affirmation
Anna Tea

Darum sollten wir alle Affirmation ausprobieren

von Gloria Karthan

29 MAI 2019

Health

Bewusst formulierte, positive Gedanken helfen dabei, Ziele zu erreichen und in heiklen Situationen cool zu bleiben. Ein Psychologe erklärt, wies geht.

Jeden Tag schiessen uns rund 60'000 Gedanken durch den Kopf. Die wenigsten davon sind positiv. Oft sind wir zu kritisch mit uns und blockieren uns selbst, indem wir Probleme grösser machen, als sie sind, und zu viel grübeln.

Affirmationen sind kleine Sätzli, die diese Blockaden mit Hilfe von positiven Gedanken lösen können. Hinduisten kennen eine ähnliche Form, die Mantras, schon seit Jahrhunderten. Seit Achtsamkeit bei uns im Mainstream angelangt ist, sind die Sätze, die in der westlichen Welt von der Positiven Psychologie erforscht werden, voll im Trend.

Wir haben bei Prof. Dr. Christoph Flückiger, Fachpsychologe für Psychotherapie und Experte in Positiver Psychologie an der Universität Zürich, nachgefragt, was ihr beachten müsst.

Herr Flückiger, was muss ich als Neuling bei der Formulierung meines perfekten Mantras beachten? Bleiben Sie realistisch. Formulieren Sie Sätze, die dem Schwarz-Weiss-Denken die Schärfe nehmen.

Können Sie ein Beispiel machen? Man fragt sich: "Wie hoch ist die objektive Gefahr gerade? Nicht 0, nicht 100, sondern…?" Oder wenn jemand Menschenmassen nicht leiden kann und im Ausgang ist, könnte ein hilfreicher Satz sein "Es ist okay, dass ich mich unwohl fühle, aber dennoch ausgelassen bin".

Prof. Dr. Christoph Flückiger

Fachpsychologe an der Universität Zürich

Meistens sind es ähnliche Gedanken, die einem immer wieder in den Kopf schiessen und für Stress sorgen.

Wie lange muss ich mir etwas einreden, bis ich es wirklich glaube? Sie müssen sich gar nichts einreden. Die Merksätze helfen lediglich, sich an die Dinge zu erinnern, die wichtig sind oder einen persönlichen Wert haben.

Kann ich mehrere Affirmationen gleichzeitig anwenden? Grundsätzlich ja. Hauptsache, der Geist wird beruhigt und das Sich-Sorgen schwächt sich ab. Meistens sind es aber ähnliche Gedanken, die einem immer wieder in den Kopf schiessen und für Stress sorgen.

Auf welche Art kann ich die guten Gedanken manifestieren? Muss ich mich wirklich zum Beispiel jeden Morgen hinstellen und zu mir sagen "Du bist toll, so wie du bist"? Rituale helfen dabei, dass man sich seiner eigenen Ziele oder Werte bewusst bleibt. Etwa, indem man sich regelmässig sagt: "Ich darf bestimmen, wen oder was ich toll finde." Ansonsten funktioniert es sehr gut, wenn man die Sätze in einer aktuellen Stresssituation anwendet.

Muss ich die Sätze laut sagen? Das kann ziemlich schräg rüberkommen. Laut vor sich hin zu sprechen, kann wie ein Selbstgespräch wirken und das ist sozial nicht besonders akzeptiert – da haben Sie recht. Laute Befehle an sich selbst können ausserdem Stress fördern. Wenn Sie die Affirmation gelassen und in einem ruhigen Ton gedanklich formulieren, wirkt das entspannend.

Und wenn jemand eine echte Lebenskrise hat? Vermutlich können Affirmationen wohl keine Psychotherapie ersetzen. Das nicht, aber Selbsthilfe kann ein wichtiger Teil sein. Sich professionelle Hilfe zu holen und sich zeitgleich selbst zu helfen schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil: Bei einer guten Therapie ist es zentral, dass die eigenen Ressourcen der Patientinnen und Patienten aktiviert werden.

5 Ideen für Affirmationen
  • Für mehr Selbstsicherheit: "Sich schwach zeigen zu dürfen, ist ein Zeichen von Selbstakzeptanz."
  • Für weniger Grübeln: "Grübeln ist okay, ich sollte meine Bedenken jedoch zwischendurch in die Ferien schicken."
  • Im Streit: "Streiten ist nicht schlimm. Aber ich habe die Wahl, mich anders zu verhalten."
  • Für weniger Angst: "Sich seiner Angst direkt zu stellen ist stark. Ich betrachte mich von oben und erkenne, das meine Angst nicht immer begründet ist."
  • Im Job: "Alles, was ich beginne, kann ein Erfolg werden."
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