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Schweizer boykottieren reine Männerrunden

von Gloria Karthan

16 JUNI 2020

Life

Unter dem Hashtag #NoAllMalePanels verpflichten sich Schweizer Politiker, Journalisten und Experten, dass sie an männlich dominierten Podien nicht mehr auftreten.

Auf den Bühnen vieler Podien und Konferenzen klafft eine riesige Lücke zwischen den Geschlechtern, wie eine Studie der Open Society Foundations zeigt. Männer halten aktuell drei von vier Vorträgen und bei Themen wie Wirtschaft, Klimapolitik oder Kriminalität kommen Frauen fast gar nie zu Wort.

Auch in der Schweiz tun sich Organisatorinnen und Organisatoren immer wieder mal schwer, eine Balance zwischen Rednerinnen und Rednern herzustellen. Sei es am World Economic Forum in Davos, welches in den vergangenen Jahren eine lächerliche Frauenquote von 24 Prozent aufwies oder an lokalen Podien, etwa vor den Nationalratswahlen, wo an mehreren Veranstaltungen in der Schweiz nur Dudes miteinander diskutierten. Das Problem an solchen Männerrunden: Sie verstärken Gender-Vorurteile in unserer Gesellschaft und festigen veraltete Rollenbilder in unseren Köpfen – bewusst und unbewusst.

Privilegien für mehr Gleichstellung nutzen

Um dem entgegenzuwirken, hat der Juso-Politiker Sandro Covo die sogenannte #NoAllMalePanels-Challenge lanciert. Dabei verpflichten sich Männer, ab sofort nicht mehr an Podien teilzunehmen, auf denen keine einzige Frau vertreten ist. "Wir sind uns bewusst, dass das nur ein Teil der Lösung ist. Ein kleiner Schritt, in dem wir unsere Privilegien nutzen, um für ein bisschen mehr Gleichstellung einzustehen", schreibt Covo auf der Homepage, auf der sich bereits Dutzende Männer eingetragen haben: Politiker wie SP-Nationalrat Cédric Wermuth, Journalisten wie "Republik"-Mitgründer Richard Höchner und Experten wie Medienforscher Manuel Puppis.

Weitere Männer, etwa "Arena"-Moderator Sandro Brotz, posten aber bereits auf Twitter, dass sie die Challenge ebenfalls annehmen.

Politologe Claude Longchamp schreibt, er habe schon länger nicht mehr an einer reinen Männerrunde teilgenommen und werde das auch in Zukunft so handhaben. "Denn das ist ganz normal", twittert er.

Wermuth machts schon lange so

Cédric Wermuth hat übrigens bereits 2017 öffentlich gemacht, dass er nicht mehr an All-Male-Podien teilnehmen möchte. "Sprache und Bilder prägen unsere Vorstellungen von Gesellschaft und Zusammenleben. Und wenn Politik von Männern gemacht wird, bleibt das Bild einer Gesellschaft, in der Männer das Sagen haben, der Normalfall in unseren Köpfen", schrieb er damals auf seinem Blog. Diese selbstverstärkende Spirale zu durchbrechen sei eine gemeinsame Aufgabe, so der SP-Politiker.

Der Comedian Renato Kaiser hat die Challenge an seinen Job angepasst. Er sei nur selten an Podien eingeladen, aber werde ab sofort nicht mehr auf Comedy Shows auf die Bühne, an denen keine weiblichen Kolleginnen auftreten. Der St. Galler nominiert in seinem Post andere Comedians wie Michael Elsener, Rafi Hazera (Zukkihund), Stefan Büsser und Marco Rima und schreibt dazu: "weniger Schnäbi-Paraden". Word.

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