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8 Tipps, die Frauen in Lohnverhandlungen beachten sollten

von Gina Buhl

7 MÄRZ 2019

Job & Budget

Eine Lohnverhandlung steht an, aber ihr habt keine Ahnung, wie ihr die Chefs überzeugen sollt? Wir haben Expertinnen nach Lohnerhöhungs-Tipps gefragt.

Wer schon mal kurz vor einem Bewerbungsgespräch oder einer Lohnverhandlung stand, kennt folgende Gedanken vielleicht: "Wenn ich so hoch einsteige wie meine Vorgängerin, kriege ich den Job wahrscheinlich erst gar nicht." Oder: "Wenn ich sage, dass ich mehr Gehalt möchte, weil ich eine superwertvolle Mitarbeiterin bin, klingt das unsympathisch."

19.6 Prozent weniger Lohn für Frauen

Tatsächlich fällt das Fordern nach mehr Lohn besonders uns Frauen richtig schwer – was fatal ist. Denn laut den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik haben wir Frauen 2016 für die gleiche Arbeit durchschnittlich 19.6 Prozent weniger verdient als Männer – teilweise aus objektiv erklärbaren Gründen wie Berufserfahrung oder Tätigkeitsbereich, teilweise aber mit objektiv unerklärlichen Ursachen.

Obwohl das Gleichstellungsgesetz besagt, dass gleiche und gleichwertige Arbeit für beide Geschlechter gleich entlöhnt werden muss, sind wir davon noch weit entfernt. Höchste Zeit also, dass wir Frauen uns für einen angemessenen Lohn einsetzen.

Warum fällt es uns aber so schwer eine Lohnerhöhung zu fordern? "Das hat unter anderem mit stereotypen Bildern zu tun", erklärt Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung in Zürich. Männer seien in vielen Köpfen als "Ernährer" abgespeichert, Frauen als "Zuverdienerin". Weil auch Frauen sich an diese Zuschreibungen gewöhnt haben, sind sie in Lohnverhandlungen oft weniger konsequent.

Dazu kommt die Angst vor Abweisung vom Chef: "Tatsächlich führen unterschiedliche Rollenerwartungen an Männer und Frauen dazu, dass gleiches Verhalten in einem Lohnverhandlungsgespräch unterschiedlich wahrgenommen wird", so die Expertin weiter. Heisst: Frauen, die direkt kommunizieren werden als aggressiv wahrgenommen. Männer gelten als durchsetzungsfähig.

Davon sollten wir uns aber auf keinen Fall verunsichern lassen. Gerade hier gilt: Dran bleiben, um diese Strukturen zu ändern. Auch Sibyl Schädeli, die als Beraterin und Dozentin in Bern Lohnverhandlungs-Kurse für Frauen anbietet, ist sich sicher, dass Frauen vor allem mit Verhaltensänderungen zum Erfolg kommen.

Die beiden Expertinnen schlagen also folgende Tipps für die Lohnverhandlung vor:

  • Lege deine bescheidenen Glaubenssätze ab
    Versuche dich schon vor und während des Gesprächs immer wieder an folgende Sätze zu erinnern: Ich und meine Leistung sind es wert, sehr gut entlöhnt zu werden. Ich darf Forderungen stellen. Eine Arbeit kann gleichzeitig interessant und gut bezahlt sein. Ich kann jederzeit nein sagen. Ich nehme nie das erste Angebot an.
  • Besorge dir, was du kriegen kannst
    Bring die Löhne in deiner Branche und auf deiner Hierarchiestufe in Erfahrung. Recherchier im Internet, sprich mit Kolleginnen und Kollegen und frag vielleicht sogar die Vorgängerin deiner Stelle.
  • Orientiere dich an den Männern
    Mit dem individuellen Lohnrechner "Salarium" können die Medianlöhne mit Faktoren wie Ausbildung und Arbeitserfahrung ermittelt werden. Wichtig: Denke nicht, dass du dich, weil du eine Frau bist, am Medianlohn der Frauen orientieren musst. Immer bei den Löhnen der Männer schauen.
  • Lege zwei Lohnzahlen fest
    Die untere entspricht einem für dich und den Vergleichszahlen entsprechend wirklich guten Lohn. Die obere ist dein Traumlohn, der deine Vorstellungen übersteigt.
  • Presche nicht als Erste voran
    Nenne in der Verhandlung nicht als erste eine Zahl, sondern frage zurück: „Was würden Sie denn anbieten?“
  • Wenn das nicht möglich ist...
    Gib zuerst nur die obere Zahl an und keine Spanne – sonst erhältst du nämlich einen Lohn am unteren Ende deiner Spanne.
  • Sei kein offenes Lohn-Buch
    Gib keine Auskünfte über deine bisherigen Löhne. Die haben mit deiner neuen Anstellung nichts zu tun.
  • Übe das Gespräch
    Auch wenn du dich dabei dämlich fühlst: Geh deine Argumente und Forderungen vor dem Spiegel, mit einer Kollegin, einer Mentorin oder einem Mentor durch. Du wirst dich im Gespräch sicherer fühlen, wenn du deine Vorschläge schon mal laut ausgesprochen hast.
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