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Delia Baum

Bunte Särge sollen den Tod enttabuisieren

von Gloria Karthan

10 APRIL 2019

Life

Für die Initiative "Mypersonalcoffin" haben deutsche Celebs Särge in Pop-Art-Optik entwerfen lassen. Auch andere Projekte wollen den Dialog übers Sterben fördern.

"Wir reden ständig über Deadlines, aber nie über unsere eigene", ist auf dem Insta-Account @mypersonalcoffin zu lesen. Im Feed sind poppige Bilder von bunt gestalteten Särgen zu sehen.

Auf den Kunstwerken aus Holz sitzen unter anderem Autorin Ronja von Rönne, Star-Tätowierer und ehemaliger Polizist Philipp Eid und Spass-Rapper MC Fitti. Im Rahmen einer Initiative des Bundesverbands Deutscher Bestatter und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks haben verschiedene Künstler für sie personalisierte Särge entworfen, die vom 13. bis 23. April auf Ebay versteigert werden. Der Erlös geht an eine Organisation, die Menschen letzte Wünsche erfüllt.

"Wer aufgibt, darf ausschlafen", "Grüss Gott" und "YOLO" steht da zum Beispiel in bunten Lettern. Jetzt soll also auch noch der Tod instagrammable werden. Ist das nicht total makaber?

Sicher – aus der Sicht, die die meisten von uns auf den Tod haben. Ziel der Initiative ist aber ein offenerer Umgang mit dem Sterben und eine bewusstere Abschiedskultur. Schliesslich inszenieren wir uns tagtäglich auf Social Media – wieso soll etwas so Alltägliches wie der Tod da keinen Platz finden?

#deathpositive-Bewegung wächst

Vor allem in den USA erlebt das an den Sexpositivismus-Begriff angelehnte "death positive"-Movement seit einiger Zeit regen Zulauf. Die Bewegung kämpft gegen die Stigmatisierung von allem, was mit dem Tod zusammenhängt, will den Dialog übers Sterben fördern und versucht so, den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen. "Wir glauben, dass wir unserer Gesellschaft mehr schaden als nützen, wenn wir den Tod verstecken und hinter verschlossenen Türen sterben", schreiben die Anhänger der Bewegung auf ihrer Internetseite.

Die Initiative "Mypersonalcoffin" will, dass über den Tod gesprochen wird. Diesen Anspruch erfüllt das digitale Bestattungsunternehmen Mymoria, bei dem sich Beerdigungen online organisieren lassen, mit seinem neuen Projekt bereits: In der Online-Videoserie "Das kleine Sarggespräch" reden Prominente vor der Kamera über den Tod. In der ersten Folge ist Model Fiona Erdmann zu Gast, die innert kurzer Zeit sowohl ihre Mutter als auch ihren Mann verloren hat. "Mit der Reihe möchten wir zeigen, wie normal man über das Tabuthema sprechen kann", sagt Björn Wolff, einer der Gründer und Geschäftsführer von Mymoria.

Beim Kafi übers Sterben reden

Auch im sogenannten "Death Cafe" ist Sterben das Hauptthema. Bei Kaffee und Kuchen sprechen Interessierte über Tod, Abschied und Erinnerung. Das Konzept wurde von einem Schweizer erfunden: 2004 veranstaltete der Walliser Soziologe Bernard Crettaz unter dem Namen Café Mortel in Neuchâtel den ersten Event in dieser Art. Mittlerweile hat sich die Idee auf der ganzen Welt verbreitet und es haben über 6000 Veranstaltungen unter dem Label "Death Cafe" oder "Café Totentanz" stattgefunden.

Ein Nebeneffekt solcher Projekte ist, dass sich der Radius, in welchem offen über den Tod gesprochen wird, mit der Zeit automatisch erweitert. Etwa, indem die Teilnehmer Freunden und Familie vom Besuch im Death Café erzählen, offener über den Tod sprechen und ihre Erfahrungen nach und nach mit dem eigenen Umfeld teilen. Es muss ja nicht von jetzt auf gleich die ganze Insta-Gefolgschaft sein.

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