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Wir haben mit fabulous Lizzo telefoniert!

von Melanie Biedermann

19 APRIL 2019

Entertainment

Lizzo kämpfte sich vom Geheimtipp zur Self-Love-Ikone der Popwelt. Zum Release ihres neuen Albums haben wir mit ihr ein Telefon-Date arrangiert.

2019 ist ihr Jahr. In den vergangenen Monaten graste Lizzo quasi alles ab, wo Popkultur spriesst: Sie sass bei RuPauls Drag Race im Jury-Sessel, spielte live bei Ellen Degeneres und füllte als modernes Sexsymbol die Seiten des Playboy. Das Bild der nackten, schwer übergewichtigen, dunkelhäutigen Frau aus Texas bannte die Welt: Das Lizzo-Fieber brach aus. Ihr Album “Cuz I Love You”, das heute erscheint, kündigte sie im Februar über Social Media an.

Lizzo, die fabelhafte Querflöten-Queen

Es war ein langer Weg dahin. Melissa Viviane Jefferson, die so fabelhaft Querflöte spielt wie sie rappt, gründete mit 14 ihre erste Band. 2013 veröffentlichte sie als Lizzo erstmals solo Musik, ein Jahr später arbeitete sie bereits mit Prince; die Kritiker sind seit jeher begeistert. Als wir mit ihr telefonieren, wird schnell klar, warum inzwischen die breite Masse der 30-Jährigen zujubelt: hinter der Homegirl-Fassade steckt viel Lebensweisheit.

Lizzo, “Cuz I Love You” ist nicht dein erstes Album. Was hat sich bei dir seit deinem ersten Mixtape vor fünf Jahren getan? Ich fühle mich in meiner Identität gefestigt. Auf “Lizzobangers” war ich eine wütende Rapperin, mit “Big Grrrl Small World” versuchte ich jemand zu sein, der ich nicht bin, und “Coconut Oil” half mir zu verstehen, wozu ich fähig bin. Auf “Cuz I Love You” bin ich furchtlos.

Inwiefern? Mein Rap ist schärfer, mein Gesang hat mehr Gefühl. Ich brauche weniger Worte, um meinen Standpunkt klar zu machen. Und ich habe mehr Spass.

Du nennst dich Aktivistin. Doch Aktivismus mit Spass zu verbinden, ist noch immer ein Drahtseilakt. Ich preache ja nichts. Warum sollte ich auch? Ich habe doch selber keine Ahnung, was richtig oder falsch ist. In meinen Songs erzähle ich aus meinem Leben, so wie ich auch meinen Homegirls davon erzähle würde. Ich versuche einfach, meine Fehler nicht zu wiederholen. Mehr kann ich nicht tun.

Du teilst deine Geschichten aber nicht nur mit deinen Homegirls, sondern mit der Welt. Und die Welt urteilt. Oh Jesus, ich weiss! Ich musste mich gerade heute wieder mit einem Twitter-Troll herumschlagen, der mich als Beispiel für den Zerfall der Musikindustrie heranziehen wollte. Ich höre gern Kritik und lerne daraus. Aber wer einfach nur abgefuckt hasserfüllt und bösartig ist, soll sich verpissen.

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Wow, okay! Lizzo vergangenes Wochenende am Coachella mit Janelle Monáe

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Fabulous Lizzo an den GLAAD-Awards Ende März.

Für sich einzustehen, fordert Mut und Selbstvertrauen. Du sagst, man muss die Worte “Cuz I Love You” zu seinem eigenen Spiegelbild sagen können, um dahin zu kommen. Nichts ist wichtiger, ja.

Hat dir irgendetwas oder irgendjemand dabei geholfen? Nein, und das ist doch genau der Punkt: Wer Selbstliebe und Body Positivity aufrichtig leben will, muss seinen eigenen Weg dahin finden. Es gibt keine fette Fairy Godmother, die an deiner Stelle durch die Scheisse geht. Du musst da selber durch.

Was macht es mit dir, dass du ständig über dein Aussehen sprechen musst? Das ist absolut in Ordnung, ich sehe schliesslich grossartig aus. Ha!

Hast du beim Playboy-Angebot gezögert? Machst du Witze? Bei all den dicken, schwarzen Girls, die sich unsichtbar und unsexy fühlen? Ohne Aussicht, dass sich das je ändert? Playboy gab mir die Möglichkeit, ein Sex-Symbol zu sein.

Gibt es jemanden, der für dich ein Vorbild ist? Je länger ich in der Branche bin, desto bewusster wird mir, dass wir alle nur Menschen sind. Und wer komplett zu jemandem aufschaut, beraubt ihn seiner Menschlichkeit. Also schaue ich zu niemandem hoch. Es gibt aber Leute, die ich für ihre Arbeitsmoral oder Kreativität respektiere. Beyoncé zum Beispiel oder Missy Elliott. Ihr Vorbild hat mir geholfen, mein eigenes Album zu produzieren und zu sehen, dass keiner dieser Motherfuckers mich übergehen kann, nur weil ich ich dunkelhäutig, dick oder eine Frau bin.

“Cuz I Love You”, Lizzos Debütalbum für Atlantic Records, erscheint am 19. April. Am 11. Juli spielt sie neben Janelle Monáe am Montreux Jazz Festival. Wer Lizzos Hit "Juice" noch nicht kennt, bitte schauen und tanzen:

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