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Leute, wir sollten schleunigst mal Slow Sex ausprobieren

von Marie Hettich

17 MAI 2018

Life

Bücher, Artikel, Podcasts: Immer häufiger ist die Rede von Slow Sex. Doch was ist das eigentlich? Wir haben die Sexualtherapeutin und Paarberaterin Gabriela Kirschbaum gefragt.

Frau Kirschbaum, was meinen Sie: Warum ist Slow Sex gerade so trendy? Ich denke, er ist eine Antwort auf die Schnelllebigkeit und den immensen Leistungsdruck der heutigen Zeit. Sexualität soll wieder entspannen, sie soll einen wieder die Verbindung, die Liebe zwischen Menschen spüren lassen. Ich finde es wunderbar, dass der Begriff gerade in aller Munde ist.

Was ist denn Slow Sex ganz genau? Also erstmal vorweg: Das ist ein relativ neuer Begriff für etwas, das gar nicht neu ist. 

Haben Sie einen anderen Begriff dafür? In meiner Praxis spreche ich manchmal von einem Körper-Date. Aber schlussendlich ist der Begriff ja ganz egal: Es geht dabei darum, sich mit seinem Partner nicht Erregung, nicht einen Orgasmus – ja nicht einmal Geschlechtsverkehr zum Ziel zu setzen. 

Sondern? Das Ziel ist es, gar kein Ziel zu haben. Nach Standard-Sex kann man hinterher vielleicht sagen "eine super Erektion, einen super Orgasmus gehabt". Aber es ist gut möglich, dass überhaupt keine Verbindung zu seinem Sexpartner wahrgenommen wurde. Das ist schade – denn die Begegnung, die Geborgenheit, ist das, was uns Menschen so richtig gut tut. Nicht nur der Orgasmus.

Was heisst das konkret? Es ist gar nicht so entscheidend, dass Slow Sex, wie der Name vielleicht impliziert, stundenlang dauert. Wichtig ist, den ganzen Körper miteinzubeziehen, nicht nur die Geschlechtsorgane. Es geht um Achtsamkeit, darum, sich ohne Plan einfach mal zu berühren. Die Hand zum Beispiel auf dem Körper seines Partners da hingleiten zu lassen, wo sie gerade hin will – und nicht dort hin, wo man denkt, dass es den anderen erregen wird. Wenn man so bewusst reinspürt, bedeutet das im Übrigen natürlich auch, dass man gleich wahrnimmt, wenn sich etwas nicht gut anfühlt – und das lässt man den anderen dann wissen.

Eigentlich selbstverständlich – oder nicht? Schön wärs! Ich habe meine Praxis seit 16 Jahren und erlebe, dass sich Männer und Frauen im Bett immer mehr Druck machen. Männer machen sich den Druck, sofort eine ausdauernde Erektion haben zu müssen und dann ihren Samenerguss perfekt auf den Orgasmus der Frau abzutimen. Oftmals führt dieser Stress zu Erektionsschwierigkeiten – oder eben auch ganz simpel zu weniger Spass, weil man beim Sex komplett damit beschäftigt ist, einen Leistungskatalog abzuarbeiten.


Welchen Druck machen sich Frauen? Dass sie Lust haben müssen – Lust auch darauf, verschiedene Praktiken auszuprobieren. Und sie fühlen sich schlecht, wenn sie nicht zum Orgasmus kommen und täuschen ihn deshalb auch oft vor.

Und Slow Sex ist da die Lösung? Diese Art Sex ist viel entspannter und damit auch entspannender, ja! Slow Sex kann zum Beispiel auch so aussehen, dass man nackt kuschelt und nach zehn Minuten wieder aufhört, weil sich das gerade gut anfühlt. Er kann also jederzeit beginnen und wieder zu Ende sein – wie gesagt: ohne Ziel eben. So entsteht eine immense Freiheit – die für die Lust der Männer, aber noch mehr für die Lust der Frauen sehr zentral ist. 

Wieso das? Slow Sex ist für Frauen eine gute Möglichkeit, während dem Sex mit sich selbst in Verbindung zu bleiben – und nicht das Gefühl zu haben, da läuft irgendein schneller Film ab, in dem die eigenen Empfindungen nichts zu suchen haben.

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  • Definitiv! Ich realisiere erst jetzt, wie viel Stress wir uns im Bett machen. 33%
  • Slow Sex ist nichts für mich. 12%
  • Ich bin noch Jungfrau. 20%

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