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Courtesy of Arte

Darum ist "Love Rituals" mit Charlotte Roche so sehenswert

von Marie Hettich

5 SEPTEMBER 2019

Life

In einer neuen Doku-Reihe besucht Charlotte Roche sechs verschiedene Orte auf der ganzen Welt – und spricht mit den Einheimischen über Sex und Beziehungen.

Charlotte Roche ist zurzeit wirklich über-überall: Auf Spotify, wo sie sich für den Podcast "Paardiologie" wöchentlich mit ihrem Mann über Affären, misslungene Yoni-Massagen und gefloppte Ferien in Österreich austauscht. Dann vergangenes Wochenende auf Prosieben, beim "Duell um die Welt", wo sie sich fette Titan-Haken in ihren Rücken piercen liess (kein Scherz) und daran befestigt von einer Brücke in Russland sprang (auch kein Scherz).

Auf Arte gibts nun noch mehr Charlotte: Für die sechsteilige Doku-Reihe "Love Rituals" reist die 41-Jährige in verschiedene Länder und spricht mit Einheimischen über Beziehungen und Sex. Wer jetzt vermutet, man könne ihr auch beim Ausprobieren wilder Praktiken zuschauen, wird enttäuscht: "Love Rituals" ist ziemlich unspektakulär – im besten Sinne.

Frau Roche beweist mit der Serie nämlich, dass sie nicht nur ausgesprochen mitteilungsbedürftig ("Paardiologie") und ziemlich bekloppt ("Duell um die Welt") veranlagt, sondern eben auch eine richtig gute Journalistin ist. Heisst: Sie ist taktvoll, stellt interessante Fragen, sie hakt nach – und hält sich ansonsten ziemlich zurück.

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Courtesy of Arte

Ein Highlight aus der "Israel"-Folge: das Gespräch mit einem Youtuber aus Tel Aviv.

Ihr dabei zuzuschauen, wie sie mit ihrem freundlichen Strahlen über die traditionelle Penis-Parade in Japan tigert oder in Israel einen ultraorthodoxen Youtuber fragt, wie er sich eine gute Liebesbeziehung vorstellt, ist höchst interessant – und wunderbar entschleunigend.

An ein paar Stellen wirds dann aber doch very Charlotte: Zum Beispiel, wenn sie "zum Glück!" ruft, als ihr ein Mann erklärt, japanische Frauen seien viel weniger unterwürfig als ihr Ruf. Oder wenn sie sich mit ihrem Handy im Hotelzimmerspiegel filmt, um ihren traditionellen Pyjama zu zeigen, und dabei gleichzeitig ihren Hang zur Unordnung entlarvt – über den wir dank "Paardiologie" ja schon längst Bescheid wissen.

Alle sechs Folgen von "Love Rituals" könnt ihr bis Ende November in der Arte-Mediathek schauen.

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