – das sind meines Erachtens nach eher die gemeinsamen Ferien auf irgendeiner Karibikinsel. Oder das neuste iPhone, für das viele Menschen ja auch mal kurz 1000 Franken hinblättern.

Sollten Paartherapien von der Krankenkasse übernommen werden? Ja. Es gibt ein paar wenige Zusatzversicherungen, die sich schon an den Kosten beteiligen. Und ich bin zuversichtlich, dass es in Zukunft immer mehr werden – die wissenschaftliche Beweislage, wie sich Paarbeziehungen auf die Gesundheit auswirken, ist sehr überzeugend.

Kürzlich hat "The Guardian" darüber berichtet, dass in Grossbritannien immer mehr Paare präventiv eine Therapie machen. Beobachten Sie diesen Trend auch in der Schweiz? Offizielle Zahlen gibt es dazu leider keine, denn die meisten Paartherapien finden in Privatpraxen statt. Aber ich beobachte in der Tat, dass immer mehr Paare an Workshops teilnehmen oder eine Therapie machen, obwohl sie in keiner akuten Krise stecken. Darunter auch immer mehr junge Paare, die zum Teil erst Anfang 20 sind.

Anfang 20? Ja! Diese Paare haben Lust darauf, mehr über sich zu lernen, sie wollen wissen, wie sie besser miteinander kommunizieren und ihre Konflikte schneller beiseite legen können. Ihnen ist klar, dass eine gute Beziehung nicht vom Himmel fällt, sondern dass man konstant im Gespräch bleiben und investieren muss.

Geht die junge Generation pragmatischer an die Liebe heran? Ich denke, dass generell ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet. Man sieht das zum Beispiel auch an TV-Serien: Immer öfter werden Beziehungen realistisch dargestellt, mit ihren ganzen Ups und Downs, ohne Liebe auf den ersten Blick an der Supermarktkasse und gleichzeitigem Orgasmus beim ersten Sex. Offenbar gibt es da eine Nachfrage.

Gibt es Paare, die von einem Präventivprogramm ganz besonders profitieren können? Ja, zum Beispiel Paare, die beieinander heftige Reaktionen auslösen. Funkstille ist zum Beispiel ein Indikator dafür, dass es bald zu grösseren Problemen kommen könnte.

Was könnte man als Paar statt einer Therapie vorbeugend tun? Man könnte gemeinsam ein Buch zum Thema lesen – "Halt mich fest" von Sue Johnson oder "Was Paare stark macht" von Guy Bodenmann, zum Beispiel. Mit dieser Geste zeigt man sich auch, wie wichtig man einander ist – und dass man vorhat, noch lange zusammenzubleiben.

Ihr habt auch Interesse, mit eurem Partner oder eurer Partnerin gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten? Auf paarlife.ch und holdmetight.ch werden verschiedene Paar-Workshops angeboten.

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