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Darum posten Pflegerinnen Pics in Uniform

von Gloria Karthan

7 MAI 2019

Life

Eine Pflegerin bricht einen Marathon-Rekord, doch das Guinnessbuch verwehrt ihr den Eintrag – weil sie kein Kleid trägt. Jetzt solidarisieren sich ihre Berufskolleginnen auf Social Media.

Es gibt so ziemlich für alles einen Weltrekord, den man aufstellen und es damit ins Guinnesbuch der Rekorde schaffen kann. Unter anderem, indem man in einer Krankenschwester-Uniform einen Marathon rennt.

Beim London Marathon am 28. April wollte die britische Pflegerin Jessica Anderson den bisherigen Rekord knacken und dabei Geld für eine gemeinnützige Organisation sammeln. Und es gelang ihr: Mit einer Zeit von 3:08:22 bewältigte sie die Marathonstrecke dreissig Sekunden schneller als die bisherige Titelträgerin. Weltrekord! Oder?

Nein, leider nicht. Trotz ihrer besseren Zeit wird Jessica nicht als schnellste Krankenpflegerin in Arbeitskleidung im Guinnessbuch 2020 erwähnt werden. Und das, weil sie anstelle eines Kleides die Uniform trug, mit der sie täglich zur Arbeit geht.

Denn die Verantwortlichen des Rekordbuchs sind der Meinung, dass ihre Kleidung nicht der Definition eines Krankenpflegerinnen-Outfits entspreche. Dieses bestehe aus einem weissen oder blauen Kleid samt einer Schürze und einer traditionellen Haube. So wie 2015 die Britin Sarah Dudgeon den Rekord holte:

Jessica und ihrem Team tragen bei der Arbeit im Royal London Hospital dagegen statt einem weissen Schürzli und einer Haube auf dem Kopf allesamt lange Hosen und farblich passende Shirts – genau wie Jessicas männlicher Kollege oder die Ärztinnen und Ärzte im Spital.

Die stereotype Uniform, die das Guinnesbuch verlangt, sah man zuletzt in den 60er-Jahren und heute höchstens an Pornodarstellerinnen oder als Fasnachtskostüm – aber ganz bestimmt an keiner echten Pflegerin in einem echten Spital.

Als ihr Rekord nicht anerkannt wurde, kontaktierte Jessica die Verantwortlichen per Mail. Seitens des Guinnesbuchs hiess es bloss, ihre Uniform sehe zu sehr wie die einer Ärztin aus. Und man müsse Rekorde von Ärzten und Krankenschwestern klar unterscheiden. "Ich bin sicher, dass Guinness World Records niemandem auf die Füsse treten will. Aber es wäre schön, wenn sie ihre Kriterien überarbeiten würden – anstatt verstaubte Geschlechterstereotype zu feiern", sagte die Pflegerin zu "Runner's World".

Nachdem Jessica ihre Story publik gemacht hatte, formte sich in den Sozialen Medien Widerstand. Auf Twitter teilen inzwischen Krankenpflegerinnen und -pfleger unter dem Hashtag #WhatNursesWear Bilder von sich in ihrer Uniform. Sie unterstützen Jessica damit und zeigen wie divers und frei von Klischees die Uniform von Pflegepersonal wirklich ist.

Und das mit Erfolg: Mittlerweile hat das Guinnessbuch der Rekorde angekündigt, die Anforderungen für diesen Rekord zu überdenken.

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