menaretrash
Unsplash

#MenAreTrash ist eine Schande für den Feminismus

von Marie Hettich

20 AUGUST 2018

Life

Kein Hashtag wird derzeit so heiss diskutiert wie #MenAreTrash. Redaktorin Marie Hettich findet ihn unmöglich.

Stell dir mal vor, du sagst zu deinem Freund: "Du dummes Stück Scheisse, kannst du endlich mal die Spülmaschine ausräumen!?" Wird er sich nach diesem Satz an die Arbeit machen? Natürlich nicht. Er wird zutiefst gekränkt sein. Er wird wissen wollen, was um Himmels willen dir einfällt, ihn ein dummes Stück Scheisse zu nennen. Vielleicht wird er irgendwann aus dem Haus stürmen. Die Spülmaschine? Bei all dem Drama längst vergessen.

Nun ist mir selbstverständlich bewusst, dass man den Feminismus nicht mit einer Spülmaschine vergleichen kann. Trotzdem: Wer von jemandem etwas will, muss einigermassen freundlich bleiben. Egal, um was es geht, egal, wen man erreichen will. Gewaltfrei kommunizieren, wie es so schön heisst. Sonst macht der andere zu und man hat sofort verloren.

Leider haben das alle Feministinnen vergessen, die aktuell den Hashtag #MenAreTrash (auf Deutsch: Männer sind Müll) in die Tasten hauen. Zum ersten Mal aufgepoppt ist er letztes Jahr, als in Südafrika eine 22-jährige von ihrem Freund umgebracht wurde. Nun hat ihn die deutsche Journalistin Sibel Schick wieder ausgegraben –  zumindest indirekt. Seitdem wird #MenAreTrash auf Twitter, aber auch in der "Tageswoche", der "Welt" oder auf "Watson" hoch- und runterdiskutiert.

Ich frage mich: Wie kann man so schamlos in die Rhetorik-Kiste der AFD und Trump greifen und sich dann allen Ernstes darüber wundern, dass kaum ein Mensch dem eigentlichen, wichtigen Anliegen Gehör schenkt – Lohnungleichheit, sexuelle Belästigung oder Gewalt gegen Frauen zum Beispiel? Was ist die Idee des Hashtags? Reine Provokation? Steckt Frust dahinter, weil der Feminismus so langsam vorankommt? Oder tatsächlich ein Hass auf Männer – und zwar auf alle?

Selbst wenn die ein oder andere Hashtag-Verwenderin nur mit dem Klischee der männerhassenden Feministin kokettieren wollte: dumme Idee! Dafür sind wir noch längst nicht weit genug. Wie oft ich in meinem Leben schon erklären musste, dass die allerallermeisten Feministinnen natürlich KEINE Männerhasserinnen sind. Der Hashtag bekräftigt ein Vorurteil, das von all den Inhalten ablenkt, um die es dem Feminismus eigentlich geht.

Männer als Verbündete

Mein Vorschlag: Jetzt lassen wir die Sache mit den Hashtags mal sein und investieren all unsere Energie in unser echtes Leben. Denn dort, und da bin ich fest davon überzeugt, haben Frauen – auch Feministinnen – nämlich noch ganz viel zu üben.

Ein paar Beispiele: "Darf ich bitte ausreden?" sagen, sobald wir wieder mal von einem Mann unterbrochen werden. Reagieren, wenn uns ein dummer Spruch hinterhergerufen wird – nicht auf den Boden schauen und weiterlaufen. Es melden, wenn uns im Club ein Typ an den Arsch fasst. Eine Gehaltserhöhung verlangen. Die eigene Idee auch wirklich als die eigene Idee verkaufen – bestenfalls ohne die Worte "eigentlich" und "vielleicht". Beim Sex jederzeit Stopp sagen. Den Grossputz beim nächsten anstehenden Besuch einfach mal sein lassen.

Ausserdem bin ich dafür, dass wir all die tollen, intelligenten, empathischen Männer in unserem Umfeld zu unseren Verbündeten machen. Von denen gibt es nämlich genug.

Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend