Stocksy txp994b89b5 Y Md200 Small 2835874
Stocksy

Mütter werden seltener zu Jobinterviews eingeladen

von Gloria Karthan

4 MÄRZ 2020

Job & Budget

Laut einer deutschen Studie werden Frauen, die Kinder haben, seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Bei Vätern ist das nicht der Fall.

Frauen mit Kids werden im Bewerbungsprozess systematisch benachteiligt. Das zeigt eine neue Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Um zu einem Jobinterview eingeladen zu werden, mussten die weibliche Bewerberinnen sich auf ein Drittel mehr Jobs bewerben. Und das, während Väter in der Studie genauso oft zu Bewerbungsgesprächen eingeladen wurden wie kinderlose Männer.

Für ihre Untersuchung versandte die Studienautorin Prof. Lena Hipp rund 800 Bewerbungen fiktiver Personen. Die Namen der Anwärter und Anwärterinnen wählte sie zufällig aus den Top 20 deutscher Vornamen. Bei den Jobs handelte es sich um echte Ausschreibungen im Marketing- und Eventbereich in München und Hamburg. In dieser Branche arbeiten in Deutschland etwa gleich viele Frauen wie Männer.

Kinderlos gleich produktiv

Die CVs der Bewerberinnen und Bewerber waren praktisch identisch. Die einen gaben im Lebenslauf an, ein dreijähriges Kind zu haben. In den anderen CVs stand, dass die Person kinderlos sei. Alle gaben an, verheiratet zu sein. Laut Studie sind solche Angaben in Deutschland üblich.

Die Studie thematisiert auch, aus welchem Grund Mütter bei der Jobsuche eher diskriminiert werden. Oft werde davon ausgegangen, dass kinderlose Frauen produktiver seien als Mütter – etwa weil sie länger arbeiten könnten und keine Family hätten, die sie von der Arbeit ablenkt. Vaterschaft hingegen werde eher mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verknüpft, schliesslich müsse der Mann seine Familie versorgen.

Neue Gesetze könnten helfen

"Die Resultate weisen auf eine schwerwiegende und langfristige Benachteiligung von Müttern im deutschen Arbeitsmarkt hin", schreibt Lena Hipp im Schlusswort der Studie. Darum fordert die Sozialwissenschaftlerin neue Gesetze für mehr Gleichberechtigung im Bewerbungsprozess.

Indem es beispielsweise verboten wäre, private Infos wie Ehestand, Kinder oder Religion im Lebenslauf anzugeben, könnte laut Lena Hipp der Diskriminierung entgegengewirkt werden – zumindest im ersten Schritt des Rekrutierungsprozesses. Denn, so schreibt die Autorin: "Die Einladung zum Vorstellungsgespräch ist nur die erste Hürde, die eine junge Mutter im Bewerbungsprozess meistern muss."

Derzeit können Bewerberinnen frei entscheiden, ob sie ihr Mami-Sein im CV oder beim Bewerbungsgespräch erwähnen – sowohl in Deutschland, als auch in der Schweiz.

Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend