Vanessa Animation
Collage: Sofie Erhardt

"Lieber habe ich Durst, als dass ich mir Wasser kaufe"

von Luise Philine Pomykaj

2 NOVEMBER 2018

Job & Budget

In "Cashflow" veröffentlichen wir jeden Freitag ein Geld-Tagebuch einer Leserin oder eines Lesers. Heute von Vanessa aus Zürich (Name geändert).

Vanessa, 23, Serviceangestellte, 60% und Nanny, 10 %

Gehalt: Fr. 2'541.– (Kellnern) Fr. 450.– (Babysitten)

Miete: Fr. 870.– (11-Personen-WG)

Krankenkasse: Fr. 180.–

Handyvertrag: Fr. 20.–

ÖV-GA: Fr. 121.– (1'200.– jährlich übernimmt zusätzlich meine Arbeitgeberin)

Bibliothek: Fr. 1.60 (rund Fr. 20.– pro Jahr)

Monatliches Sparen: Fr. 1'300.– (für Träume, grössere Rechnungen, Steuern etc.)

Totale Ausgaben: Fr. 2'492.60

Zur Verfügung: Fr. 498.40

Freitag

7.36 Uhr: Phuuu, gerade noch meinen Zug erwischt! Der frische Morgenwind auf der kurzen Fahrradstrecke zum HB hat mich bereits wach gemacht. Nun heissts arbeiten bis 19 Uhr – ein langer Tag mit einer kurzen Pause am Mittag. Dafür habe ich mir meine zwei letzten Gläser Apfelmus, das ich selbst eingekocht habe, mitgenommen. Das esse ich nun und trinke anschliessend einen aufgeschäumten Mandeldrink, den es in unserem Café gibt. Nach der Arbeit – es gab 40 Franken Trinkgeld – fahre ich mit dem Bus direkt zu meiner älteren Schwester, um ihre beiden Kids zu hüten. Als ich merke, dass ich langsam Hunger kriege, bediene ich mich an ihrem Kühlschrank. Es gibt Teigwaren.

Ausgaben heute: Fr. 0.–

Einnahmen heute: Fr. 40.–

Samstag

Um 8 Uhr beginnt mein Arbeitstag und ich trinke, bevor es losgeht, wie immer einen Liter Hahnenwasser. Heute arbeite ich ausnahmsweise nur bis 14 Uhr und habe in dieser Zeit 12 Franken Trinkgeld gemacht. Ich gehe noch kurz im Biomarkt vorbei, um mir eine Pflanzenmilch zum halben Preis (Packung ist leicht zerdrückt) zu kaufen – Fr. 1.50 bezahle ich dafür. Danach geht es direkt zurück zur Schwester. Wir feiern den ersten Geburtstag ihres Kindes. Bei ihr werde ich verpflegt: mit Kürbissuppe, Brot und Kuchen. In unserer Familie verzichten wir auf materielle Geburtstagsgeschenke, somit hatte ich auch hier keine Ausgaben. Am Abend treffe ich mich vor dem Ausgang auf einen Drink, der mich inklusive Trinkgeld Fr. 7.– kostet. Weil der DJ ein Freund von uns ist, kriegen wir den Stempel umsonst. Auf dem Nachhauseweg komme ich noch an einem Gemischtwarenhändler vorbei, der einige überreife Früchte umsonst vor sein Geschäft stellt. Ich nehme mir einige Bananen aus der Kiste mit.

Ausgaben: Fr. 8.50

Einnahmen: Fr. 12.–

Sonntag

Da ich heute erst ab Mittag arbeite, gehe ich davor containern, um mir meinen Kühlschrank wieder mal zu füllen. Ich werde fündig: Drei Kilo Peperoni, ein Kilo Zitronen, zwei Gurken und jede Menge Brötchen. Die Brötchen bringe ich zum "Fair-Teiler" in Zürich, weil ich sie selbst nicht esse. Den Rest bringe ich kurz nach Hause, schnappe mir hier was zu essen und nehme danach den Zug zur Arbeit. Ich besitze ein GA, welches ich jährlich zahle. Nach Feierabend fahre ich, mit 15 Franken Trinkgeld in der Tasche, nach Hause, um mir aus dem Gemüse und den Kartoffeln, die ich von einer früheren Rettungsaktion noch Zuhause habe, was Leckeres zu kochen. Den restlichen Abend verbringe ich entspannt mit Lesen, Musik und Tee.

Ausgaben: Fr. 0.–

Einnahmen: Fr. 15.–

Montag

Um 11 Uhr beginnt meine Schicht im Café, bis dahin bin ich gern für mich. Da ich genügend Zeit habe, bereite ich mir noch einen Verveine-Tee zu. Es reicht sogar noch, das restliche Gemüse einzukochen – so habe ich schon Abendessen für heute. Auf dem Weg zur Arbeit nehme ich noch den Rest des Tees mit. Ich kaufe mir sowieso nie Wasser, lieber hab ich Durst, bis ich wieder an einem Brunnen bin, als mir ein Wasser zu kaufen. Nach der Arbeit gehts mit einer Freundin an den See. Dort esse ich das Gemüse vom Morgen auf. Um 19 Uhr fahre ich nach Hause, um etwas zu Abend zu essen: Es gibt Kartoffeln mit Senf, beides hatte ich noch da. Am Abend treffe ich mich mit meiner Schwester fürs Kino. Das Ticket kostet mich Fr. 15.–. Ich habe meine Wasserflasche mit, kaufe mir also nichts. Auf dem Nachhauseweg mache ich noch einen kleinen Umweg zum Supermarkt-Container. Und wie immer werde ich fündig: Ich sichere mir wieder Verpflegung für die kommenden Tage: Fünf Kilo Kartoffeln, drei Kilo Bananen, Gurken, Peterli und noch einige Produkte tierischer Herkunft, welche ich meiner Schwester weiterschenke. Auch sie nimmt sich noch einige Bananen mit.

Ausgaben: Fr. 15.–

Einnahmen: Fr. 11.–

Dienstag

Heute starte ich mit Vereveine-Tee in mein Wochenende und geniesse den ruhigen Morgen zu Hause. Kurz vor dem Mittag hantiere ich noch ein wenig in der Küche und mache mich dann mit dem Velo auf den Weg zu einer Freundin. Ich nehme mir einige Bananen zur Verpflegung mit, einen Sack mit leeren Joghurt-Becherli und Flaschen, da ich anschliessend eine Restaurant-Abholung vom Foodsharing habe. Heute gab es tollerweise nur wenig Essen abzuholen! Wäre es viel gewesen, hätte ich nun weiteren Menschen geschrieben, die es dann bei mir abholen hätten können. Nun bringe ich es einfach in meine WG für die Mitbewohner. Am Abend treffe ich mich mit meiner Familie zum Abendessen in einem chinesischen Restaurant. Wir teilen die Rechnung und jeder bezahlt inklusive Trinkgeld Fr. 40.–. Auf dem Weg zum Bahnhof gehen wir heute alle zusammen zum Containern und finden wieder einiges an Obst und Gemüse. Ich nehme das, was meine Family nicht möchte: Zwei Kilogramm Blumenkohl.

Ausgaben: Fr. 40.–

Vanessas Ausgaben im Überblick:
Mittwoch

Ich schlafe aus und gehe danach mit einem Freund einen Kaffee trinken. Ich lade ihn ein und zahle inklusive Trinkgeld Fr. 14.–. Anschliessend fahren wir mit Velo zu mir wir kochen uns was. Wie immer aus dem, was ich noch da habe: Es gibt Backofenkartoffeln und Blumenkohl. Denn Rest packe ich mir ein, weil ich bis spät abends nicht mehr nach Hause komme. Den restlichen Nachmittag verbringen wir in einem Park. Am Abend treffe ich mich mit einer Freundin in einer Bar. Ich zahle auch hier für beide inklusive Trinkgeld Fr. 12.–. Später gehe ich mit ein paar Freunden tanzen. Der Eintritt ist frei und trinken tue ich nichts ausser dem kalten Tee in meiner Flasche.

Ausgaben: Fr. 26.–

Donnerstag

Normalerweise würde ich heute meinem Babysitter-Job nachgehen. Da gerade noch Ferien sind, geniesse ich einen weiteren freien Tag. Ich kann also ausschlafen und mir meinen morgendlichen Tee zubereiten. Danach koche ich in einem grossen Topf Gemüse mit Knoblauch aus unserem WG-Vorrat, so habe ich genügend Essen für den ganzen Tag. Ausserdem steht Wäsche machen, Glas und Alu entsorgen und Karton bündeln auf dem Programm. Nach dem Ausflug zur Glassammelstelle komme ich an meinem Lieblingskaffee vorbei und mache hier einen Halt, um mein Buch fertig zu lesen. Das kostet mich inklusive Trinkgeld Fr. 10.–. Knoblauch-Nachschub besorge ich beim Biomarkt für Fr. 2.–. Am Abend besuche ich ein Konzert und lade meine Begleitung dazu ein. Für beide Tickets bezahle ich Fr. 72.–.

Ausgaben: Fr. 84.–

Vanessa Einzelnes Bild

Für die Konzerttickets bezahlt Vanessa Fr. 72.-

Ausgaben total: Fr. 173.50
Einnahmen total: Fr. 78.–
Hier seht ihr Vanessas Ausgaben im Detail:

Was meint ihr zu Vanessas Ausgaben? Wie geht ihr mit eurem Geld um und habt ihr Lust, auch bei "Cashflow" mitzumachen? Dann schreibt uns eine E-Mail an community@friday-magazine.ch mit kurzen Infos zu euch.

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