Oekoglitzer
Getty Images

Hört auf, euch mit Plastik zu beglitzern!

von Gloria Karthan

12 APRIL 2019

Life

In der Festivalsaison kleistern viele ihre Gesichter mit Mikroplastik zu. Redaktorin Gloria nervts.

Diese Woche startet mit dem zwanzigsten Coachella die Festival-Saison und damit die Glitzermania auf Po, Ausschnitt und Haaransatz.

Viele lassen sich dabei vom Sparkle blenden: Dass das meistverwendete Trägermaterial der Glitzerpartikel PET ist, scheint die Partycrowd kaum zu stören. "Glitter sollte generell verboten werden, weil es Mikroplastik ist und Mikroplastik immer in die Umwelt gelangt", sagt Dr. Trisia Farrelly, Umweltanthropologin an der Massey University zu "The Independent".

Farrelly mag wie eine Spielverderberin klingen, doch sie hat recht. In gewissen Teilen der Ozeane schwimmt momentan mehr Mikroplastik als Plankton. Seit vor ein paar Jahren ein Video viral ging, in dem einer Schildkröte ein Röhrli aus der Nase gezogen wird, haben wir Trinkhalmen den Kampf angesagt. Feindbild Nummer zwei sind Plastiksäckli, denn auch das Video, das ein Taucher von einem Müllteppich vor der Küste von Bali gemacht hat, wurde fleissig geteilt.

Auf denselben Sozialen Medien sharen wir aber auch unsere Bilder vom letzten Outdoor-Rave oder Openair – Glitzerbäckli inklusive. Viele der winzigen Plastikpartikel landen während der Party auf dem Boden – bis sie dort verrotten, dauerts hunderte von Jahren.

Was daheim noch an Gesicht und Körper klebt, wird unter der Dusche gedankenlos runtergespült. Viele moderne Kläranlagen filtern zwar bis zu 98 Prozent der Teilchen raus, aber ein Teil davon gelangt trotzdem ins Abwasser. In der Schweiz wird der Klärschlamm verbrannt, in anderen Ländern, etwa Deutschland, wird er unter anderem als Dünger benutzt – Mikroplastik inklusive.

Und es kommt leider noch übler: In manchen Glitzerprodukten, aber teilweise auch in schimmerndem Make-up, befindet sich sogenanntes Mica, natürlicher Glimmer. Zur Gewinnung schuften in den indischen Bundesstaaten Jharkhand und Bihar teilweise schon 4-jährige Kinder im Tagebau. Laut Schätzungen von Terre des Hommes arbeiten rund 20'000 Kinder in illegalen Glimmer-Minen.

Es wird also höchste Zeit für einen reflektierten Umgang mit Glitzer. Denn nachhaltige Alternativen aus Zellulose, die biologisch abbaubar sind, gibt es mehr als genug. Und ja, Ökoglitzer sparkelt genau gleich wie sein Plastik-Pendant. Zusätzliches Plus: Der plastikfreie Glitzer fühlt sich im Gegensatz zu herkömmlichem viel natürlicher und weicher auf der Haut an. Ausserdem eignet er sich super, um mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen: "Willsch au chli Glitzer? Ist imfall aus Eucalyptus."

Biologisch abbaubarer Glitzer:
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