pärchen im bett
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Pärchen, vergesst doch eure Freunde nicht!

von Marie Hettich

13 DEZEMBER 2017

Life

Redaktorin Marie Hettich hat sich vorgenommen, ein Leben lang viel Zeit mit ihren Freundinnen zu verbringen – auch wenn es mit ihrem Freund zuhause noch so kuschlig ist.

Mein absolutes Horror-Szenario: irgendwann in ein paar Jährchen einen Mann, vielleicht zwei, drei Kinder und ein, zwei Hunde zu haben – aber keine Freundinnen mehr. Damit meine ich nicht die Art Freundinnen, die eigentlich, wenn man ehrlich ist, gar keine sind. Oder keine mehr sind. Mir ist es ein Rätsel, dass manche Leute andere als ihre Freunde bezeichnen, obwohl diese Menschen in ihrem Leben, abgesehen von einem jährlichen Kaffee zum sogenannten Update und den herzlichen Glückwünschen zum Geburtstag, effektiv überhaupt keine Rolle spielen.

Ich meine echte Freundinnen, die man wiedersehen will, sobald das letzte Treffen eine Weile zurückliegt. Bei denen man sich nicht anstrengen muss zuzuhören, wenn sie erzählen, weil man sich sowieso für sie interessiert. Bei denen man mitfiebert, wenn sie durch Scheisszeiten gehen, und sich freut, wenn die Scheisszeiten wieder vorbei sind. Und bei denen man spürt, dass es andersrum genauso ist.

Pärchen- ersetzen irgendwann Frauenabende

Ich fürchte mich vor so manchem – vor Terroranschlägen oder Schlangen zum Beispiel. Aber die Freundschaftsangst ist etwas anderes. Sie ist ziemlich real. Man muss nur mal an seine Mutter oder andere Frauen im selben Alter aus seinem Umfeld denken und sich überlegen: Wie oft trifft sie sich eigentlich noch mit anderen Frauen – und zwar ohne Männer im Schlepptau? Oder man schaut sich in der Stadt um, in Shops, Restaurants und Kinosälen: Überall sind Teeniegirls zusammen unterwegs – ab dreissig schwindet die Anzahl von gemeinsam herumschlendernden Freundinnen zusehends.

Stattdessen: Frauen allein, Frauen mit Kindern. Und Paare. Zu zweit, zu viert, zu sechst. Irgendwann ersetzen Pärchen- scheinbar zwangsläufig Frauenabende – ein herber Verlust. Mir passiert es nämlich immer wieder, dass ich nach einem Frauenabend glückselig nachhause schwebe. Ich fühle mich dann stark und das Leben fühlt sich leicht an. Ich fühle mich mit einem grossen Ganzen verbunden – ein Gefühl, das mir kein Mann und kein Pärchenabend geben kann.

Die Beziehung als Komfortzone

Blöderweise habe ich aber trotzdem eine Erklärung für all das – und das schon jetzt, mit 29, obwohl ich noch nicht einmal Kinder und somit verhältnismässig lächerlich wenige Verpflichtungen habe: Auch ich erwische mich immer öfter dabei, mich nach der Arbeit lieber mit einer Zeitschrift oder meinem Freund aufs Bett zu werfen, anstatt nochmal vor die Tür zu gehen. Mich strengt das Leben mehr an als früher. Ich brauche mehr Pausen, öfter Abende, an denen gar nichts Spannendes passiert, an denen ich nicht reden und nicht zuhören muss. Das Zuhause und die Beziehung werden zur Komfortzone – und es braucht immer mehr Überwindung, aus dieser Komfortzone auszubrechen. Einen Horrortag im Büro gehabt? Draussen regnets? Mein Freund kocht? Hach, komm, ich bleib daheim.

Wenn man erwachsen ist, sind Freundschaften ein bisschen wie Sport. Auch da müssen die meisten erst mal ihren Schweinehund besiegen, bis sie ihre Turnschuhe angezogen oder die Yogamatte ausgerollt haben. Aber – und darum gehts: Hinterher bereut man es nie.

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